Späte Blüher in Heide und Co.

 Hellviolette Blüten der Besenheide

Späte Blüher in Heide und Co.

Von Sabine Krüger

Auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots im Friesheimer Busch bei Erftstadt blüht die Heide. Eine Führung durchs Naturschutzgebiet zeigt, was dort wächst und fliegt.

Späte Blüher in Heide und Co.

WDR 4 Drinnen und Draußen 29.08.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 29.08.2021 WDR 4


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Friesheimer Busch: Heide mit Vierbeinern und Insekten

Von Sabine Krüger

Auch wenn die Pflanzen unter der Trockenheit leiden: Es gibt viel zu sehen im Naturschutzgebiet Friesheimer Busch, einem ehemaligen Munitionsdepot der Belgischen Streitkräfte.

Der Biologe Dr. Bernhard Arnold im Naturschutzgebiet Friesheimer Busch bei Erftstadt

Ein ehemaliges Munitionsdepot der Belgischen Streitkräfte versprüht zunächst einmal den etwas herben Charme einer verlassenen Landschaft. Im Jahr 1994 sind die Belgier abgezogen, 2002 gründete der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflegestation im Friesheimer Busch. Sie wird vom Biologen Dr. Bernhard Arnold geleitet. Er freut sich, dass er nach den Corona-Einschränkungen nun wieder Gruppen durch das Naturschutzgebiet führen kann. Denn die nährstoffarme Fläche ist für die Natur ein artenreicher Schatz.

Ein ehemaliges Munitionsdepot der Belgischen Streitkräfte versprüht zunächst einmal den etwas herben Charme einer verlassenen Landschaft. Im Jahr 1994 sind die Belgier abgezogen, 2002 gründete der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflegestation im Friesheimer Busch. Sie wird vom Biologen Dr. Bernhard Arnold geleitet. Er freut sich, dass er nach den Corona-Einschränkungen nun wieder Gruppen durch das Naturschutzgebiet führen kann. Denn die nährstoffarme Fläche ist für die Natur ein artenreicher Schatz.

Hier wächst zum Beispiel die Kümmelsilge, die der Wilden Möhre ziemlich ähnlich sieht: "Eine Pflanze, die inzwischen selten geworden ist. Sie liebt es eher feucht, und wegen der Trockenheit der letzten Jahre blüht sie leider nicht mehr so üppig wie früher", bedauert der Biologe ihren Rückgang.

In dieser Jahreszeit lockt aber die Heideblüte die Besucher ins Naturschutzgebiet: "Normalerweise sähe die Heideblüte ein bisschen anders aus. Heute besuchen wir in erster Linie die Wüste Gobi", so der bittere Witz von Bernhard Arnold. Er kann tatsächlich während der ganzen Führung keine Pflanze der Glockenheide finden, die hier normalerweise auch wächst. Aber die Besenheide (botanisch: Calluna vulgaris) ist zu sehen. Sie blüht hellviolett.  

Damit die Heidelandschaft Heide bleibt und nicht verbuscht, wird die Fläche beweidet. Das ist der Grund dafür, weshalb hier die Besenheide nicht so hoch wächst wie vielleicht andernorts. Der Friesheimer Busch ist eine typische Zwergstrauchheide.

Und das sind die vierbeinigen Mitarbeiter: Walliser Schwarzhalsziegen und Heidschnucken. "Ziegen fressen sehr gerne Sträucher, die Schafe sind für die untere Etage zuständig, für die Kräuter und Gräser. Für karge Heidelandschaften sind nur genügsame Schafarten geeignet", erklärt Arnold.

Feinde der offenen Heidelandschaft sind zum Beispiel das Waldschilf und Birkenschösslinge. Würden der NABU und die Biologische Station Bonn Rhein-Erft nicht regelmäßig das Gras, junge Birken und Brombeeren entfernen, sei es von Hand oder mithilfe der Vierbeiner, würde hier ein Wald wachsen. Damit hätten die Pflanzen und Tiere, die Offenland brauchen, keinen Lebensraum mehr. Gerade solche Offenlandflächen sind heutzutage sehr selten.

Wird der Bewuchs kleingehalten, kann sich der wilde Thymian massenhaft als Bodendecker ausbreiten. "Der Thymian ist eine typische Heidepflanze. Das ist der Feldthymian, den könnten Sie auch zum Kochen nehmen. Er riecht und schmeckt genauso gut wie jeder andere Thymian", erklärt der Biologe der Gruppe.

Wie um den Kräuterstrauß komplett zu machen, wächst daneben wilder Oregano.

Auch eine typische Pflanze für Weiderasen ist die rundblättrige Glockenblume. "Die ist heutzutage in Nordrhein-Westfalen auch eher selten. Verwirrend ist, dass nur die bodennahen Blätter wirklich rund sind", so Bernhard Arnold.

Am Wegsaum fällt die zartrosablühende Moschusmalve auf. Sie ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern wird oft auch von Insekten besucht: von Bienen, Käfern und Wanzen.

Zur Moschusmalve gesellt sich das Johanniskraut. Das gelbblühende Johanniskraut ist im Spätsommer vor allem ein wichtiger Pollenlieferant für Erd- und Steinhummeln.

An den Nektar des violettblühenden Natternkopfes, der ebenfalls am Wegrand wächst, kommen nur kleine Insekten ran, die ganz in die Blüten reinkriechen oder solche mit langen Rüsseln. Zum Beispiel die Garten- oder die Ackerhummel. Eine kleine Mauernbienenart ist sogar auf den Natternkopf spezialisiert. Die Pflanze blüht sehr lange, schon ab Mai.

Auch der gelbblütige Odermennig ist eine typische Pflanze für Wegsäume. Solche spätblühenden Pflanzen liefern Insekten zum einen Nektar als eine Art Flugbenzin, zum anderen Pollen als proteinreiche Nahrung für die Larven.

Am meisten umschwärmt ist allerdings der violettblühende Teufelsabbiss. "Auf ihn sind wir stolz, denn der ist inzwischen selten", erklärt Bernhard Arnold. Hier nascht eine Scheinbienen-Keilfleckschwebfliege von ihm. Sie imitiert Honigbienen und tut so, als könne sie stechen. Das ist eine Strategie, um potenzielle Fraßfeinde abzuschrecken.

Aber auch diesem Männchen einer dunklen Erdhummel scheint es zu schmecken. Dunkle Erdhummeln erkennt man an den zwei gelben Streifen und der weißen Hinterleibsspitze.

Das Know-how zu den Insekten steuert Dr. Matthias Schindler bei, der seinen Kollegen bei der Führung begleitet. Immer wieder fängt er auch mit seinem Netz Insekten, um sie der Gruppe vorzustellen.

Hier konnte er ein Männchen der Furchenbiene Halictus scabiosae einfangen. "Die werden in etwa so groß wie eine Honigbiene und haben auffällige braun-gelbe Binden auf dem Hinterleib. Diese Art breitet sich seit 20 Jahren in der Folge des Klimawandels von Süden nach Norden aus. Sie besucht besonders gerne Blüten von Astergewächsen, zum Beispiel von Disteln", so Schindler.

Auge in Auge mit einer Ackerhummel, das ist schon ein Erlebnis! Das wird noch davon getoppt, dass Matthias Schindler das Tier aus dem Reagenzglas nimmt und den Teilnehmern demonstriert, dass die Männchen nach "lange getragenen Socken" riechen.

Zuletzt präsentiert er noch einen Spezialisten der Heidelandschaft: eine männliche Heidekrautseidenbiene. "Die Heidekrautseiden- und die Heidekrautsandbienen würden aussterben, wenn es die Besen- und die Glockenheide nicht mehr gäbe. Mit der Schneeheide in den Gärten kann man ihnen nicht helfen, weil sie zur falschen Zeit blüht." Zum Schutz der Insekten arbeitet Matthias Schindler in der Biologischen Station Bonn Rhein-Erft für den Vertrags-Naturschutz. Das heißt, er schließt Kooperationen mit Landwirten, um sie für Naturschutzmaßnahmen zu gewinnen.

Lesetipp:

Im Moor und auf der Heide. Natur erleben, beobachten, verstehen
Autoren: Bruno P. Kremer, Bärbel Oftring, Fotograf: Frank Hecker
Haupt Verlag, 2013
9,90 €

Stand: 26.08.2020, 11:38