Superbeeren – exotisch und heimisch

Goji-Beere der Sorte ‚So Sweet‘ aus Zentral-China

Superbeeren – exotisch und heimisch

Von Sabine Krüger

Sich gesund ernähren aus Anbau im eigenen Garten, wer möchte das nicht? Welche sind also unsere "Superbeeren"? Erstaunliches zeigt eine Führung in den Botanischen Gärten Bonn.

Superbeeren – exotisch und heimisch

WDR 4 Drinnen und Draußen 12.09.2020 02:23 Min. Verfügbar bis 12.09.2021 WDR 4

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Superbeeren: Von Apfelsine bis Zucchini

Was ist eine Superbeere? Dazu muss man wissen, was eine Beere und was gesund ist. Botanikerin und Heilpraktikerin Dr. Karin Ladenburger klärt im Bonner Nutzpflanzengarten auf.

Karin Ladenburger neben einem Mandarinenbaum

Karin Ladenburger liebt es, bei ihren unterhaltsamen Führungen in den Botanischen Gärten Bonn die Besucher zu überraschen. Ihr Rundgang zu "Superbeeren" startet nicht etwa mit der Gojibeere, sondern mit der beeindruckenden Sammlung der Zitruspflanzen im Nutzpflanzengarten, gegenüber des Bonner Schlossgartens. Die erste Lektion: Zitrusfrüchte sind eine besondere Unterart der Beeren. Dass sie wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts sehr gesund sind, muss nicht extra erwähnt werden.

Karin Ladenburger liebt es, bei ihren unterhaltsamen Führungen in den Botanischen Gärten Bonn die Besucher zu überraschen. Ihr Rundgang zu "Superbeeren" startet nicht etwa mit der Gojibeere, sondern mit der beeindruckenden Sammlung der Zitruspflanzen im Nutzpflanzengarten, gegenüber des Bonner Schlossgartens. Die erste Lektion: Zitrusfrüchte sind eine besondere Unterart der Beeren. Dass sie wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts sehr gesund sind, muss nicht extra erwähnt werden.

"Die Apfelsine kommt nicht aus Sizilien. Der botanische Name gibt einen Hinweis: Citrus sinensis. Es wird vermutet, dass die Apfelsine aus China stammt", so die Botanikerin.

Zur Pomeranze kennt Karin Ladenburger eine schöne Anekdote: "Als die Engländer von ihren Streifzügen in Portugal Quittenkonfekt und ihre überschüssigen Pomeranzen mitbrachten, also Bitterorangen, waren deren Ehefrauen ratlos, was sie damit machen sollten. Schließlich kochten sie sie, wie die Quitten, mit Zucker ein. So entstand die berühmte englische Bitter-Orangen-Marmelade, die auch im Englischen 'Marmalade' heißt - nach dem portugiesischen Wort für Quitte: 'Marmelo'. Alle anderen Fruchtaufstriche nennt man in England 'Jam'".

Aus der Citrus medica, deren noch unreife Frucht zwischen den grünen Blättern kaum auffällt, macht man Zitronat. Deshalb heißt sie auf Deutsch auch Zitronat-Zitrone, erklärt die Botanikerin: "Billiges Zitronat ist kandierter Kürbis. Aber das klassische stammt von dieser Frucht, die tatsächlich überwiegend aus Schale besteht. Diese Schale hat ein traumhaftes Aroma. In Italien wird sie daher auch oft zu Pasta gegessen."

Die ätherischen Öle der Bergamotte liefern wiederum das Aroma für den Earl-Grey-Tee.

So sieht eine brasilianische Maracuja aus, die Frucht der Passionsblume. Sehr schön auch die spiralförmigen Ranken, die sich um das Rankgitter kringeln.

Jetzt aber endlich zur Gojibeere: "Die Gojibeere hat einen unglaublichen Hype ausgelöst", stellt Karin Ladenburger fest. Sie selbst sieht die Beere aus Zentral-China kritisch: "Die kommt von weit her, mit ihr sind also Wegekosten verbunden und unsere Umweltauflagen an Pestizide und Herbizide sind strenger als die in China. Wenn Sie unsterblich sein wollen: Schreiben Sie ein schönes Gedicht, das geht auch!", scherzt sie.

Dies ist die südeuropäische Form der Gojibeere, der Gewöhnliche Bocksdorn. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat Studien überprüft, die der Gojibeere therapeutische Wirkungen zuschreiben und konnte keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Behauptungen und der Einnahme der Beeren feststellen. Die Hersteller von Produkten mit Gojibeeren dürfen daher nicht mehr mit therapeutischen Wirkungen werben.

Uns näherliegende Superbeeren sind Weintrauben und Rosinen. Dunkle Trauben enthalten den antioxidativ wirkenden Farbstoff Resveratrol. Antioxidantien stärken das Immunsystem, wirken entzündungshemmend und schützen vor sogenannten "freien Radikalen", die Herz-/Kreislauf- und Krebserkrankungen mitverursachen können. Weintrauben enthalten zudem Vitamin B6, das den Eiweißstoffwechsel unterstützt und Folsäure, die die Blutbildung fördert.  

In Schwarzen Johannisbeeren ist nicht nur mehr Vitamin C als in Goji-Beeren, sie sind auch entschieden preiswerter. Zudem kann man die heimischen Früchte frisch oder als Saft kaufen, Goji-Beeren meist nur getrocknet. Schwarze Johannisbeeren sind außerdem reich an Vitamin E, das ebenfalls antioxidativ wirkt. Im neuen Teil des Nutzpflanzengartens der Botanischen Gärten Bonn sind viele verschiedene Sorten angepflanzt.

Damit, dass auch Gurken Superbeeren sind, überrascht die Botanikerin die Gruppe: "Die Beere ist eine fleischige Frucht, die aus einem Fruchtknoten entstanden ist und einen oder mehrere Samen umschließt." Super im gesundheitlichen Sinne sind sie auch, so die Heilpraktikerin: "Gurken bestehen überwiegend aus Wasser, sind also kalorienarm und die Gurkenschale enthält Mineralstoffe, Vitamin C und B-Vitamine. Und Sie haben vielleicht schon gesehen, dass sich manche Leute Gurkenscheiben auf die Haut legen, weil sie auch die Haut befeuchten und entgiften."

Für die äußerliche Anwendung ist auch diese Gurke gedacht: die Luffa. Man kauft sie im getrockneten Zustand, legt sie ins Wasser und hat dann so eine Art Schwamm, mit dem man sich massieren kann. Auf Deutsch heißt die Luffa auch Schwammgurke.

Diese kunstvolle Blüte gehört zu einer Schlangengurke. Sie sieht aus wie ein Stern mit Fransen. Die Zucchini ist übrigens, wie die Gurke, ebenfalls ein Kürbisgewächs und eine Beere.

"Auch der Kürbis ist eine Beere, wegen seiner dicken Schale eine sogenannte Panzerbeere", klärt die Botanikerin auf. Kürbisse gibt es im Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten Bonn ebenfalls in vielen verschiedenen Sorten. Wie die Gurke bestehen sie hauptsächlich aus Wasser, enthalten aber auch wichtige Mineralstoffe wie Kalium und Eisen. Kalium ist wichtig für die Erregbarkeit von Nervenzellen und Eisen für den Sauerstofftransport im Blut.

Jetzt wird es nicht mehr überraschen: Die Tomate ist ebenfalls eine wässrige und gesunde Beere. Für die rote Farbe ist der Pflanzenfarbstoff Lykopin verantwortlich, ebenfalls ein Antioxidans. Laut Verbraucherzentrale konnte in einzelnen Studien ein Zusammenhang zwischen hohem Tomatenverzehr und verringertem Krebsrisiko vor allem für Prostata-, Lungen- und Magenkrebs nachgewiesen werden.

Wer Interesse hat an Superbeeren, dem empfiehlt Karin Ladenburger auch Paprika. Vor allem rote Paprika ist eine echte Vitamin-C-Bombe. Für den Vitamin-C-Tagesbedarf eines erwachsenen Mannes reichen schon weniger als 100 Gramm. Paprika enthalten auch Carotinoide: Durch sie entsteht die Farbe der roten und gelben Paprika.

Achtung, tödlich giftig! Die Tollkirsche ist auch eine Beere und gehört wie Paprika und Tomate zu den Nachtschattengewächsen. "Leider ist die Beere der Tollkirsche auch noch lecker, aber davon unbedingt die Finger lassen! In der Medizin wird das Gift der Tollkirsche, Atropin, allerdings auch eingesetzt. Aktuell in der Behandlung des russischen Oppositionellen Nawalny, um seine Muskeln wieder anzuregen. Das ist eine gefährliche Suche nach der richtigen Dosis", so Ladenburger.

Diese Beeren sind Früchte des Erdbeerbaums: "Sie sind zwar nicht giftig, schmecken aber auch nicht. Der Baum heißt botanisch 'Arbutus unedo', also: Man isst nur eine und dann ist die Begeisterung erloschen", schmunzelt Karin Ladenburger. Und um zum Schluss nochmals für Verwirrung zu sorgen, weist sie darauf hin, dass Erdbeeren botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte sind. Die kleinen schwarzen Punkte auf der Erdbeere sind winzige Nüsse.

Lesetipps:

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Stand: 09.09.2020, 14:00