Naschen von Balkon und Terrasse

Ein Balkonkasten mit Erdbeere, Sesamblatt und Naschpaprika wird gewässert

Naschen von Balkon und Terrasse

Von Sabine Krüger

Urlaub auf Balkonien: in Corona-Zeiten eine echte Alternative. Wir zeigen, wie sie es sich richtig nett machen – mit Kräutern, Obst, Gemüse und sichtschützenden Kletterpflanzen.

Naschen vom Balkon und Terrasse

WDR 4 Drinnen und Draußen 30.05.2020 02:14 Min. Verfügbar bis 30.05.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Schlaraffenland Terrasse und Balkon

Auch wenn der Platz für die Selbstversorgung nicht reicht: Genießen lässt sich wunderbar auf Balkon und Terrasse – mit Naschobst, -Gemüse, frischen Kräutern und schönen Düften.

Ulla Hannecke neben Pflanzgefäßen für Balkon und Terrasse

Gärtnermeisterin Ulla Hannecke betreut im Botanischen Garten Düsseldorf die Nutzpflanzen. Sozusagen im Maschinenraum des Parks, den Arbeitsräumen im Gewächshaus, zeigt sie, was auf Balkon und Terrasse möglich ist. Am Ende sind Stangenbohnen gesät, eine Tomate ist eingepflanzt und ein Balkonkasten ist bestückt mit Naschpaprikas, Sesamblatt und Erdbeeren. "Erdbeersorten für den Balkon, die wie Walderdbeeren immer wieder Früchte tragen, sind 'Mara des Bois' und die pinkblühenden 'Viva Rosa' sowie 'Pink Princess'."

Gärtnermeisterin Ulla Hannecke betreut im Botanischen Garten Düsseldorf die Nutzpflanzen. Sozusagen im Maschinenraum des Parks, den Arbeitsräumen im Gewächshaus, zeigt sie, was auf Balkon und Terrasse möglich ist. Am Ende sind Stangenbohnen gesät, eine Tomate ist eingepflanzt und ein Balkonkasten ist bestückt mit Naschpaprikas, Sesamblatt und Erdbeeren. "Erdbeersorten für den Balkon, die wie Walderdbeeren immer wieder Früchte tragen, sind 'Mara des Bois' und die pinkblühenden 'Viva Rosa' sowie 'Pink Princess'."

Pflanzen mit großem Nährstoffhunger und Wasserbedarf pflanzt man in große Plastikbehälter. Der große schwarze Speiskübel wäre zum Beispiel für Kürbis oder Zucchini geeignet, aber auch für Kartoffeln und Möhren. In den quadratischen Terrakottakübel mit der Tomate würde auch Spalierobst passen. Statt der Bohnen könnten in dem großen Plastiktopf auch Gurken an einem Rankgitter wachsen und am Rand hätte noch eine hängende Erdbeere Platz. Für letztere ist auch der kleine Tontopf mit den Löchern gedacht: zum platzsparenden Stapeln mehrerer Pflanzen. Und in den klassischen Balkonkasten passen auch Radieschen, Schnittsalat, Asia-Salate oder Kräuter.

"Da wir unser Obst und Gemüse genießen wollen, sollten wir dafür in hochwertige Bio-Erde investieren, natürlich torffrei zum Schutz der Moore. Für Heidelbeeren braucht es saure Erde mit einem ph-Wert von unter 6, also zum Beispiel Rhododendron-Erde. Für Kräuter und mediterrane Pflanzen sollte man der Pflanzerde für die Drainage Lavagestein (im Bild) untermischen: im Verhältnis sechs Teile Erde, einen Teil Lavagestein."

Ulla Hannecke empfiehlt, die Behälter bis kurz unterhalb des Randes mit Erde aufzufüllen: "Man muss bedenken, dass die später noch absackt. Dann ist auf alle Fälle trotzdem genügend Platz zum Gießen."

Die Gärtnermeisterin hat die Erdbeere mit dem roten Sesamblatt und milden Paprikas der Sorte "Naschzipfel" kombiniert, die von hellgelb bis kräftig rot fruchten. Der Kasten wird also auch eine Augenweide. Das Sesamblatt ist ein frisches Würzkraut für die asiatische Küche, zum Beispiel für Sushi oder Frühlingsrollen. Ist der Kasten bepflanzt, muss ordentlich gewässert werden: "Den Wurzelbereich gut durchfeuchten, einsickern lassen und noch ein zweites Mal wässern!", rät Hannecke.

Der Klassiker für Balkonkräuter wird für viele die Minze sein. Aber Ulla Hannecke warnt vor deren großen Nährstoffhunger: "Nehmen Sie einen großen, möglichst tiefen Topf! Immer gut wässern und jedes Jahr mit dem Messer zerteilen und neu pflanzen. Sonst kränkelt die Minze und schmeckt dann auch nicht mehr so, wie man sie kennt und liebt."

"Ich bin ein absoluter Basilikum-Fan. Da gibt es das klassische großblättrige Basilikum, das aber relativ kurzlebig ist. Ganz anders das Zimt-Basilikum oder die Sorte 'African Blue'. Beide produzieren unermüdlich neue Blätter. Und mein Zimt-Basilikum hat im letzten Jahr bis zum Oktober geblüht, auch zur Freude der Bienen und Hummeln. Beide sind ziemlich groß. Für kleine Balkone gibt es Miniatursorten wie die abgebildete 'Minuette'. Die sind dann aber auch wenig ergiebig", so Ulla Hannecke.

In den großen quadratischen Terrakotta-Topf setzt die Gärtnermeisterin eine Tomate: "Zur Tomate sollte man wissen, dass sie am liebsten alleine steht. Hier also besser nichts unterpflanzen! Gute Sorten für den Balkon sind ‚Maiglöckchen‘ und 'Gelbe Königin'. Am Ende stützt man sie mit einem spiralförmigen Tomatenstab."

Gurken brauchen im Topf auch eine Rankhilfe und  einen entsprechend großen Kübel. Für den Balkon empfiehlt die Gärtnermeisterin die hier abgebildete Sorte 'Russische Traube'. Das ist eine kurze Salat- oder Einlegegurke. Kübelpflanzen sollten zudem gedüngt werden. Ulla Hannecke empfiehlt organische Langzeitdünger wie Hornspäne oder vegane Alternativen wie Soja- oder Lupinenmehl oder auch Flüssigdünger aus Pflanzensäften aus dem Bio-Handel.

Zucchini wachsen sehr ausladend und sind daher eher etwas für die Terrasse. Das hier ist die Sorte 'Gold Rush'. Inzwischen gibt es aber auch Zucchinisorten, die extra platzsparend für den Balkon gezüchtet wurden wie 'Black Forrest', 'Patiostar', 'Summer Ball' und 'Mini-Zucchini Piccolo'. Das sind allerdings keine samenfesten Sorten.

Ebenso ein Fall für die Terrasse sind Stangenbohnen. "Ich habe die Monstranzbohne ausgewählt, weil die so eine schöne Zeichnung hat, die an eine Monstranz erinnert. Manche sagen auch Engelsbohne zu ihr", so Ulla Hannecke.

Für Bohnen im Kübel braucht man viel Erde. Allein schon, weil die Statik nicht überlastet werden darf, sollte man auf dem Balkon besser auf sie verzichten. Wichtig übrigens fürs Gärtnern im Kübel: "Pflanzgefäße sollten immer Wasserabzugslöcher haben von mindestens der Größe eines 1-Euro-Stücks, damit keine Staunässe entsteht. Dieser große Plastiktopf hat gleich mehrere. Auf die Löcher legt man große Tonscherben, damit sie nicht verstopfen", erklärt die Gärtnermeisterin, "erst dann kommt die Erde drauf".

Dann Bambusstangen mit einer Kordel zu einer Rankhilfe in der Form eines Indianertipis zusammenbinden. Die Erde an den Stangen zur Stabilisierung etwas festdrücken.

Jetzt fünf bis sieben Bohnensamen um jeden Stab legen und in der Erde versenken. Eine Faustregel sagt: Samen doppelt so tief in die Erde drücken wie sie breit sind! Zum Schluss noch kräftig angießen – fertig!

Und wer seinen Schlemmerbalkon oder –Terrasse ungestört von den Blicken der Nachbarn genießen möchte, für den wäre vielleicht die Inka-Gurke das Richtige: "Die braucht nicht viel und bildet schnell sehr viele Ranken. Die Früchte kann man essen, allerdings schmecken sie nur, solange sie noch ganz jung sind, circa zwei Zentimeter groß. Danach bilden sie schnell Kerne und werden faserig. Aber der Sichtschutz ist prima!"

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Stand: 27.05.2020, 15:21