Welche Gartenmöbel unter 300 Euro wirklich taugen

Welche Gartenmöbel unter 300 Euro wirklich taugen

Grillen, chillen – sparen? Wer anständige Gartenmöbel sucht, muss in der Regel mindestens mehrere hundert, wenn nicht sogar über 1.000 Euro hinlegen. Doch im Baumarkt, beim Discounter und in Onlinemöbelshops gibt es Gartenmöbelsets für unter 300 Euro. Was können wir von ihnen erwarten? Und welche taugen am ehesten? Markt hat eine Stichprobe von fünf gecheckt.

Im Check: Fünf billige Gartenmöbelsets unter 300 Euro

Marken: Bauhaus, Ikea, Lidl, Onlineshops VidaXL und Dinesh
Kriterien: Aufbau, Eindruck, Preis, Qualität
Kritiker: Schreiner Lorenz Becker und fünf Gartenfans

Das Bild zeigt den getestenten Gartentisch von Bauhaus.

Bauhaus
Preis: 179 Euro
Aufbau: einfach
Eindruck/Material: wackelig
Expertenurteil: "Material schlecht verarbeitet, immerhin FSC-Nachhaltigkeitssiegel. Aber für Wegwerfmöbel? Schade."
Laborcheck: Akazienholz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Bauhaus
Preis: 179 Euro
Aufbau: einfach
Eindruck/Material: wackelig
Expertenurteil: "Material schlecht verarbeitet, immerhin FSC-Nachhaltigkeitssiegel. Aber für Wegwerfmöbel? Schade."
Laborcheck: Akazienholz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Ikea
Preis: 199 Euro
Aufbau: dauert 20 Minuten
Eindruck/Material: stabil
Expertenurteil: "Mehr Holz dran, das macht es stabil. Witterungsbeständiges Akazienholz. Gut verarbeitet."
Laborcheck: Akazienholz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Lidl
Preis: 259 Euro
Aufbau: einfach, nur Beine an den Tisch schrauben
Eindruck/Material: stabil
Expertenurteil: "Imprägniertes Hartholz, das sagt mir nichts. Ordentlich gefertigt."
Laborcheck: Eukalyptus-Holz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Onlinehandel Vida XL
Preis: 205 Euro
Aufbau: klappt nicht gut, Anleitung mies
Eindruck/Material: Holz splittert ab
Expertenurteil: "Viel verleimt. Hält nicht so lange bei Wasser und Sonne."
Laborcheck: Teakholz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Onlinehandel Dinesh
Preis: 129 Euro
Aufbau: klappt nicht ohne professionelle Hilfe, Anleitung konfus
Expertenurteil: "Qualitativ für so wenig Geld ganz gut."
Laborcheck: Akazienholz (keine Hinweise auf illegale Rodungen)

Fazit
Am ehesten erfüllt unsere Kriterien Ikea, gefolgt von Lidl.
Das sagt unser Experte, Schreiner Lorenz Becker: "Unter 300 Euro – kann man wagen. Ordentliche Qualität kostet mindestens das Dreifache hält dafür aber viel länger. Das hier hält drei bis fünf Jahre. Wenn man es gut pflegt, vielleicht länger."

Holzhandel – ein Geschäft mit mafiösen Strukturen

Das Holz für den Baumarktstuhl stammt aus dem heimischen Naturschutzgebiet hier in NRW? Nein, das ist nur ein Szenario. Doch solche Verbrechen an der Natur passieren jeden Tag auf der Welt. Dass der Holzstuhl aus illegalem Holz gefertigt ist, scheint auf einmal gar nicht mehr so unrealistisch.

Alle zwei Sekunden verschwindet auf der Welt ein Waldgebiet so groß wie ein Fußballfeld. Im Amazonasbecken sind 80 Prozent der Rodungen illegal. Im Kongobecken 50 bis 70 Prozent. In Südost-Asien über 70 Prozent. Und in Russland: bis 50 Prozent.

Weltweite Waldvernichtung bis 2030

grün: Wald, rot: Entwaldung

Quelle: WWF-Studie "Deforestation Fronts", S. 3

Bei den illegalen Importen ist Europa, heißt es, der wichtigste Exportabnehmer für Holz aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Dort tobt ein Bürgerkrieg. Über 5.000 Menschen sterben, Millionen sind auf der Flucht. Rebellengruppen reißen die Macht an sich. Sie brauchen Waffen und dafür Geld. Der Schlüssel: die Regenwaldgebiete des Landes. Holz, illegal gerodet, geht von Afrika nach Europa und finanziert den Milizen ihre blutigen Kämpfe. Nach offiziellen Angaben aus der ZAR gehen 59 % aller Holzexporte aus dem Land nach Europa – der Großteil davon nach Deutschland (32 % der gesamten Exportmenge).

Holzhandel organisiert wie Drogenkartelle

Laut Interpol ist Holz das drittgrößte Betätigungsfeld der internationalen organisierten Kriminalität, nach Drogen und gefälschten Markenprodukten. Dahinter stecken mafiöse Netzwerke aus Korruption und Geldwäsche – organisiert wie Drogenkartelle.

Die verzweigten Handelsströme machen es nicht einfacher, die Machenschaften aufzudecken. James Hewitt analysiert seit Jahren Holzhandelsdaten. Neben gefälschten Papieren aus den Ursprungsländern kann illegales Holz auch über andere Länder reingewaschen werden. China spiele eine entscheidende Rolle.

James Hewitt: "China entwickelt sich immer mehr zur Drehscheibe: Nach meiner Rechnung läuft fast die Hälfte des weltweit gehandelten illegalen Holzes über China - ein Land, das selbst wenig Fragen stellt, kaum Gesetze zu illegalem Holz hat und daher viel aus fragwürdigen Quellen importiert. Nach Deutschland gelangt illegales Holz vor allem in Form von Möbeln aus China."

Die Wege illegalen Holzhandels

Die Wege illegalen Holzhandels

Quelle: GRID Arendal

Unsere Gartenmöbel im Testlabor

Wir haben fünf Gartenmöbel-Sets unter 300 Euro gekauft. Von Bauhaus, Ikea, Lidl und den Online-Shops VidaXL sowie Dinesh. Wir nehmen Holzproben fürs Labor. Die Holzart liefert wichtige Informationen: So gibt es Baumarten, die auf der roten Liste stehen oder Baumarten, die nicht in Plantagen wachsen - falsche oder fehlende Holzangaben sind mögliche Indizien für illegalen Rodungen. Deswegen schreiben Prüfbehörden vor, die Holzart anzugeben. Bei Bauhaus, Lidl und dem Onlineshop Dinesh fehlt die Angabe der genauen Holzart. Bei Ikea steht Akazie drauf - beim Online-Produkt von Vida XL Teak. Beide Holzarten stehen nicht auf der roten Liste – schon mal ein gutes Zeichen. Doch stimmt die Angabe? Auch da kommt es schon mal zu Fälschungen. Deshalb lassen wir alle fünf prüfen.

Das Ergebnis

Ikeas Angabe zum Akazienholz stimmt, ebenso die Teakholzangabe von Vida XL. Das Bauhaus-Produkt und das andere Online-Produkt von Dinesh sind laut Labor Akazie.

Die Lidl-Möbel sind aus Eukalyptus. Gerald Koch vom Thünen-Institut für Holzforschung: "Die Zuwachszonen, die wir bei Ihren Hölzern gefunden haben – die extremen Breiten weisen eindeutig auf Plantagenholz hin. […] Das heißt, das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer Plantage kommen, wo wir kein Problem mit illegalen Holzeinkünften hätten."

Unsere Stichproben waren demnach sauber. Auch weisen alle fünf Handelsketten uns gegenüber auf nachvollziehbare Lieferwege hin. Dennoch schätzt der WWF nach wie vor, dass das Risiko von illegalem Holz bei Gartenmöbeln hoch ist. Regelmäßig deckt die Organisation in eigenen Recherchen Missstände in Deutschland auf, sie melde die Verstöße – doch es passiere nichts. Auf den Staat könne sich der Verbraucher derzeit nicht verlassen. Derzeit würden knapp unter einem Prozent der Unternehmen überprüft. Johannes Zahnen vom WWF: "Das sind dann 250 Unternehmen von 25.000 – das heißt, dass wir statistisch gesehen in 100 Jahren alle Unternehmen einmal kontrolliert haben werden – dann haben wir keine Strafen, denn Strafen dürfen erst nach wiederholter Kontrolle ausgesprochen werden – da sind wir dann irgendwo bei 150-200 Jahren."

Auf Siegel achten

Es gibt eine unüberschaubare Zahl von Siegeln auf dem Holzsektor. Die meisten seien allerdings laut unabhängigen Experten nicht vertrauenswürdig. Das einzige allgemein anerkannte ist demnach das FSC-Siegel. Trotz immer wieder aufkommender Kritik an der Zertifizierung ist es das beste Kontrollsystem, das wir im Moment haben, sagen Experten.

Alternativen aus heimischen Hölzern

Für den Garten sind zum Beispiel Eiche oder Robinie gut geeignet. Relativ neu auf dem Markt ist so genanntes Thermo- oder Dauerholz. Das besteht aus heimischen Laub- oder Nadelhölzern, die in einem speziellen Verfahren mit Hitze und Wachs widerstandsfähig gemacht werden. Daraus werden auch Terrassendielen gefertigt, und die kann man bedenkenlos kaufen.

Stand: 03.05.2017, 20:15