Ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer werden

Eva Stolz stapelt Holzschnitt zu einer Benjeshecke

Ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer werden

Von Sabine Krüger

Sie möchten 2020 ehrenamtlich aktiv werden? Da könnte die Weiterbildung im Naturschutz das Richtige sein. Wir begleiten den aktuellen Jahrgang bei der Biotoppflege im Steinbruch.

Ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer werden

WDR 4 Drinnen und Draußen 28.12.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 27.12.2020 WDR 4


Download

Naturschutz mit Know-How und Gemeinschaftssinn

Im Februar 2020 startet die zweite Weiterbildung zum Ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuer auf Haus Bürgel bei Düsseldorf. Was motiviert die Teilnehmer des aktuellen Jahrgangs?

Jubelnde Teilnehmer der Weiterbildung "Ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer"

Wer einen aufgegebenen Steinbruch entbuschen möchte, damit sich die Zauneidechse dort wieder wohlfühlt, braucht engagierte helfende Hände. Hier jubeln angehende ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer über das, was sie nach drei Stunden Arbeit geschafft haben. Michael Schoch (dritte Reihe, zweiter von links) und Elke Löpke (rechts daneben) leiten die Weiterbildung auf Haus Bürgel bei Düsseldorf. Was den Teilnehmern an vier Wochenenden im Jahr in Theorie und Praxis vermittelt wurde, wird am Ende in einem theoretischen Multiple-Choice-Test geprüft. Zudem stellt jeder ein eigenes praktisches Projekt vor.

Wer einen aufgegebenen Steinbruch entbuschen möchte, damit sich die Zauneidechse dort wieder wohlfühlt, braucht engagierte helfende Hände. Hier jubeln angehende ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer über das, was sie nach drei Stunden Arbeit geschafft haben. Michael Schoch (dritte Reihe, zweiter von links) und Elke Löpke (rechts daneben) leiten die Weiterbildung auf Haus Bürgel bei Düsseldorf. Was den Teilnehmern an vier Wochenenden im Jahr in Theorie und Praxis vermittelt wurde, wird am Ende in einem theoretischen Multiple-Choice-Test geprüft. Zudem stellt jeder ein eigenes praktisches Projekt vor.

Bevor es an den Arbeitseinsatz im Gelände der "Grube 7" bei Haan ging, wurden die Freiwilligen in Arbeitssicherheit geschult. Der Ausbildungsjahrgang unterstützt im Steinbruch Aktive der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan (AGNU). Mit Motorsägen darf nur arbeiten, wer den Führerschein dafür hat. Markus Rotzal von der AGNU (im Gruppenfoto in der gelb-schwarzen Jacke links außen) hat demonstriert, wie man mit Leiter, Freischneider, Astschere und Säge umgeht, ohne sich zu verletzen.

Markus Rotzal ist begeistert: "Die sind aber engagiert! Ich hätte nicht gedacht, dass die sogar 20 Meter den Hang hochklettern, um Bäume zu fällen und Büsche zu entfernen. Toll!" Beim Arbeitseinsatz entscheidet jede und jeder, wo und wie er oder sie sich einbringt. Wer sich so richtig auspowern möchte, klettert und sägt. Andere sammeln unten das Schnittgut.

Für den 50-Jährigen Uwe Rabe ist der Einsatz im Steinbruch ein Heimspiel. Er lässt sich nicht nur zum Ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuer weiterbilden, er ist auch schon seit Jahren für die AGNU aktiv. Rabe hat den Motorsägen-Führerschein und fällt heute Bäume. Die Weiterbildung macht er, weil er seine Praxis theoretisch vertiefen möchte. Und es gefällt ihm, weitere Aktive aus anderen Vereinen kennenzulernen. Bei der Prüfung wird er ein Projekt der AGNU vorstellen: die Umgestaltung eines ehemaligen Trafo-Turms zum Artenschutz-Turm.

Die ebenfalls 50-jährige Annabelle Ober knüpft mit der Ehrenamts-Weiterbildung an ihr Studium an. Heute arbeitet sie als Geschäftsführungs-Assistentin, aber ursprünglich hatte sie Geografie, Botanik und Geologie studiert. Im Steinbruch gehört sie zu denen, die auch den Hang hochklettern. Jetzt sägt sie unten einen Strauch ab: "Für mich gibt es nichts Schöneres, als in der Natur zu sein", strahlt sie. "Ich habe mitgeholfen, bei Düsseldorf eine Wildblumenwiese auszusäen und bei der Gänsezählung habe ich mitgearbeitet. Und solche Pflegeeinsätze wie dieser machen mir großen Spaß."

Für den 59-Jährigen Ralf Breuer ist die Naturschutz-Weiterbildung eine Art Wiedergutmachung: "Als Architekt bin ich ja eher einer, der der Natur Flächen nimmt. Ich möchte gerne einen Beitrag leisten, dass man in Haus und Garten wieder mehr Lebensräume für Pflanzen und Tiere schafft. Für das Haus Bürgel werden wir demnächst einer Kita helfen, Nistkästen für Fledermäuse aufzuhängen und das Außengelände tierfreundlich zu gestalten. Und mein Projekt für die Weiterbildung ist ein Schaufenster in meinem Architekturbüro zu Nisthilfen."

Das, was ihre Kolleginnen und Kollegen abschneiden und -sägen, schafft die 56-Jährige Eva Stolz beiseite. Ansonsten arbeitet sie im Büro: im Umweltamt Düsseldorf. Körperliche Arbeit draußen in der Natur ist für sie willkommener Ausgleich. "Ich werde heut Abend ganz schön müde sein. Mir macht das Spaß und zudem ist die Weiterbildung ideal, um sich mit anderen Aktiven zu vernetzen."

Weil so viele Hände zusammenarbeiten, wächst der Stapel schnell. Im aktuellen Weiterbildungsjahrgang zum Ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuer sind 25 Naturschützer aktiv, im Alter von Anfang 30 bis Mitte 70. Sie schichten den Astschnitt zu einer sogenannten Benjeshecke auf, die Lebensraum für Vögel und Igel bietet.

Wer arbeitet, soll auch essen. Das hier ist allerdings "Naturschutz de Luxe": Michael von Uechtritz und Steinkirch von der AGNU hat Indisches Hähnchen-Tikka mit Blumenkohl-Reis, Joghurt und Koriander gekocht und selbstgebackenes Brot mitgebracht. Serviert wird aus der Heckklappe seines Kombis. Ralf Breuer schmeckt es vorzüglich: "Bei Arbeitseinsätzen für Haus Bürgel werden wir auch immer lecker mit Eintöpfen bekocht."

Nach Arbeit und Essen führt Markus Rotzal von der AGNU die Teilnehmer noch über das Gelände des aufgegebenen Steinbruchs. "Wegen des Kiesabbaus der ehemals Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke, heute Unternehmensgruppe Lhoist, gibt es hier inzwischen kein Grundwasser mehr. Früher konnte man hier baden und es gab sogar einen Tauchverein. Um Amphibien einen Lebensraum zu bieten, hat die AGNU auf dem Gelände wieder zehn Folienteiche angelegt."

Dieses ist der größte der zehn von den Naturschützern angelegten Teiche. Hier leben Kreuzkröten und Geburtshelfer-Kröten. "Wir haben auch schon mal Fotofallen aufgestellt und konnten beobachten, wie Waschbären in der Nacht auf Krötenfang gehen. Vor 15 Jahren, als wir noch mehr Kröten hier hatten, konnte man deren Rufe, durch den Amphi-Theater-Effekt des Steinbruchs, bis nach Mettmann hören", erzählt Rotzal.

Ein bisschen weiter weist Markus Rotzal auf die Hinterlassenschaften der Uhus hin, die hier im Steinbruch brüten. Diese Knochen stammen vermutlich von einem Igel, der dem großen Vogel zum Opfer gefallen ist. Die Teilnehmer der Weiterbildung sind beeindruckt von dem vielfältigen Leben in dem Biotop, für dessen Erhalt sie heute gearbeitet haben. Die Weiterbildung kostet 200 €. Am 24.01.2020 findet auf Haus Bürgel bei Düsseldorf die Informationsveranstaltung zum nächsten Jahrgang statt.

Lesetipp:

Kleine Paradiese. Die schönsten Naturschutzgebiete in NRW

Autor: Peter Rüther
Fotograf: Wolfgang Schomberg
Droste Verlag, 2018
26 Euro

Mehr zum Thema im WDR

Stand: 27.12.2019, 12:43