Stadtbäume für den Klimawandel

Die im Jahr 1805 gepflanzten Platanen im Rombergpark Dortmund

Stadtbäume für den Klimawandel

Von Sabine Krüger

Der Rombergpark ist nicht nur die grüne Lunge Dortmunds. Der Botanische Garten ist auch ein Versuchslabor, in dem getestet wird, welche Bäume sich künftig als Stadtbäume eignen.

Stadtbäume für den Klimawandel

WDR 4 Drinnen und Draußen 20.06.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 20.06.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Rombergpark Dortmund testet Zukunftsbäume

Von Sabine Krüger

Auch im Botanischen Garten Dortmund leiden manche Bäume unter dem Klimawandel, andere gar nicht. Direktor Patrick Knopf stellt bei einem Rundgang sogenannte Zukunftsbäume vor.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf neben einer über 90 Jahre alten Hopfenbuche

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf klärt "Schulter an Schulter" mit einer Hopfenbuche, was ein idealer Straßenbaum heute leisten muss: "Dieser über 90 Jahre alte Baum hat die kalten Winter der 70er überlebt, die feuchten Jahre zu Beginn des Jahrtausends und auch die aktuelle Trocken- und Wärmeperiode, ohne jedes Totholz und ohne zusätzliches Wässern! Insofern wäre er ideal, aber schon ab Schulterhöhe verzweigen sich Hopfenbuchen und wachsen ausladend breit. Damit fallen sie für den Straßenraum durch, wo idealerweise erst nach vier Meter Höhe Äste abzweigen, damit auch LKWs darunter durchfahren können." Für Parks ist die Hopfenbuche aber zukunftsträchtig.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf klärt "Schulter an Schulter" mit einer Hopfenbuche, was ein idealer Straßenbaum heute leisten muss: "Dieser über 90 Jahre alte Baum hat die kalten Winter der 70er überlebt, die feuchten Jahre zu Beginn des Jahrtausends und auch die aktuelle Trocken- und Wärmeperiode, ohne jedes Totholz und ohne zusätzliches Wässern! Insofern wäre er ideal, aber schon ab Schulterhöhe verzweigen sich Hopfenbuchen und wachsen ausladend breit. Damit fallen sie für den Straßenraum durch, wo idealerweise erst nach vier Meter Höhe Äste abzweigen, damit auch LKWs darunter durchfahren können." Für Parks ist die Hopfenbuche aber zukunftsträchtig.

Noch älter als die Hopfenbuche sind diese Platanen: "Sie wurden bereits im Jahr 1805 gepflanzt. Diese Kreuzungen aus der morgenländischen und der abendländischen Platane sind über 40 Meter hoch und kerngesund. Sie stehen hier aber auch nah am Wasser, nämlich am Teich. Haben sie zu wenig Wasser, können Platanen von der Massaria-Krankheit, einer Pilzkrankheit, befallen werden, die dazu führt, dass einzelne Äste spontan abbrechen. Die tiefen Wurzeln der Platanen kommen in der Regel aber auch in Innenstädten ans Grundwasser", so Knopf.

"Auch nordamerikanische Robinien werden hoch gehandelt als Zukunftsbäume", erklärt der Park-Direktor. "Sie haben wunderschöne weiße Schmetterlingsblüten, die in dichten Trauben runterhängen. Sie enthalten reichlich Nektar und werden sehr gut von Bienen besucht. Diese Robinien-Sorte ‚Frisia‘ ist auch sehr gut geeignet für Grünanlagen und schmale Straßen, weil sie nur zehn bis zwölf Meter hoch und vier bis fünf Meter breit wird. Zudem haben Robinien an ihren Wurzeln Knöllchenbakterien, die Stickstoff binden. Das heißt: Diese Bäume düngen sich selbst, was besonders in kleinen Baumscheiben in der Stadt von großem Vorteil ist."

Dagegen ist ausgerechnet unsere heimische Stiel- oder Traubeneiche ein Sorgenkind. Das Foto zeigt deutlich die schüttere Krone, durch die sich der Himmel abzeichnet. "Prinzipiell vertragen Eichen im Sommer Trockenheit und Überhitzung ohne Probleme. Voraussetzung aber ist, dass das Frühjahr sehr feucht ist, weil diese Bäume sehr viel Wasser in sich reinpumpen müssen für einen schnellen Austrieb. Wenn dieses Wasser fehlt, wie in den letzten Frühjahren, dann neigen diese Eichen dazu, zurückzubauen", erklärt der Botaniker.

Weil Patrick Knopf davon ausgeht, dass er diese Stieleichen nur noch maximal acht Jahre im Park erhalten kann, hat er vorgesorgt. In zweiter Reihe, sozusagen auf der Ersatzbank, hat sein Team vor zwei Jahren schon Zukunftsbäume gepflanzt: Maronen. "Im Halbschatten der alten Stieleichen wachsen sie besser an, als in der prallen Sonne, wenn die alten Eichen entfernt sind", so Knopf.

Frisch grün wehen die Maronenblätter im Wind. Patrick Knopf: "Die Marone gehört zu den Buchengewächsen, wie die Eiche auch. Sie kommt sehr gut mit trockenen heißen Sommern klar und braucht auch keine Frühjahrsfeuchtigkeit. Im letzten Jahr haben sie sogar schon Früchte getragen. Durch die wärmeren Sommer werden die hier im Ruhrgebiet inzwischen auch größer. Wir haben selbst welche in die Pfanne gehauen und die waren superlecker. Die Marone ist also definitiv ein Zukunftsbaum!"

Im sogenannten Nose-Arboretum steht diese mächtige Ungarische Eiche. "Gepflanzt wurde sie 1804 als Statussymbol. Früher bedeuteten in den Adelshäusern besondere Pflanzen besonderen Einfluss. Sie hat zwei Kriege überstanden und steht immer noch prächtig hier mitten im Park. Die Veränderung des Klimas macht ihr auch nicht zu schaffen. Kein Wunder, denn in Ungarn sind Pflanzen an mild-feuchte Winter und sehr heiße Sommer mit hohen Lichtmengen gewöhnt." Fazit: Zukunftsbaum.

Im September 2016 waren die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, 100 Bäume im Nose-Arboretum zu pflanzen, um zu testen, welche davon zukunftsträchtig sind. Dieses besonders ledrige Blatt gehört zur Mexikanischen Eiche. "Diese Eiche aus Oaxaca wächst am Originalstandort in 3.600 Meter Höhe. Das heißt: Im Winter ist es sehr kalt, im Sommer sehr heiß. Vielleicht also auch ein Zukunftsbaum. Sie wächst sehr schön, innen vielleicht etwas kahl, weil sie noch jung ist, aber das gibt sich vielleicht noch", so Knopf.

Hier haben wir eine Eiche mit einem besonders großen Blatt, wie die Hand dahinter von Patrick Knopf zeigt: "Diese japanischen Kaisereichen wachsen leider sehr langsam. Deshalb sind sie für den Straßenraum nicht geeignet. Aber vielleicht sind sie zukunftsträchtig für öffentliche Parks und Gärten."

Bei diesem Baum gerät Patrick Knopf ins Schwärmen: "Diese Eiche wurde vor circa 90 Jahren vom ehemaligen Park-Direktor Richard Nose gepflanzt. Wenn wir nach oben schauen, dann sieht die Krone ganz ähnlich aus wie unsere heimische Eiche. Aber es ist die Pyrenäische Eiche, aus Nordspanien, Südfrankreich. Die ist dort wunderbar angepasst an die Trockenheit in den Felsen, diese Pflanze hat auch keine Probleme mit der Feuchtigkeit im Winter. Und meines Erachtens erfüllt sie genau die Nische, wenn unsere heimische Eiche nicht mehr mit dem neuen Klima zurechtkommt. Wenn die Frühlingstrockenheit weiterhin so massiv bleibt, dann ist das also der perfekte Ersatz!"

Einziges Unterscheidungsmerkmal gegenüber unserer heimischen Eiche: Die Blätter tragen einen leichten Flaum, ein Verdunstungsschutz, der schon darauf schließen lässt, dass der Baum Hitze gut verträgt.

Hier sieht man ganz lange "Stamm", bevor die ersten Verzweigungen kommen. Diese Baumart ist also geradezu prädestiniert als Straßenbaum. Es ist die Baumhasel. "Wenn von einem Baum mehrere Haselnüsse in einem kleinen Ball zusammengepresst fallen, dann stehen Sie unter einer Baumhasel", erklärt Patrick Knopf. Die Baumhasel kommt aus der Türkei und dem Kaukasus und ist wunderbar angepasst an heiße Sommer.

Das hier sind keine Hasel- sondern Hickorynüsse vom letzten Jahr. Für den Hausgarten sind die nordamerikanischen Bäume viel zu hoch. Die im Rombergpark sind circa 90 Jahre alt und 25 bis 30 Meter hoch, aber schön schmal säulenförmig mit einem Kronendurchmesser von zehn oder zwölf Metern. Sie kommen aus Gegenden in den USA mit feuchten Wintern und heißen Sommern. Die Nüsse sind essbar, aber sehr klein. Vögel und Eichhörnchen lieben sie und tragen zur Verbreitung bei.

Weiterer Pluspunkt der Hickorynuss: Ihr üppiges frischgrünes Laub, das sich im Herbst beeindruckend verfärbt. "Hickorys haben eine unglaublich schöne Herbstfärbung: entweder leuchtend-gelb oder orange. Das sieht natürlich super aus!", schwärmt Patrick Knopf.

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Stand: 18.06.2020, 10:06