Gärten für Wildbienen

Violett-blühender Ehrenpreis, daneben eine Kleine Sandbiene

Gärten für Wildbienen

Von Sabine Krüger

Mehr als die Hälfte der über 550 Wildbienenarten Deutschlands sind vom Aussterben bedroht. Da zählt auch jeder Privat- und Kleingarten: So wird er ein Zuhause für Wildbienen.

Gärten für Wildbienen

WDR 4 Drinnen und Draußen 09.05.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 09.05.2021 WDR 4


Download

Wildbienen beobachten: Safari vor der Haustür

Von Sabine Krüger

Was man kennt und liebt, das schützt man. Wir gehen auf Pirsch im Botanischen Garten Bonn und lernen, wie wildbienenfreundliche Gärten aussehen. Der Lohn: schöne Beobachtungen!

Biologe Diethelm Schneider mit einem Netz für den Insektenfang

Wildbienen mögen vielfältige Landschaften in eher warmen Regionen. Genauso geht es auch dem 51-jährigen Biologen Diethelm Schneider. Zudem fotografiert er gerne. Aber Großwild-Safaris in Afrika reizen ihn nicht: "Die heimischen Insekten sind so spannend, das liegt mir viel näher", sagt er. Also, los geht's zur Wildbienen-Safari im Botanischen Garten Bonn! Um die Wildbienen in Ruhe betrachten zu können, fängt der Experte sie mit einem Netz.

Wildbienen mögen vielfältige Landschaften in eher warmen Regionen. Genauso geht es auch dem 51-jährigen Biologen Diethelm Schneider. Zudem fotografiert er gerne. Aber Großwild-Safaris in Afrika reizen ihn nicht: "Die heimischen Insekten sind so spannend, das liegt mir viel näher", sagt er. Also, los geht's zur Wildbienen-Safari im Botanischen Garten Bonn! Um die Wildbienen in Ruhe betrachten zu können, fängt der Experte sie mit einem Netz.

Auf dem kurzgeschorenen "Golfrasen", wie Diethelm Schneider eine Grünfläche zwischen zwei Beeten nennt, ist erwartungsgemäß kein Leben zu beobachten. Deshalb geht der Biologe weiter, zu einer bauchhochgewachsenen Blumenwiese mit gelbem Hahnenfuß. Der ist eine wichtige Futterpflanze für Wildbienen, ganz besonders für die Hahnenfuß-Scherenbiene, denn sie findet nur dort Nahrung. "Um das Überleben dieser Wildbiene zu sichern, sollte es in möglichst vielen Gärten Wildblumenecken mit Hahnenfuß geben", so der Biologe.

Und schon bekommt er eine Scherenbiene ins Netz. Um sie besser betrachten zu können, lässt Diethelm Schneider sie in ein Reagenzglas gleiten und fixiert sie mit seinem Zeigefinger dahinter. "Wildbienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen und wenn sie den Himmel nicht mehr sehen. Es ist ein Weibchen. Die haben sehr große scherenartige Mundwerkzeuge, daher kommt der Name. Scherenbienen sammeln den Pollen nicht an den Beinen, sondern mit einer Pollenbürste am Bauch."

Scherenbienen nisten in Höhlen und Stängeln ausschließlich oberirdisch. Dreiviertel der Wildbienen nisten allerdings in der Erde. Auf solche Wildbienen ist die hier abgebildete angewiesen. Es handelt sich nicht etwa um eine Wespe, sondern um eine Wespenbiene: "Die legt ihr Ei in ein Nest einer erdbewohnenden Wildbiene. Ihre Larve schlüpft zuerst und frisst dann die Larve der anderen Wildbiene, mitsamt allen Vorräten. Die Wespenbiene gehört also zu den sogenannten Kuckucksbienen."

Schaut man genauer hin, wachsen auf der Wiese zwischen den gelben Hahnenfußgewächsen rosafarbene Zaunwicken: "Es gibt Leute, die die Zaunwicke als Unkraut bezeichnen, aber das ist eine sehr wichtige Futterpflanze für Wildbienen", betont der Experte. Und genau wie beim Hahnenfuß gibt es auch Wildbienen, die nur an ihr Nahrung sammeln, zum Beispiel die Zaunwicken-Sandbiene.

So sieht ein Sandbienenweibchen aus der Nähe aus. Man erkennt es an den roten Hinterbein-Haaren, mit denen es Pollen sammelt, und an der schmalen Bänderung des Hinterleibs. Der letzte Teil davon ist rot gefranst. "Ob das jetzt tatsächlich eine Zaunwicken-Sandbiene ist, lässt sich nicht sagen. Bei Wildbienen kann man zwar die Gattung relativ gut bestimmen, also beispielsweise Sandbiene oder Scherenbiene, aber die genaue Art kann man oft nur im Labor an toten Tieren feststellen." Er lässt hier natürlich jedes Tier wieder unversehrt frei.

Ebenfalls an der Zaunwicke fängt Diethelm Schneider dieses Langhornbienenmännchen: "Langhornbienen heißen so, weil die Männchen extrem lange Fühler haben. Die Weibchen haben deutlich kürzere, einen breiten Hinterleib und breite Hinterbeine mit Pollenbürsten. Die meisten Langhornbienen sind auf Zaunwicke spezialisiert. Man kann sie also fördern, indem man die Zaunwicke im Garten wachsen und blühen lässt!"

Ein paar Schritte weiter blühen rechts vom Weg in einer Wiese Milchsterne. Hier sammelt gerade eine graue Sandbiene Nahrung. Die graue Sandbiene nistet in bis zu 25 Zentimeter unter der Erde liegenden Röhren und braucht dafür wenig bewachsene nährstoffarme Wiesen.

In derselben Milchsternwiese fängt Diethelm Schneider dieses Tier: "Es ist schwarz-rot, man könnte also denken, es sei eine Blutbiene. Für eine Blutbiene ist es aber viel zu stark behaart und der Mittelteil glänzt zu wenig. Stattdessen müsste es ein Männchen von einer Sandbienenart sein. Ein Männchen deshalb, weil bei den Wildbienen in der Regel die Männchen eine helle Gesichtszeichnung haben."

Auch Bereiche im Halbschatten unter Bäumen können blütenreich sein. "Es gibt die verschiedensten Lebensbereiche, die man Wildbienen im Garten anbieten kann", so Schneider. Gerade auf Doldenblütler, wie den hier wachsenden Kerbel, sind wieder ganz bestimmte Wildbienenarten spezialisiert: beispielsweise die Sommer-Kielsandbiene, die Frühe Doldensandbiene oder die Bärenklau-Sandbiene.

Auf diesem Sandhügel im Botanischen Garten Bonn hat Diethelm Schneider schon 80 Wildbienen-Nistgänge gezählt: "Man erkennt sie daran, dass meist auch etwas Sand-Auswurf vor den Löchern liegt. Mit so einem Sandhügel im Garten kann man also satt Nistmöglichkeiten schaffen. Die sind, neben einem ganzjährigen Blütenangebot von Zwiebelpflanzen, Hecken, Sträuchern und Wildstauden, auch an Beetsäumen, zentral fürs Überleben der Wildbienen."

Ganz wichtig ist, dass der sandige Boden unberührt bleibt. "Solche gerechten Sandbeete sind für Wildbienen uninteressant, darin nisten sie nicht", stellt der Experte klar. Am besten also im Garten einfach mal nichts machen!

Es muss auch nicht gleich ein großer Sandhügel sein. Es reicht schon eine kleine, freie, unberührt gebliebene Stelle am Wegrand. "Wenn Löcher im Boden kreisrund oder oval sind, wohnen darin Wildbienen. Sind sie eher ausgefranst, führen sie zu Ameisenhöhlen", erklärt Diethelm Schneider.

Womit man Bienen im Garten sicher eine Freude machen kann, das ist Phazelie. Nicht umsonst heißt die Pflanze auch Bienenfreund oder Bienenweide. Hier wird sie von einer Honigbiene besucht. "Honigbienen haben einen herzförmig-spitz zulaufenden Kopf und die Unterseite des Bauches läuft dachförmig zu, ist also nicht flach wie bei den Wildbienen."

Hier ist eine Dunkle Erdhummel auf Sammeltour an der Phazelie. Bei ihrer Nahrung sind Erdhummeln nicht wählerisch. Sie nisten in verlassenen Mäusenestern oder Maulwurfbauten sowie in Hummelnistkästen. Aber Achtung: Nicht alle "Insektenhotels", die zum Kauf angeboten werden, sind wirklich nützlich. Manche werden sogar zur Todesfalle. Deshalb: Entweder im Fachhandel kaufen oder unter fachlicher Anleitung selbst bauen!

Zu guter Letzt kommt noch der Ehrenpreis zu Ehren. Den steuert hier eine Kleine Sandbiene an. Diethelm Schneider fasst zusammen: "Wer Wildbienen helfen möchte, der sollte in seinem Garten dafür sorgen, dass es dort das ganze Jahr über blüht. Im Frühling denken viele noch daran, aber der Herbst wird oft vergessen. Im Herbst fliegen die Seidenbienen, die brauchen den Rainfarn als Hauptnahrungsquelle und der Wilde Majoran ist bei Wildbienen auch sehr beliebt."

Die Wildbienen Deutschlands
Autor: Paul Westrich
Ulmer Verlag, 2019
99 €

Tiere pflanzen. Faszinierende Partnerschaften zwischen Pflanzen und Tieren
Autorin: Ulrike Aufderheide,
Pala Verlag, 2019
19,90 €

Wildbienenhelfer. Wildbienen und Blühpflanzen
Autoren: Anja Eder, Dirk Peters, Michael Römer
Tipp-4-Verlag, 2018
39,90 €

Fertig zum Einzug. Nisthilfen für Bienen: Leitfaden für Bau und Praxis
Autor: Werner David
Fotografen: Werner David, Matthias David, Kerstin Lüchow
Pala Verlag, 2018
19,90 €

Vom Leben der Wildbienen. Über Maurer, Blattschneider und Wollsammler Autor: Philippe Boyer
Ulmer Verlag, 2016
19,90 €

Mehr zum Thema im WDR

Stand: 06.05.2020, 15:26