Gartenschätze für den Winter

Die Mahonie blüht als einer der ersten Sträucher im Winter

Gartenschätze für den Winter

Von Sabine Krüger

Vielen Gartenbesitzern gilt der Winter als verlorene Jahreszeit. Das muss nicht sein! Der Park Härle in Bonn zeigt immergrüne und winterblühende Bodendecker, Stauden und Gehölze.

Gartenschätze für den Winter

WDR 4 Drinnen und Draußen 12.01.2019 02:19 Min. Verfügbar bis 12.01.2020 WDR 4

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So wird der Garten im Winter attraktiv

Der Winter hat seine eigenen Vorzüge: Er macht Strukturen im Garten erkennbar. Und bei richtiger Pflanzenwahl leuchten auch in der grauen Jahreszeit Immergrüne und Blüten!

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum Park Härle zeigt Zweige der Himalaya-Himbeere

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum Park Härle, führt durch den Gehölz-Park in Bonn-Oberkassel, um eine Lanze für den winterlichen Garten zu brechen. Ein absolutes Highlight sind zweifelsohne die schneeweiß strahlenden Zweige der Himalaya-Himbeere. "Vor allem vor dunkelgrünen Eiben wirkt dieser Zierstrauch ungemein elegant", findet er.

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum Park Härle, führt durch den Gehölz-Park in Bonn-Oberkassel, um eine Lanze für den winterlichen Garten zu brechen. Ein absolutes Highlight sind zweifelsohne die schneeweiß strahlenden Zweige der Himalaya-Himbeere. "Vor allem vor dunkelgrünen Eiben wirkt dieser Zierstrauch ungemein elegant", findet er.

"Im Winter mischt sich das Bild aus den Gräsern und Immergrünen vom letzten Jahr mit den ersten Vor-Frühlingsboten. Aber es gibt auch Früchte, die solange halten. Hier die leuchtend-roten Hagebutten der Moschata-Rose der Sorte Ballerina, die bis in den Dezember geblüht hat und diese riesigen Fruchtstände bildet. Dahinter als Kontrast das Miscanthus-Gras 'Morning Light'", wirbt Michael Dreisvogt für eine wunderschöne Winter-Kombination.

Sehr empfehlenswert ist auch der winterliche Dreiklang aus immergrünen Gräsern, Aronstäben und Farnen. Wobei die Pflanze ganz vorne nur aussieht wie Gras, tatsächlich ist sie ein Spargelgewächs, ein feinblättriger Schlangenbart aus China. "Das Bild lebt von den Kontrasten der Blätter und dem überraschend frischen Grün im Winter", verrät der Fachmann.

Besonders stolz ist Michael Dreisvogt auf diesen sehr stark silbrig gefärbten Aronstab der Sorte "Monksilver": "Ich habe ihn in Frankreich gefunden, durfte ihn da ausgraben, hab‘ ihn Freunden gezeigt und Joe Sharman von der berühmten Monksilver-Gärtnerei im englischen Cambridge, der schon seit Jahren Aronstäbe züchtet, bekam ganz große Augen. Ich war gerührt, als er vorschlug, ich sollte die Pflanze doch nach seiner Gärtnerei benennen."

Dieser filigrane Farn sieht zwar sehr zart aus, ist tatsächlich aber vollständig winterhart, sehr robust und anspruchslos: "Eine tolle Pflanze für schattige Gärten, die im Winter eben auch sehr viel zu bieten haben." Polystichum setiferum "Greenlace" lautet der exakte Sortenname dieser besonders feingliedrigen Pflanze.

Auch dieser sterile Hirschzungenfarn ist ein ganz besonderer Schatz von Michael Dreisvogt: "Das ist ein Teilstück der Originalpflanze, die etwa 1870 gefunden worden ist. Eine Hirschzunge, deren Blattspitzen gekräuselt sind wie Brüsseler Spitzen der Sorte 'Golden Queen'. Die gelben Blätter leuchten im Winter regelrecht. Wenn der Farn allerdings zu schattig steht, bleibt er relativ grün, wenn er zu viel Sonne bekommt, verbrennt er. Für goldgelbe Blätter braucht es also den richtigen Standort."

Diesen immergrünen Bodendecker werden viele aus ihrem eigenen Garten kennen, denn das Dickmännchen ist im Gartencenter günstig zu haben. "Damit er aber so schön aussieht wie hier, braucht er sehr humosen, leicht sauren Boden, nicht zu viel Trockenheit und auch nicht zu viel Sonne. Es ist also eine Pflanze für Halbschatten bis Schatten und es ist ein Laubschlucker, man spart sich also das Laubkehren", so Dreisvogt.

Mit roter Laub-Verfärbung im Winter punkten Bergenien-Sorten wie hier oben die kleinwüchsigere Sorte "Wintermärchen" und unten die größere "Beethoven". "Wintermärchen" blüht im April purpurrosa und wird circa 20 Zentimeter hoch, "Beethoven" blüht weiß und wächst bis 40 Zentimeter Höhe. Dreisvogts Lieblingssorte ist allerdings die Bergenia "Bach", weil er deren Proportionen zwischen Blüten und Stängeln am ausgewogensten findet.

Im Kiesgarten fallen im Winter Wolfsmilchgewächse, botanisch Euphorbien, besonders ins Auge. "Das sieht immer so schön aus, wenn sich Regentropfen darauf sammeln", findet Michael Dreisvogt. "An dieser hier gefällt mir die rötliche Färbung besonders gut und ich schätze die Dynamik, die sie ins Gartenbild tragen. Denn Euphorbien säen sich selbst aus und tauchen dann überraschend an anderer Stelle auf. Diese Dynamik zuzulassen, täte manchen Gärten gut", schmunzelt er.

Den immergrünen duftenden Seidelbast möchte der Parkleiter auch noch für winterliche Gärten empfehlen, auch wenn er besonders giftig ist: "Einer meiner Lehrer an der Universität hat sich einen duftenden Seidelbast auf den Nachttisch gestellt und ist am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen aufgewacht." Von März bis Mai bilden sich kleine sternförmige weißlich-rosafarbene Blüten in Büscheln.

An den Fruchtständen erkennt man, dass diese Pflanze eine Verwandte des Efeus ist. "Die Zimmeraralie war in den 80ern eine beliebte Zimmerpflanze, aber so richtig prächtig wirkt sie ausgepflanzt im Garten. Vor allem, wenn ihre großen fingerförmigen Blätter sattes Grün in den grauen Winter tragen. Und wenn dann noch die Sonne die Stängel weiß strahlen lässt, ist der Auftritt perfekt!", so Dreisvogt.

Gegen Ende des Rundgangs kehrt Michael Dreisvogt mit der Gruppe auf den sogenannten gelben Weg des Parks zurück. Die Orangenblume der Sorte "Sundance" duftet zart nach Orange und fällt im Winter durch ihr gelblich-grünes Laub auf, das den Strauch sehr frisch wirken lässt. Im späten Frühjahr blüht er weiß.

Zum gelben Weg gehören natürlich auch gelbe Blüten – auch im Winter! Der Mahonien-Strauch ist ein Frühblüher, der manchmal schon im Herbst und den ganzen Winter durch Blüten zeigt. Deshalb ist er vor allem für überwinternde Hummelköniginnen wichtige Nahrung. Die Pflanzen sind mit den Berberitzen verwandt und haben sehr stachelige dunkelgrüne Blätter.

Im Arboretum Park Härle in Bonn steht aber auch eine Sorte ohne Stacheln: "Soft Caress" heißt sie, also "Zarte Streicheleinheit". "Die gibt’s heute in fast jedem Gartencenter. Eine wunderbare Pflanze, die unglaublich elegant aussieht, mit fast palmenartigen Blättern!", schwärmt Michael Dreisvogt. Der Duft von Mahonien erinnert an Maiglöckchen.  

"Ist es nicht faszinierend, wie Grün so ein Garten im Winter aussehen kann?", eine rhetorische Frage von Michael Dreisvogt. Das Arboretum Park Härle ist ein ursprünglich privater Park, der in eine gemeinnützige Stiftung überführt wurde. Man kann entweder privat, gegen Spende, einen Rundgang buchen oder eine öffentliche Führung besuchen. Die Winterführung findet noch einmal am 16. Januar 2019 um 11.30 Uhr statt.

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Stand: 12.01.2019, 00:00