Den Frühling genießen!

Pelzige, lilafarbene Küchenschellen mit sattgelben Staubgefäßen

Den Frühling genießen!

Von Sabine Krüger

Schönheit tut der Seele gut und frische Luft der Lunge: In Corona-Zeiten aber bitte Abstand halten! Wenn wir das tun, dürfen wir uns an den Frühblühern vor der Haustür freuen.

Den Frühling genießen!

WDR 4 Drinnen und Draußen 10.04.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 10.04.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Farbenfrohe Frühblüher

Frühlingsboten am Wegesrand, im Wald oder im Vorgarten machen einfach gute Laune! Ulla Hannecke vom Botanischen Garten Düsseldorf stellt sie uns vor, Gartentipps inklusive.

Ulla Hannecke neben rosafarbenen Blüten eines Wildapfels

Sind sie nicht fantastisch, die Blüten des Wildapfels Malus sieboldii? "Seine Knospen öffnen sich erst dunkelrosa, gehen dann in Hellrosa über und später werden sie weiß, das sieht dann aus wie weißer Schaum. Ich schneide mir gerne im März, April Äste für die Vase und hole mir so den Frühling ins Haus", schwärmt Gärtnermeisterin Ulla Hannecke vom Botanischen Garten Düsseldorf. Später trägt der Baum sehr kleine gelb-orangefarbene Zieräpfel. Sein Wuchs ist ausladend-malerisch, weshalb er sich nur für Gärten ab ca. 500 Quadratmeter Größe eignet.

Sind sie nicht fantastisch, die Blüten des Wildapfels Malus sieboldii? "Seine Knospen öffnen sich erst dunkelrosa, gehen dann in Hellrosa über und später werden sie weiß, das sieht dann aus wie weißer Schaum. Ich schneide mir gerne im März, April Äste für die Vase und hole mir so den Frühling ins Haus", schwärmt Gärtnermeisterin Ulla Hannecke vom Botanischen Garten Düsseldorf. Später trägt der Baum sehr kleine gelb-orangefarbene Zieräpfel. Sein Wuchs ist ausladend-malerisch, weshalb er sich nur für Gärten ab ca. 500 Quadratmeter Größe eignet.

Wer angesichts der Frühjahrsblüten eine poetische Ader entwickelt, dem wird diese Narzisse gefallen: Narcissus poeticus, also die Dichternarzisse. "Das Besondere an ihr ist, dass die Krone, die sonst bei Narzissen eher rausgeschoben ist, bei ihr flach ist und orangegelb gefärbt. Die Blütenblätter sind elegant weiß. Sie blüht spät und lange: Während die anderen Narzissen schon ihrem Ende zugehen, legt sie jetzt erst los", so Ulla Hannecke.

Neben der Dichternarzisse – unter einer Buche, also im trockenen Halbschatten – wächst auch diese Korsische Nieswurz (botanisch: Helleborus argutifolius). Sie hat schon im März angefangen zu blühen, und zwar in einem eigenartigen gelblichen Grün. "Zum Ende der Blütezeit legen sich die Stängel auf den Boden. Die sollte man abschneiden, wenn die Samen gereift sind. Darunter erkennt man dann schon den jungen Austrieb. Dieser Schnitt hält die Pflanze vital", lautet Ulla Hanneckes Pflegetipp.

In einem noch kräftigeren gelblichen Grün blüht die Palisaden-Wolfsmilch (bot.: Euphorbia characias) von März bis fast in den Juni hinein – eine enorm lange Blütezeit! "Die Blüten gehen von unten nach oben auf, bilden später wunderschöne kleine Samen, die bei Hitze mit einem Plopp laut aufspringen. Zudem ist sie wintergrün, also auch im Winter sehr zierend im Garten", meint die Gärtnermeisterin.

Allerdings sollten empfindliche Menschen beim Rückschnitt besser Handschuhe tragen und ihn bei bedecktem Wetter vornehmen, denn Wolfsmilchgewächse enthalten einen weißen Pflanzensaft, der phototoxisch wirkt. "Bei Empfindsamen kann diese Milch bei Sonnenschein auf der Haut Brandblasen verursachen." Wichtig zu wissen, denn auch bei der Palisaden-Wolfsmilch sollte man, ähnlich wie bei der Korsischen Nieswurz, alte Triebe rausschneiden, damit sie kompakt bleibt.

Das hier ist unverkennbar die Walzen-Wolfsmilch (bot.: Euphorbia myrsinites). Sie eignet sich besonders für Steingärten und Dachbegrünungen, mag es sonnig und trocken. Während die Palisaden-Wolfsmilch brusthoch stabil nach oben wächst, breitet sich diese Wolfsmilchart walzenartig auf dem Boden aus.

Um trocken-halbschattige Problemstandorte unter Bäumen großflächig zu begrünen, eignet sich diese dritte Wolfsmilchart: die Mandelblättrige Wolfsmilch (bot.: Euphorbia amygdaloides var. Robbiae). "Sie lässt sich gut mit den Lenzrosen und den Dichternarzissen kombinieren. Alle lieben den gleichen Standort und sind ähnlich konkurrenzstark", so Hannecke.

Ein echter Frühlingsklassiker ist die Schlüsselblume. "Die mögen sogar trockene Magerrasen. Ich hab früher immer gedacht, die will es bestimmt ein bisschen halbschattig, wie das bei Primeln eben oft ist, aber das hat sie gar nicht so gerne. Schlüsselblumen fühlen sich in einer sonnigen Wiese am wohlsten", rät die Gärtnermeisterin.

Ebenso wie die Schlüsselblume ist die Traubenhyazinthe der Inbegriff des Frühlings. In vielen Vorgärten sieht man sie jetzt blühen, auch in den Bauern- und Schrebergärten. "Bei Trauben-Hyazinthen gibt es ein sehr großes Angebot. Nicht nur diese blau-violetten Blüten, sondern es gibt sie auch in Weiß, in Hellblau, sogar in Hellgelb, wenn man etwas Selteneres haben möchte", so Ulla Hannecke.

Diese Biene freut sich über die frühblühende Korallen-Pfingstrose (bot.: Paeonia mascula). Mit ihr können sich Pfingstrosen-Fans die Blühphase ihrer Lieblingspflanze im Garten verlängern, indem sie sie mit später blühenden Pfingstrosen kombinieren, rät Hannecke: "Die Korallen-Pfingstrose ist auch keine klassische Beet-Pflanze. Man kann sie genauso gut in eine Freifläche unter Gehölzen pflanzen."

Am sonnigen Gehölzrand fühlt sich auch der blauweiß-blühende Schneeglanz wohl. Er eignet sich zudem sehr gut als Unterpflanzung von frühjahrsblühenden Sträuchern. Durch Brutzwiebeln und Selbstaussaat verwildert er schnell und zaubert so weiß-blaue Teppiche in den Garten.

Diese rosablühende Primula sieboldii ist eine ganz andere Primelart als die Schlüsselblume. Während die Schlüsselblume es sonnig und trocken mag, bevorzugt diese Primel den feuchten Halbschatten unter Gehölzen oder Farnen. "Man kann sie wunderbar mit Schlangenbart kombinieren oder Steinbrechgewächsen, Lilien oder Orchideen, die auch am japanischen Originalstandort eine Pflanzengemeinschaft bilden", so Hannecke.

Die Buschwindröschen blühen jetzt auch in den Buchen- und Erlenwäldern im Unterholz. Im Botanischen Garten Düsseldorf stehen sie unter einer Kornelkirsche: "Wenn man sie im Garten ansiedeln möchte, lässt man sie am besten in Ruhe und hackt nicht so viel rum, das gilt allgemein für Wildstauden", ein Rat der Fachfrau, den Hobbygärtner sicher gerne befolgen.

Diese Schönheiten mit dem einzigartigen pinkfarbenen Schachbrettmuster auf den Blüten mögen feuchte Wiesen: "Schachbrettblumen haben eine erstaunlich große Blüte für ihren zarten Stängel. Bei ihr ist es wichtig, dass man sie feucht genug pflanzt: Den Kopf kann sie gerne sonnig haben, aber die Füße hat sie lieber feucht. Und man kann sie wunderbar im Topf verschenken!", so der Ostertipp der Gärtnerin.

Wieder ein Kind des trockenen Magerrasens ist dagegen die Gewöhnliche Küchenschelle (bot.: Pulsatilla vulgaris). Markant an ihr sind die silbrig-grünen behaarten Stängel, deren Fortsätze auch die lilafarbenen Blütenblätter umschließen. Die wiederum kontrastieren wunderbar mit den sattgelben Staubgefäßen. Die gedrungenen pelzigen Frühblüher wirken im Gegenlicht besonders schön.

Dieses zarte weißblühende Waldschaumkraut (bot.: Cardamine trifolia) sieht man für Ulla Hanneckes Geschmack viel zu selten in den Gärten. "Es eignet sich als Bodendecker für Problemstandorte, wie hier unter einer Pergola mit alten Kiwipflanzen." Im Hintergrund das Wahrzeichen des Düsseldorfer Botanischen Gartens: das Kuppelgewächshaus. Zurzeit ist es wegen des Coronavirus geschlossen. Ob der Park geöffnet ist, darüber informiert die im Beitrag verlinkte Website. Aber viele der vorgestellten Frühjahrsblüher können jetzt überall in Wäldern, Gärten und Vorgärten bewundert werden.

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Stand: 08.04.2020, 13:15