Gehölze an den Früchten erkennen

Die Früchte des Trompetenbaums sehen aus wie lange Vanilleschoten

Gehölze an den Früchten erkennen

Von Sabine Krüger

Bäume und Sträucher zu bestimmen, fällt vielen schwer. Meist braucht es mehrere Kriterien, um ein Gehölz zweifelsfrei benennen zu können. Kommt man mit den Blättern nicht weiter, hilft der Blick auf die Früchte.

Erkennungsmerkmal Frucht

Wer Bäume und Sträucher bestimmen möchte, sollte sich neben Wuchsform und Blättern auch für deren Früchte interessieren. Denn oft lassen sie sich erst anhand der Früchte zweifelsfrei erkennen.

Wolf Achim Roland

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Wolf Achim Roland in seiner Freizeit mit Bäumen und Sträuchern. Bei Führungen durch den Botanischen Garten Solingen tauscht er sich mit anderen Baum-Liebhabern aus. Diesmal geht es darum, Gehölze zu bestimmen – und zwar vorwiegend anhand der Früchte.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Wolf Achim Roland in seiner Freizeit mit Bäumen und Sträuchern. Bei Führungen durch den Botanischen Garten Solingen tauscht er sich mit anderen Baum-Liebhabern aus. Diesmal geht es darum, Gehölze zu bestimmen – und zwar vorwiegend anhand der Früchte.

Die Früchte leuchten dem Betrachter bei diesem heimischen Strauch regelrecht entgegen. Sie öffnen sich an vier rosa- bis purpurfarbenen Klappen und bringen einen orangeummantelten Samen zum Vorschein. Die Form erinnert an die Kopfbedeckung der Priester, weshalb der Strauch Pfaffenhütchen heißt. Achtung, alle Pflanzenteile sind giftig!

Von April bis Mai zieht der Blauglockenbaum mit seinen über zehn Zentimeter großen trichterförmigen blau-violetten Blüten alle Blicke auf sich. Jetzt fallen die kleinen eiförmigen und spitz zulaufenden Früchte ins Auge. Sie bleiben oft den ganzen Winter über am Baum. Er stammt aus China und kann bis zu fünfzehn Meter hoch werden.

Ein echter Hingucker sind die sehr langen Früchte des Trompetenbaums aus Nordamerika. Sie sehen aus wie übergroße Vanilleschoten. In ihrem Inneren liegen dicht gedrängt unzählige flugfähige Samen. Nicht minder beeindruckend sind im Juni und Juli dessen bis zu 20 cm lange weiße Blüten mit gelber und violetter Zeichnung.

Dieser bis zu 15 Zentimeter lange Fruchtstand gehört zur Hainbuche, die gerne auch als Gartenhecke gepflanzt wird. Das Holz der Hainbuche ist das schwerste aller bei uns heimischen Bäume. Sie ist ein Birkengewächs und also nicht mit der Buche verwandt. Der Name weist darauf hin, dass ihr Holz früher beim Buchdruck verwendet wurde.

Diese sehr harte Frucht, die an einen kleinen Apfel erinnert, stammt vom Taschentuchbaum. Der kommt aus China und hat seinen deutschen Namen von seinen großen weißen Blüten, die aussehen wie Taschentücher. Betrachtet man den Baum von Weitem, kann man die Blüten auch für Tauben halten, die im Baum sitzen. Daher wird er auch Taubenbaum genannt.

Hier präsentiert Wolf Achim Roland eine Pimpernuss. Ihre Fruchthülle wirkt wie aufgeblasen. Wenn der Samen reif ist, fällt er auf den Boden der Fruchthülle und gibt dann bei Wind ein klapperndes (auch: pimperndes) Geräusch von sich. "Aus dem Samen wurden die Rosenkränze gemacht", erklärt Wolf Achim Roland.

Sehr schön sind auch die in Büscheln wachsenden blaugrünen Nadeln dieser Atlas-Zeder und ihre großen eleganten Zapfen. Diese Zeder-Art stammt aus dem nordafrikanischen Atlas-Gebirge und kann bis zu 900 Jahre alt werden. "Wenn die blühen, haben die tausende männliche Blüten und bei Wind entstehen dann richtig gelbe Wolken", so Roland.

Bei diesem Baum tippten die meisten Rundgangs-Teilnehmer auf Ahorn, wegen der Blätter. "Aber der Ahorn hat doch nicht solche kugelig-pelzigen Früchte", wendet Wolf Achim Roland ein und löst das Rätsel. Es ist eine Platane, und zwar eine Ost-Platane. "An der Ost-Platane hängen an einer Schnur bis zu sieben Früchte, bei der West-Platane nur drei", so Roland.

Die Kornelkirsche ist ein heimischer Strauch, der bis zu 100 Jahre alt wird. Aus ihrer reifen Steinfrucht kann man Marmelade machen. Und Aufgesetzten, wie eine Rundgangs-Teilnehmerin ergänzt. Sie findet die Kornelkirsche "ganz toll", auch weil sie sehr früh im Jahr blüht und eine hervorragende Bienenweide ist.

Gehölze an den Früchten erkennen

WDR 4 Drinnen und Draußen | 11.11.2017 | 02:38 Min.

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Die Wuchsform

Das erste Kriterium bei der Bestimmung von Bäumen ist die Wuchsform, erläutert Wolf Achim Roland bei seiner Führung durch den Botanischen Garten Solingen. Normalerweise stehen die Äste waagerecht ab oder wachsen leicht nach oben oder unten. "Bei der zweiten Wuchsform hängen alle Äste nach unten, zum Beispiel bei der Hängebirke oder Trauerweide. Die dritte Wuchsform lässt alle Äste nach oben streben. Und die Vierte kennen Sie auch, das ist die verrückte, wenn alle durcheinander wachsen, wie bei der Korkenzieher-Hasel", führt Wolf Achim Roland anschaulich ein.

Die Blätter

Die Blätter werden die meisten von uns als erstes betrachten, wenn sie versuchen, ein Gehölz zu bestimmen. Aber manchmal führt das in die Irre. Wolf Achim Roland macht den Test bei seiner Führung. Die Teilnehmer sollen den Baum bestimmen, der im Botanischen Garten Solingen unten am Teich steht. Die Köpfe recken sich nach oben und mehrere sagen: "Ahorn!". Wolf Achim Rolands Schmunzeln verrät, dass er das erwartet hatte. Er lässt die Gruppe aber nicht lange zappeln und klärt auf, dass es sich um eine Platane handelt. Ihre Blätter sind aber auch stärker eingeschnitten als die des Ahorns.

Die Früchte

Der Blick auf die Früchte hätte schnell erkennen lassen, dass es sich bei dem Baum nicht um den Ahorn handelt. Denn an der Platane hängen keine propellerartigen Früchte, sondern mehrere stachelige Kugeln an einem langen Stiel. Sehr lang sind die Früchte des Trompetenbaums aus Nordamerika. Sie sehen aus wie riesige Vanilleschoten. Charakteristisch sind auch die rosa-orangefarbenen Früchte des Pfaffenhütchens, einem unserer heimischen Sträucher. So appetitlich dessen Früchte aussehen: Finger weg, denn alle Pflanzenteile dieses Gehölzes sind giftig!

Leckere Wildfrüchte

"Viele wissen gar nicht mehr, wie viele Früchte essbar sind", bedauert Wolf Achim Roland. Die Früchte der Felsenbirne kann man direkt vom Strauch naschen oder zu Marmelade oder Kompott verarbeiten. Sie enthalten viel Zucker, Mineralstoffe und Vitamine. Diejenigen des Schwarzen Holunders sind reich an Kalium und Vitamin C. Amseln, Drosseln, Stare und Mönchsgrasmücken mögen sie sehr gern. "Wir haben früher Holundersuppe gegessen oder Marmelade von der Kornelkirsche", erinnert sich Roland. Auch eine Rundgangs-Teilnehmerin outet sich als Kornelkirschen-Fan. Ihre griechische Schwiegermutter macht daraus Aufgesetzten.

Lesetipps

Bäume und Sträucher. Bestimmen in drei Schritten
Autor: Ulrich Hecker
blv, 2016
12,99 €

Welcher Baum ist das?
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12,99 €

Wildobst. Schlehe, Hagebutte und Co. für meinen Garten
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Ulmer Verlag, 2016
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Stand: 11.11.2017, 00:00