Unser Wald im Klimawandel

Junge Triebspitzen einer Kiefer kämpfen sich durch Eichenlaub

Unser Wald im Klimawandel

Von Sabine Krüger

Trockenheit, Schädlinge, Stürme, damit kämpfen unsere Wälder im Klimawandel. Der Forstdirektor der Stadt Düsseldorf zeigt im Stadtwald Schäden, Gegenmaßnahmen und erste Erfolge.

Unser Wald im Klimawandel

WDR 4 Drinnen und Draußen 05.12.2020 02:29 Min. Verfügbar bis 05.12.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger


Download

Vielfalt ist die Zukunft des Waldes

Von Sabine Krüger

Der Düsseldorfer Stadtwald steht besser da als die von Stürmen und Borkenkäfern dezimierten Fichtenwälder im Sauerland. Der Forstdirektor erklärt seine Klimaanpassungs-Strategie.

Forstdirektor Paul Schmitz hinter einem Stumpf einer umgekippten Eiche

Forstdirektor Paul Schmitz leitet seit 30 Jahren die Forstabteilung der Stadt Düsseldorf. Auf über 20 Quadratkilometern erstreckt sich der Stadtwald. Und selbst wenn es dem Düsseldorfer Wald besser geht als den Fichtenwäldern im Sauerland, so sind auch in diesem Laubmischwald Schäden zu beklagen: von Sturm Ela vor sechs Jahren oder weil uralte Eichen und Buchen wegen der Dürren der letzten Jahre anfälliger werden gegen Schädlinge. Der Stumpf einer alten umgekippten Eiche beweist es.

Forstdirektor Paul Schmitz leitet seit 30 Jahren die Forstabteilung der Stadt Düsseldorf. Auf über 20 Quadratkilometern erstreckt sich der Stadtwald. Und selbst wenn es dem Düsseldorfer Wald besser geht als den Fichtenwäldern im Sauerland, so sind auch in diesem Laubmischwald Schäden zu beklagen: von Sturm Ela vor sechs Jahren oder weil uralte Eichen und Buchen wegen der Dürren der letzten Jahre anfälliger werden gegen Schädlinge. Der Stumpf einer alten umgekippten Eiche beweist es.

Auf dem Eichenstumpf wachsen Pilze der Art Grünblättriger Schwefelkopf. Sie leben vom Abbau biologischer Materie. Dabei machen diese Pilze die Nährstoffe, die im Holz gebunden sind, wieder verfügbar und reichern so den Waldboden an. Totholz, wie so ein Eichenstamm, ist auch Lebensraum für viele verschiedene Insekten: "Wir sind sehr stolz darauf, dass sich der Hirschkäfer hier wieder vermehrt. Er lebt mindestens fünf Jahre lang als Larve in Totholz, bevor er sich zum Käfer entwickelt", so Schmitz.

Nach dem Sturm Ela vor sechs Jahren haben die Förster im Düsseldorfer Stadtwald das Totholz zu kleinen Wällen zusammengeschoben. Pilze und Bakterien verarbeiten es zu Humus, Vögel finden in den Insekten, die sich dort ansiedeln, Nahrung und tragen durch ihren Kot Samen ein, so dass daraus neue Sträucher wachsen können. Im Foto sind Himbeeren zu sehen und rechts wächst eine Birke aus dem Totholz. Birken sind Pionierbäume, die natürlicherweise Brachen besiedeln.

Auch aus einem weiteren Eichenstumpf wachsen Birken und rechts davon hat sich eine junge Eiche selbst ausgesät. Nachdem Ela Lücken in den Wald gerissen hat, sind die Förster um Paul Schmitz so vorgegangen: "Wir schauen erst einmal, was von selbst nachwächst. Und wenn dann noch Lücken da sind, dann pflanzen wir ergänzend mit einer breiten Palette: zum Beispiel mit der Hainbuche, der Flatterulme, der Wildkirsche, teilweise auch der Kiefer, von der wir uns erwarten, dass sie später mit trockenem Klima besonders gut zurechtkommt."

"Unter dieser Hangkuppe liegen Kiese und Sande vom alten Rheintal und auf dieser Hangkuppe ist es besonders trocken. Kiefern wachsen eigentlich fast überall, aber normalerweise werden sie von Eichen, Buchen und Ahornen plattgewachsen. Wenn es aber besonders trocken ist, bekommen Eichen und Buchen Probleme und die Kiefer hat Konkurrenzvorteile", erklärt der Forstdirektor. Mit der behutsamen Nachpflanzung in den entstandenen Lücken machen die Förster der Natur ein Angebot und sind selbst gespannt, welche Arten sich durchsetzen.

Ein potenzieller Zukunftsbaum ist auch die Esskastanie. Sie leidet weder unter der Miniermotte noch unter dem Pilz, der der Rosskastanie zu schaffen macht, und sie verträgt Trockenheit. "Schlecht sehen die Zukunftschancen aus für die Fichte und leider auch für den Bergahorn. Das muss man aber immer differenziert für die verschiedenen Standorte betrachten. Dazu hat das Landesumweltministerium interaktive Karten für die Waldbewirtschaftung in den verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens herausgegeben", weist der Forstdirektor auf das Angebot hin, das auch für Privatbesitzer von Waldstücken interessant ist: www.waldinfo.nrw.de.

Damit Spaziergänger im Wald sie künftig besser erkennen können, präsentiert Paul Schmitz hier Blätter und Früchte der Esskastanie: "Die Esskastanie ist zwar keine heimische Baumart im strengen Sinn, aber sie ist schon lange hier etabliert."

Der große ältere Baum mit den orange-gelb-verfärbten Blättern rechts vom Weg ist zum Beispiel auch eine Esskastanie. "Wir haben es hier natürlich auch leichter, einen artenreichen Wald zu fördern, weil der Düsseldorfer Stadtwald, anders als im Sauerland oder dem Bergischen Land, der Erholung dient und keinen Ertrag bringen muss. Aber auch im Sauerland haben die Fichten-Monokulturen keine Zukunft, wenn der Wald nachhaltig Ertrag bringen soll", so Schmitz.

Zu einem artenreichen, vielfältigen und damit nachhaltigen Wald gehören auch Sträucher wie diese Stechpalme, botanisch: Ilex.

Dieses Bild mag chaotisch wirken, aber Paul Schmitz stimmt es hoffnungsfroh. Das, was hier zu sehen ist, ist eine Mischung aus natürlich Nachgewachsenem und behutsamer Neupflanzung nach Sturm Ela: "Da seh‘ ich mehrere kleine Birken, daneben typische Eichen, dann haben wir mal eine amerikanische Roteiche dazwischen, die auch gut mit Trockenheit klarkommt, dann eine Buche. Hier vorne steht eine kleine Eibe, dahinter Ginster und so weiter. Auf kleinstem Raum mindestens zehn verschiedene Arten. So könnte der Wald der Zukunft aussehen."

Farne gehören wie Birken auch zu den Pionierpflanzen, die Brachen besiedeln. Hier wachsen sie mannshoch. "Solche wild wirkenden Räume sind ideale Rückzugsorte für die Tiere im Wald, die sich hier prima verstecken können. In der Bevölkerung findet ein Bewusstseinswandel statt, auch dank der Medien. Beschwerden über einen unaufgeräumten Wald bekommen wir kaum mehr. Eher werden Sorgen an uns herangetragen, ob wir der Natur auch genügend Platz geben", freut sich Paul Schmitz.

Die Sal-Weide zählt auch zu den Pionierpflanzen. "Vielleicht wurde sie aber auch von Vögeln aus einem der umliegenden Gärten eingetragen", meint Schmitz.

Der Rückweg führt durch einen Teil des Waldes, der von Sturm Ela verschont geblieben ist. Hier kann man wieder den Kopf in den Nacken legen, um die hohen Baumkronen zu bewundern.

Am Fuße einer solchen hohen alten Eiche wachsen hier Prachtexemplare von Fliegenpilzen. Fliegenpilze sind sogenannte Mykorrhizapilze, die eine Symbiose mit Bäumen eingehen, also einen Tauschhandel, von dem beide profitieren: Das Pilzgeflecht im Boden, das Myzel, umspinnt die Feinwurzeln der Bäume und dringt in sie ein. Der Baum liefert dem Pilz Kohlenhydrate und andere Stoffwechselprodukte, während der Pilz den Baum mit Wasser und Spurenelementen versorgt. Mykorrhizapilze tragen also auch zur Widerstandskraft der Bäume bei und sind Teil eines zukunftsfähigen Waldes.

Lesetipps

Zieht euch warm an, es wird heiß!
Autor: Sven Plöger
Westend Verlag, 2020
19,95 €

Kleine Gase, große Wirkung: Der Klimawandel
Autoren: David Nelles, Christian Serrer
KlimaWandel Verlag, 2018
5 €

Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt! Projekte und Visionen eines Naturdenkers
Autor: Conrad Amber
Kosmos Verlag, 2017
19,99 €

Wald im Klimawandel. Grundlagen für Adaptationsstrategien
Autor*innen: Andrea R. Pluess, Sabine Augustin, Peter Brang
Haupt Verlag, 2016
58 €

Stand: 04.12.2020, 10:23