Wie Pflanzen ums Licht kämpfen

Misteln mit weißen Früchten auf einem Ahorn

Wie Pflanzen ums Licht kämpfen

Von Sabine Krüger

Licht ist unverzichtbar für das Überleben von Pflanzen. Welche Tricks diese entwickelt haben, um genug davon abzubekommen, das zeigt eine Führung im Botanischen Garten Bonn.

Wie Pflanzen ums Licht kämpfen

WDR 4 Drinnen und Draußen 21.12.2019 02:18 Min. Verfügbar bis 20.12.2020 WDR 4


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Konkurrenz ums Licht

Die einen keimen im Dunkeln, die anderen im Licht. Wieder andere kriechen, klettern oder lassen sich fliegen. Das alles sind Strategien von Pflanzen, um ans Licht zu kommen.

Peter Tautz und Alexandra Dolgner bei der Süntelbuche im Botanischen Garten Bonn

Die Führung des Biologen Peter Tautz und der Chemikerin Alexandra Dolgner durch den Botanischen Garten Bonn zum Thema "Wie Pflanzen ums Licht kämpfen" startet bei der Süntelbuche. Buchen gehen sehr sparsam mit Licht um: "Buchenkeimlinge können über Jahrzehnte im Schatten gedeihen, wachsen dann aber auch nur wenige Zentimeter im Jahr. Eine Buche, die eineinhalb Meter hoch ist, kann also schon fünfzig Jahre alt sein", erklärt Peter Tautz. "Wenn Buchen aber erstmal eine Krone gebildet haben, dunkeln sie alle anderen Bäume aus."

Die Führung des Biologen Peter Tautz und der Chemikerin Alexandra Dolgner durch den Botanischen Garten Bonn zum Thema "Wie Pflanzen ums Licht kämpfen" startet bei der Süntelbuche. Buchen gehen sehr sparsam mit Licht um: "Buchenkeimlinge können über Jahrzehnte im Schatten gedeihen, wachsen dann aber auch nur wenige Zentimeter im Jahr. Eine Buche, die eineinhalb Meter hoch ist, kann also schon fünfzig Jahre alt sein", erklärt Peter Tautz. "Wenn Buchen aber erstmal eine Krone gebildet haben, dunkeln sie alle anderen Bäume aus."

"Diese Ringelung auf dem Ast der Süntelbuche sind die Narben der Knospenschuppen. Anhand dieser Ringelungen kann ich erkennen, wie alt ein Ast ist. Hat er nur eine solche Stelle, dann ist der ganze Ast in einem Jahr gewachsen", so der Biologe. Die Süntelbuche ist eine Unterform der Rotbuche, die wegen ihres pilzförmigen Wuchses gerne in Parks gepflanzt wird.

Der Efeu klettert ans Licht – und zwar mit Luftwurzeln: "Er ist der einzige in Mitteleuropa heimische Wurzelkletterer", erklärt Alexandra Dolgner. Die Blätter links auf der Bank sind die typischen Efeublätter, die jeder kennt. Sie gehören zum jungen Efeu. Hat der Efeu zum ersten Mal geblüht, bekommen die Blätter eher die Form von Birnenblättern (rechts im Foto). "Der Efeu blüht und fruchtet aber erst nach vielen Jahren und auch nur an relativ sonnigen Standorten", ergänzt sie.

Zu den Kletterern gehört auch der Hopfen. "Der Hopfen ist eine Kletterstaude, das heißt, er verholzt nicht. Blüten machen beim Hopfen nur die weiblichen Pflanzen und diese Blüten braucht man, um Bier zu brauen. Wild kommt der Hopfen bei uns in Auwäldern vor", erklärt die Chemikerin. Peter Tautz ergänzt, dass der Stängel sehr rau ist, sodass er sich beim Winden gut an die jeweilige Unterlage anhaften kann.

Hier sitzt eine Mistel auf einem japanischen Ahornbaum. "Sie ist eine sogenannte Aufsitzerpflanze. Die Mistel dringt zusätzlich in den Baum ein und entzieht ihm Wasser und Zucker und muss daher selbst nicht so viel Fotosynthese betreiben. Wenn sehr viele Misteln auf einem bereits geschwächten Baum sitzen, kann sie ihn auch zum Absterben bringen", so Tautz.

Aber wie kommen die Misteln auf die Bäume? Sie lassen sich von Vögeln auf die Bäume fliegen! Peter Tautz demonstriert, wie klebrig die Samenhülle ist. Und Alexandra Dolgner erklärt: "Wenn ein Vogel davon genascht hat, möchte er das klebrige Zeug schnell wieder loswerden. Dann streift er seinen Schnabel ab, weil das unangenehm ist und dann bleiben die Dinger da oben kleben."

Auf dem gleichen Baum sind auch Flechten zu sehen. "Der mehlige Überzug, den man darauf sieht, sind Pilzsporen, die vom Wind weggetragen werden. Das ist ein Weg, über den sich Flechten verbreiten", so Tautz. "Flechten und Moose greifen, im Gegensatz zu den Misteln, die Bäume aber nicht an!"

Aus dem Kottenforst hat Peter Tautz dieses Tamarisken-Thuja-Moos mitgebracht. "Die Hauptwachstumszeit bei den Moosen ist vom Spätherbst bis ins zeitige Frühjahr: Dann ist es feucht und Moose nutzen ihre Fähigkeit, bei viel niedrigeren Temperaturen mit der Fotosynthese beginnen zu können als die Blühpflanzen, so um fünf Grad plus. Dieses Moos hier hat den besonderen Trick drauf, etagenförmig über das gefallene Herbstlaub hinweg zum Licht zu wachsen."

"Torfmoose bilden dagegen einen Schopf. Das ist eigentlich ein Stamm, der sich später streckt. Dann werden die Büschel von Ästen mit Blättchen daran auseinandergezogen. Zwischen den Ästen und den Blättchen speichert das Moos viel Wasser. In diesem selbsterzeugten nassen Lebensraum wächst kaum etwas anderes, sodass das Moos, das nur ungefähr einen Zentimeter pro Jahr macht, genug Licht bekommt, um Fotosynthese zu betreiben", erklärt der Biologe.

Eine andere Überlebensstrategie haben Rosettenpflanzen entwickelt, wie dieser Mittlere Wegerich: "Der macht sehr dicht am Boden liegende Rosetten, bei denen die einzelnen Blätter so angeordnet sind, dass sie viel Licht abbekommen. Nur der Blütenstängel wird dann schnell nach oben getrieben. Das ist ein Schutz vor Fressfeinden und typisch für Weidepflanzen", so Peter Tautz.

Daneben deutet Peter Tautz auf den Weißklee, auch eine Weidepflanze: "Der kriecht dagegen. Er macht einen ganz langen Spross und nur die Blätter werden nach oben getrieben. Wenn viel gemäht wird, werden die Blätter zwar kleiner, aber der Hauptspross wird nicht geschädigt. Auch so kann man auf Weiden überleben."

Auch den Persischen Ehrenpreis und die Vogelmiere werden viele aus ihren Gärten kennen. "All diese Ackerunkräuter sind Lichtkeimer. Zum Keimen brauchen sie aber nur einen ganz kurzen Lichtimpuls, teilweise nur eine Millisekunde. Viele Samen können Jahrzehnte unter der Erde schlummern und wenn sie dann beim Pflügen an die Oberfläche kommen, treiben sie aus. Ein Professor aus Erlangen kam auf den Gedanken, nachts zu pflügen. Bei einem Versuch, bei dem ein Acker normal bewirtschaftet wurde und der daneben nachts, war am Ende der Konventionelle zu 80 Prozent mit den Unkräutern bewachsen und der andere nur zu 2 Prozent. Das würde große Mengen Pestizide sparen", erzählt Peter Tautz.

Wieder ein anderer Fall in Bezug auf das Licht sind Pionierpflanzen. Da sie die ersten sind, die auf Brachflächen wachsen, müssen sie sehr lichtverträglich sein, wie zum Beispiel die Eberesche im Gegensatz zum Schattenbaum Buche. Alexandra Dolgner erklärt: "Solche Pionierpflanzen wachsen stark im Jugendstadium und beschatten dann die Fläche. So schaffen sie einen Lebensraum für Nachfolgepflanzen, die pralle Sonne und starken Wind nicht vertragen. Pionierpflanzen sind eher kurzlebig, weil sie später von den anderen Pflanzen ausgedunkelt werden."

Wie sich Pflanzen vor Licht schützen, erläutert Peter Tautz im Wüstenhaus anhand der Säulenkakteen: "Wenn die Mittagssonne scheint, wird nur ein kleiner Teil von oben beschienen. Wenn es wenig regnet, werden die Rippen tiefer und so verschafft sich die Pflanze selbst Schatten. Die Luftströme zwischen den Rippen wirken zudem kühlend".

Hier geht es nicht um die schöne Blüte der Strelitzie rechts, sondern um den Schutzmechanismus der Tillandsie links daneben. Die Tillandsie ist auch eine Aufsitzerpflanze. "Das Weiße sind Schuppen auf den Blattoberflächen, die Wasser aufnehmen und nach innen zur Pflanze hinleiten können. Und wenn es länger sonnig war, reflektiert das Weiß das Licht, sodass die Pflanze nicht zu stark aufgeheizt wird", beschließt Peter Tautz die gemeinsame Führung zu den Licht-Gestalten.

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Stand: 17.12.2019, 11:00