Herbstliche Blätter, Samen, Früchte

Noch unreife Frucht der Kakipflaume mit buntem Herbstlaub

Herbstliche Blätter, Samen, Früchte

Von Sabine Krüger

Wer seinen Garten im Herbst "aufräumt", beraubt sich vieler schöner Blickfänge. Das zeigt ein Rundgang im Botanischen Garten Düsseldorf. Vieles davon funktioniert auch in kleinen Gärten.

Herbstliche Blätter, Samen, Früchte

WDR 4 Drinnen und Draußen 01.11.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 01.11.2021 WDR 4


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Spannende Gärten – Blüte ist nicht alles

Von Sabine Krüger

Der Herbst ist die Zeit, um den Blick zu öffnen für spannende architektonische Strukturen im Garten. Für schöne Blattformen und -farben sowie für graphisch interessante Samenstände.

Gärtnermeisterin Ulla Hannecke neben der Dreiblättrigen Zitrone im Botanischen Garten Düsseldorf

"Gerade der Herbst zeigt nochmal alles und auf anderer Ebene. Wir sind immer sehr fokussiert auf Blüten, aber eigentlich haben die Pflanzen viel mehr zu bieten. Da ist die Frucht, die Wuchsform, das Blattwerk. Da sind ganz viele andere Komponenten, die eben auch interessant sind", meint Ulla Hannecke. Dafür auch Hobbygärtnerinnen und -gärtner zu sensibilisieren, das ist das Anliegen der Gärtnermeisterin bei ihrer Führung durch den Botanischen Garten Düsseldorf für das städtische Gartenamt.

"Gerade der Herbst zeigt nochmal alles und auf anderer Ebene. Wir sind immer sehr fokussiert auf Blüten, aber eigentlich haben die Pflanzen viel mehr zu bieten. Da ist die Frucht, die Wuchsform, das Blattwerk. Da sind ganz viele andere Komponenten, die eben auch interessant sind", meint Ulla Hannecke. Dafür auch Hobbygärtnerinnen und -gärtner zu sensibilisieren, das ist das Anliegen der Gärtnermeisterin bei ihrer Führung durch den Botanischen Garten Düsseldorf für das städtische Gartenamt.

Bei der Dreiblättrigen Zitrone (botanisch: poncirus trifoliata) beeindruckt die drahtige Wuchsform und das Laub, das sich jetzt im Herbst beeilt, so gelb zu werden wie die Früchte. "Beim Ernten müssen Sie aber aufpassen wegen der stark pieksenden Dornen. Das wäre also ein Strauch, den Sie in einem großen Garten perfekt an die Grenze zum bösen Nachbarn pflanzen könnten", schmunzelt die Rundgangsleiterin.

Ohne Dornen kommt die Kakipflaume (bot.: Diospyros kaki) aus, die viele vom Obsthändler kennen. Ihre Früchte reifen tatsächlich auch hier aus: "Bis November leuchten sie dann im typischen Orange. Dieser Strauch wäre von der Größe her auch für kleinere Gärten geeignet. Er mag Halbschatten, weshalb wir ihn leider umpflanzen müssen", bedauert Ulla Hannecke.

Die Früchte der Gewöhnlichen Seidenpflanze (bot: Asclepias syriaca) erinnern an einen Papageienschnabel, weshalb sie im Handel auch unter dem Namen Papageienpflanze geführt und als Dekorationsmaterial verkauft werden. Im Innern dieser Balgfrüchte sitzen viele Samenkörner an seidigen Haarschöpfen, die der Wind entsprechend weit verbreiten kann.

Die gleiche Strategie verfolgt diese wilde Artischocke, auch Kardy genannt. Allein schon mit ihrer hochgewachsenen Statur und der grafisch interessanten Kugelfrucht ist sie ein Hingucker im herbstlichen Garten. Im Moment sieht sie aus, als sei ihr Friseurtermin überfällig.

Extrem zart wirken die Artischockensamen mit ihren Fluganhängseln, die sich auch sehr weich anfühlen.

Beim Sassafrasbaum aus Nordamerika setzt gerade die Herbstfärbung ein: "Das Laub verfärbt sich so nach und nach, sodass man immer noch ein bisschen Grün hat und gleichzeitig wird es dann Rot und Gelb. Zudem hat er auf der Blattrückseite einen leicht silbrigen Stich. Wenn der Wind da reinfährt, schimmert diese Färbung auch noch durch. Also das ist schon was ganz Besonderes", schwärmt Hannecke. Der Baum wächst sehr langsam, wäre somit auch für kleinere Gärten geeignet.

"Wie die Herbstfärbung sich genau entwickelt, ob gelb, orange oder rot, das ist stark vom Wetter und den Bodenbedingungen abhängig und fällt jedes Jahr anders aus. Das finde ich so spannend am Gärtnern. Ich schätze mal, dieses Jahr wird es vorwiegend gelb werden", meint die Gärtnermeisterin. Das scheint dieser Essigbaum (bot.: Rhus typhina) zu bestätigen. "Er verbreitet sich übrigens nur dann so stark, wenn man seine Wurzeln verletzt."

Eine echte Zierde für herbstliche Gärten ist der Judasbaum (bot.: Cercis siliquastrum) mit seinen schönen herzförmigen Blättern: "Ein tolles Gehölz für Hausgärten! Im April, Mai blüht er. Und zwar kommt zuerst die violette Blüte und dann das Laub. Zudem kommen diese Blüten direkt aus dem Holz, das ist sehr ungewöhnlich. Es gibt auch eine schöne rotlaubige Form, aber die ist zurzeit sehr anfällig für einen Pilz, die würde ich Ihnen nicht empfehlen", warnt Hannecke.

Der Klassiker der Herbstfärbung ist natürlich der Ahorn. Aber dieser hier (bot: Acer japonicum ‚Aconitifolium‘) hat unter dem trockenen Mai sehr gelitten: "Blüte und Wassermangel, das war zu viel für ihn. Besser mit Trockenheit kommt der Zimtahorn klar. Der hat zudem eine sehr schöne Rinde, die abblättert. Der Zimtahorn wächst extrem langsam und ist somit für kleine Gärten gut geeignet", so der Tipp der Gartenberaterin.

Das, was hier wie tänzelnde Ballerinas aussieht, sind die Früchte des Lederhülsenbaums oder der Gleditschie (bot.: Gleditsia triacanthos). Darin verbergen sich die Samen und wenn man die Hülsen schüttelt, raschelt es laut. Der Rasen unter diesem mächtigen Baum im Botanischen Garten Düsseldorf ist übersät von Hülsen: "Das muss man sich überlegen, ob man das im Garten haben möchte", so Ulla Hannecke.

Aber als Straßenbaum der Zukunft ist der trockenheitsverträgliche Lederhülsenbaum gut geeignet und zwar vor allem die kleinerwachsende Sorte 'Sunburst'. Für die Pflege sehr unangenehm ist allerdings, dass dieser Baum mit den respekteinflößenden Dornen am Stamm besonders wehrhaft ist.

Gegenüber wächst im Beet neben dem Ahorn eine schöne Gras-Stauden-Kombination: Die Blütenknospen der blaublühenden Chinesischen Bleiwurz (bot.: Ceratostigma plumbaginoides) haben die gleiche leuchtend rote Farbe wie das Laub des Japanischen Blutgrases (bot.: Imperata cylindrica var. koenigii 'Red Baron'). Beim Blutgras handelt es sich allerdings nicht um eine Herbstfärbung, das ist ganzjährig rot. "Und die Chinesische Bleiwurz ist ein wunderbarer Bodendecker", so Hannecke.

Im Nutzpflanzengarten punktet die Spargelerbse, auch Flügelerbse (bot.: Lotus maritimus) mit einer besonders interessanten Schote. Wie ein etwas eckiger Zeppelin schwebt sie über dem Weg. "Bei ihr isst man interessanterweise nicht den Samen, sondern die Schote selbst, allerdings früher im Jahr, jetzt würde sie faserig schmecken. Gekocht ist sie lecker. Im Anbau ist sie auch unkompliziert und die Samen bekommt man inzwischen im Bio-Saatguthandel."

Ebenfalls graphisch interessant ist der vertrocknete Samenstand der Wilden Karde (bot.: Dipsacus fullonum), einer zweijährigen heimischen Wildstaude. Auch im Hausgarten ist sie ein echter Hingucker und im Winter holen sich die Distelfinken ihre Samen. Gleich mehrere gute Gründe, Verblühtes über den Winter stehen zu lassen. Im Botanischen Garten wächst sie bei den Pflanzen, die technisch genutzt wurden, denn früher hat man mit ihnen Wolle gekämmt, also "kardiert".

Ähnlich interessant sind die Samenstände der Großen Knorpelmöhre (bot.: Ammi majus): "Ich finde es immer so schön, wenn sie sich mittig zusammenziehen", meint Ulla Hannecke. Auch die Knorpelmöhre steht bei den Technik-Pflanzen, denn "früher wurden diese Samenstöckchen als Zahnstocher genutzt. Sie ist aber auch sehr dekorativ, sowohl die Samenstände als auch die weißen Blütendolden von Juni bis Oktober."

Noch extravaganter schmücken die Kapseln der Samtpappel (bot.: Abutilon theophrasti) das Beet: "Sie wurde als Faserpflanze verwendet, ist aber leider auch invasiv. Gerade in Feldern breitet sie sich massiv aus, weshalb es kaum Saatgut von dieser einjährigen Pflanze gibt." Ihre wunderhübschen Kapseln schaut man sich also besser nur im Botanischen Garten an.

Sehr hübsch sind auch die Früchte der Kermesbeere (bot.: Phytolacca), die sich nach und nach von grün über rot bis schwarz verfärben. "Im ausgereiften schwarzen Zustand wurden sie früher zum Färben von Speisen verwendet. Aber sie enthalten einen gesundheitsschädlichen Stoff, weshalb wir sie keinesfalls essen sollten. Die Vögel lieben sie und verbreiten sie auch stark. Deshalb eignet sie sich eher für größere Gärten. Wenn sie zu groß wird, entfernt man einzelne Triebe ganz unten an der Basis und unerwünschte Sämlinge zieht man direkt im Keimstadium aus der Erde", rät Hannecke.

Essbar und von vielen geliebt ist die Wurzel des Süßholzes (bot.: Glyzyrrhiza glabra) – nämlich als Lakritz. Jetzt im Herbst bringen ihre grafischen Samenstände, die ein bisschen an Ananas erinnern, interessante Zieraspekte in den Garten. "Man kann diese Samenstände inzwischen auch in Blumenläden kaufen", hat die Gärtnermeisterin entdeckt. "Zudem soll Lakritz Rauchern helfen, von ihrer Sucht loszukommen."

Sehr schön rot verfärbt sich gerade das Laub der Eichenblättrigen Hortensie (bot.: Hydrangea quercifolia). Das Blatt sieht tatsächlich aus wie das der Eiche, deshalb heißt sie so. "Die Eichenblättrige Hortensie verträgt Trockenheit besser als die Bauerngarten- und Ballhortensien, die zunehmend unter den heißen Frühjahren und Sommern leiden", beobachtet Ulla Hannecke.

"Nehmen Sie sich gerne ein paar Samen mit!", sagt die Rundgangsleiterin immer wieder. Ein Angebot, das nur für Rundgangsteilnehmer gilt. Ansonsten ist die Ernte von Früchten und Samen im Botanischen Garten verboten. Denn das, was hier angepflanzt wird, dient Bildungszwecken: Andere Besucherinnen und Besucher möchten die Pflanzen und Samenstände auch sehen können. Zudem braucht der Botanische Garten die Samen, um den Bestand zu erhalten. Rundgangsteilnehmerin Claudia Ernicke nimmt sich Samen vom Muskatellersalbei (bot.: Salvia sclarea) mit, um die Schwarze Holzbiene in ihren Hausgarten zu locken.

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Stand: 28.10.2020, 10:00