Kopfweiden schneiden für den Garten

Eine motorisierte Teleskopsäge kappt einen dicken Weidenast

Kopfweiden schneiden für den Garten

Von Sabine Krüger

Kopfweiden prägen die niederrheinische Kulturlandschaft. Die Ruten, die beim Schnitt anfallen, kann man im Garten vielseitig verwenden. Das Team der Biostation Köln-Leverkusen zeigt, wie.

Kopfweiden schneiden für den Garten

WDR 4 Drinnen und Draußen 22.02.2020 02:14 Min. Verfügbar bis 21.02.2021 WDR 4

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Langlebige Zäune, Tipis und Tunnel aus Weide

Seit Jahrhunderten ist das Landschaftsbild am Rhein geprägt von Kopfweiden. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) pflegt diese Kulturlandschaft und verschenkt das Schnittgut zur Weiterverwendung in Gärten.

NABU-Geschäftsführer Sönke Geske stapelt Weidenruten

Sönke Geske stapelt auf dem Naturgut Ophoven in Leverkusen die Schnittreste vom Kopfweidenschnitt auf einen großen Haufen. Denn die Pflege der Kulturlandschaft entlang des Rheins mit ihren alten Kopfweiden gehört zu den Aufgaben der Biologischen Station des NABU in Leverkusen und Köln. Der Großteil der angefallenen Ruten geht an ein Jugendzentrum in Köln-Chorweiler, wo damit Tipis und Tunnel gebaut werden.

Sönke Geske stapelt auf dem Naturgut Ophoven in Leverkusen die Schnittreste vom Kopfweidenschnitt auf einen großen Haufen. Denn die Pflege der Kulturlandschaft entlang des Rheins mit ihren alten Kopfweiden gehört zu den Aufgaben der Biologischen Station des NABU in Leverkusen und Köln. Der Großteil der angefallenen Ruten geht an ein Jugendzentrum in Köln-Chorweiler, wo damit Tipis und Tunnel gebaut werden.

Für Leitern, verschiedene Astscheren, Sägen, mit und ohne Motor, sowie Hörschutz ist gesorgt. Würde man Kopfweiden nicht regelmäßig schneiden, würden sie auseinanderbrechen. Wer nur eine Kopfweide im Garten hat, sollte jedes Jahr die älteren Äste rausnehmen. Dabei muss man darauf achten, dass die Krone im Gleichgewicht bleibt. Einseitiger Schnitt erhöht die Bruchgefahr.

Am leichtesten kann man richtig dicke Äste mit der motorisierten Teleskopsäge kappen. Auf dem Naturgut Ophoven in Leverkusen stehen viele Kopfweiden, die der NABU abwechselnd komplett entastet. Das heißt: In einem Jahr wird die eine Hälfte der Kopfweiden geschnitten – oder geschneitelt, wie Fachleute sagen –, im nächsten Jahr sind die anderen dran. So ist sicher, dass immer ein Teil der Kopfweiden blüht.

Max Appelshoffer arbeitet am liebsten mit einer japanischen Zugsäge. Sie schneidet nur in der Zugbewegung und verkantet nicht. "Kopfweiden prägen unsere Landschaft deshalb, weil man früher aus ihren Ruten Körbe geflochten und Zäune gebaut hat", erklärt der Landschaftspfleger. "Das Korbflechter-Handwerk wurde bis in die 50er, 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hier am Rhein betrieben und brach dann wegen des Plastiks und billigerer Importe ein", ergänzt Sönke Geske.

"Das Praktische an Kopfweiden ist, dass man sie auf Arbeitshöhe erziehen kann und die Bäume zuverlässig Ruten liefern. Denn Kopfweiden treiben nach dem Schnitt stark aus und halten als Auenbäume viel aus", so Appelshoffer. Wie variabel man Kopfweiden erziehen kann, zeigt dieses Bäumchen am Wegesrand, dessen Krone gerade mal auf Kniehöhe sitzt.

Kopfweiden eignen sich auch als natürliche Spielgeräte. Kleingehalten zum Beispiel als Kletterbäume für Kinder. Oder man steckt Weidenruten im Bogen in die Erde und schafft so einen grünen Tunnel. Man muss nur zu Beginn den Boden feucht halten, dann wachsen Stecklinge zuverlässig an. Wer sicher gehen will, dass diese Wurzeln bilden, stellt die Stecklinge vorher eine, maximal zwei Wochen ins Wasser.

Mit Ruten aus größeren Weiden kann man auch Tunnel oder Lauben für Erwachsene bauen. "Das Schöne ist, dass die Weide so biegsam ist. Allerdings gibt es unterschiedliche Sorten: Die Korbweide eignet sich zum Körbeflechten, die Bruchweide nicht, weil ihre Äste schnell brechen", erklärt Sönke Geske.

Auch langlebige Zäune kann man aus Weiden bauen. Für diesen Zaun wurden sie über Kreuz angeordnet.

Melani und Bernhard Lauven sind von Köln zum Naturgut Ophoven in Leverkusen gefahren, um dem NABU beim Kopfweidenschnitt zu helfen. "Wir brauchen lange Ruten für die Beeteinfassungen in unserem Garten", sagt der 50-jährige Chemiker, der sonst am Schreibtisch in der pharmazeutischen Industrie arbeitet. "Ich habe heute Urlaub genommen, damit ich mich zum Ausgleich draußen mal so richtig auspowern kann", sagt er. Lange Ruten dürfen die beiden nachher mitnehmen.

Und so könnte eine Beeteinfassung oder ein Zaun aus Weide aussehen: Stecklinge in regelmäßigen Abständen in den Boden stecken und dann mit dünnen langen Weidenruten umflechten.

Die Nahaufnahme zeigt, wie die Ruten übereinander abwechselnd einmal von links und einmal von rechts um die Stecklinge geflochten wurden.

Die wärmeren Temperaturen versetzen die Singvögel auf dem Naturgut Ophoven in Frühlingsstimmung. Das Rotkehlchen betrachtet das geschäftige Treiben auf dem Gelände mit großem Interesse: Es könnte ja der ein oder andere Käfer dabei abfallen.

Käfer fühlen sich auch in Kopfweiden wohl. Und ihre hohlen Stämme sind ideal für Höhlenbrüter wie Meisen oder Steinkäuze. Auch für die Natur sind Kopfweiden also sehr wertvoll. Und wer noch Ruten oder Stecklinge für den eigenen Garten braucht, kann sich bis zum 29. Februar 2020 in der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln melden. Infos dazu sind unter dem Beitrag zu dieser Fotostrecke verlinkt.

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Stand: 19.02.2020, 11:24