Hagebutten – Farbtupfer für Herbst und Winter

Viele kleine orangefarbene Hagebutten der Rosensorte 'Magical Bullet'

Hagebutten – Farbtupfer für Herbst und Winter

Von Sabine Krüger

Die ersten Herbststürme haben wir erlebt. Anstatt das Ausklingen der Gartensaison zu beklagen, freuen wir uns einfach auf Hagebutten. Die Vielfalt im Bonner Park Härle ist enorm.

Hagebutten – Farbtupfer für Herbst und Winter

WDR 4 Drinnen und Draußen 05.09.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 05.09.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Vielfältige Rosenfrüchte

Wonach wählen Sie Rosen aus? "Nach der Blüte", werden die meisten sagen. Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum Park Härle in Bonn, lenkt den Blick auf Hagebutten.

Michael Dreisvogt hinter einer Rose mit Blüten und sich gerade entwickelnden Hagebutten

"Na, und ob!", ist die entschiedene Antwort von Michael Dreisvogt auf die Frage, ob er eine Rose auch schon mal wegen der Hagebutten ausgewählt habe. "Das sind vor allem Sorten und Auslesen von Wildrosen, die drei mal vier Meter groß werden, die passen nur in den naturnahen Teil unseres Parks. Aber da pflanze ich ausschließlich Rosen, zu denen in mehreren guten Büchern steht, dass sie tolle Hagebutten haben."

"Na, und ob!", ist die entschiedene Antwort von Michael Dreisvogt auf die Frage, ob er eine Rose auch schon mal wegen der Hagebutten ausgewählt habe. "Das sind vor allem Sorten und Auslesen von Wildrosen, die drei mal vier Meter groß werden, die passen nur in den naturnahen Teil unseres Parks. Aber da pflanze ich ausschließlich Rosen, zu denen in mehreren guten Büchern steht, dass sie tolle Hagebutten haben."

An der Sorte 'Darlow’s Enigma' kann man schön sehen, wie sich Hagebutten entwickeln: "Das ist eine mehrfach blühende Rose. An einem Trieb sieht man die Blüten aus dem Frühsommer, die schon Hagebutten gebildet haben und dahinter ein Zweig, der jetzt blüht. Diese Gleichzeitigkeit von Hagebutten und Blüten gibt ein besonders schönes Bild. Zudem hat diese Rose einen sehr guten moschusartigen Duft", findet Michael Dreisvogt.

Voraussetzungen für Hagebutten sind, dass die Rosen blühen, bestäubt und erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Darüber hinaus bilden sich Hagebutten nur an Rosensorten mit einfachen oder maximal teilweise gefüllten Blüten. "Die Natur hat auch etwas davon, weil solche Blüten Nektar liefern und die Hagebutten Futter sind für Insekten, Vögel, Siebenschläfer, Gartenschläfer, Marder und Fuchs. Gärtner sollten nicht nur an sich denken, sondern auch an Tiere. Diese Moschatarose der Sorte ‚Ballerina‘ hatte im letzten Jahr einen Blütenstand mit 120 Hagebutten, toll!", schwärmt Dreisvogt.

So stellt man sich die klassische Hagebutte vor: rot und rund. Die Rose der Sorte 'Rotes Phänomen' blüht dunkelrot und gehört zur Gruppe der Apfelrosen. Die Hagebutten sitzen einzeln am Strauch und machen die längst verblühte Rose im Herbst nochmals attraktiv.

Diese Ramblerrose klettert mit vier bis fünf Meter langen Trieben an der serbischen Fichte hoch. Im Ansatz kann man die unzähligen Hagebutten erkennen, im Moment noch grün. "Sie werden leuchtend hellorange und halten sich viel länger an der Pflanze als die Blüten. Ich mag diese Rose auch deshalb gern, weil sie nach Sir Cedric Morris benannt ist, einem beeindruckenden Künstler, der mit der verstorbenen großen Dame der Englischen Gartenkunst Beth Chatto befreundet war", erzählt Dreisvogt.

Das Auffallende an dieser noch nicht ganz ausgereiften und ausgefärbten, später orangeroten, Hagebutte ist ihre Flaschenform und die feinen Borsten. Sie gehört zur blutrot-blühenden Mandarinrose (botanisch: Rosa moyesii), einer chinesischen Wildrose.

Eiförmig-knubbelig sind dagegen die Hagebutten der Rosa alba 'Semiplena', also einer weißblühenden Rose mit halbgefüllten Blüten. Ihre Hagebutten zieren den Strauch bis zum Frost. Diese Sorte kann auch gut als blühende Hecke gepflanzt werden.

Wieder flaschenförmig und mit feinen Borsten versehen sind die Hagebutten von 'Fenja'. Ihre orangerote Färbung hat einen Stich ins Rosa. "Sie hat große einfache Blüten mit einem zarten pinkfarbenen Rand. Drei, vier Meter Platz sollte man für diese Rose schon haben, weil sonst ihr ausladender, weit überhängender Wuchs nicht zur Geltung kommen kann", rät der Parkleiter.

Weil ihn verwundert hat, dass die Floristik meist mit besonders schönen Hagebutten arbeiten kann, hat Michael Dreisvogt auf einer Messe nachgefragt. Ein Händler bestätigte ihm, dass bei der Züchtung dieser Rosen speziell Wert auf die Früchte gelegt  werde. Er überließ ihm freundlicherweise von jeder dieser Rosensorten einen Strauch für den Baumpark der Stiftung Härle. Eine davon ist die Rose 'Magical delight', deren Hagebutten gerade beginnen sich zu verfärben.

Viel kleiner, aber formvollendet rund, leuchtend rot und zahlreich hängen die Hagebutten der Sorte 'Magical bullet' an diesem Rosenstrauch. Den herbstlichen Kranz, den sie potenziell schmücken sollen, hat man direkt vor dem geistigen Auge.

"Ganz so hoch wird sie hoffentlich nicht werden!", scherzt Michael Dreisvogt über seine Rose der Sorte 'Mount Everest'. "Aber drei, vier Meter Höhe wird auch sie erreichen." Die Hagebutten sind flaschenförmig mit feinen Borsten in einem seltenen Rotton: "Das ist so ein kälteres, fast so ein Karminrot. Und da auch die Zweige der Rose rötlich sind und auch das Laub hier im Herbst rötlich färbt, ist das eine in sich stimmige Pflanze."

Auch bei 'PiRo 3' standen die Hagebutten im Zentrum des Züchtungsziels: "Bei dieser Pillnitzer Rose Nr. 3 hat man versucht, besonders vitaminhaltige Früchte zu erzeugen. Zu Zeiten der getrennten deutschen Staaten waren im Osten Südfrüchte Mangelware, weshalb sich ostdeutsche Gärtner darum bemüht haben, aus heimischen Früchten Vitamin-C zu gewinnen", so Dreisvogt.

"Zwischen den blauen Zwetschgen leuchtet ein gelber Strauch hervor", sagt Michael Dreisvogt und steuert auf seine absolute Lieblings-Rosensorte bezüglich der Hagebutten zu: Der Name 'Lampion' ist gut gewählt. "Das ist die einzige Rose mit gelben Hagebutten!"

Und nicht nur die zitronengelbe Farbe dieser Rosenfrüchte ist beeindruckend. "Die sehen aus wie Rosskastanienfrüchte, so stachelig. Und sie duften ganz intensiv. Das haben wir gemerkt, als wir für eine Führung eine Schale mit Herbstfrüchten vorbereitet haben und die Gruppe fragte, was da so gut dufte. Für den Duft haben viele Leute versucht, Worte zu finden. Es ging am Ende immer Richtung Weihnachten".

"Diese Wildrosensorte kenne ich aus meinen Studienzeiten in Weihenstephan: Rosa sweginzowii 'Macrocarpa'. 'Macrocarpa' heißt großfruchtig. Ihre flaschenförmigen Früchte leuchten orangerot und können bis zu fünf Zentimeter lang werden", so Dreisvogt.

Auf dem Weg zurück deutet Michael Dreisvogt auf einen Rosenstrauch am Waldrand: "Das ist unsere klassische Wildrose hier, die Hundsrose. Sie hat sich selbst ausgesät und es geht ihr offenbar sehr gut an diesem schwierigen Standort. Wegen ihrer Pfahlwurzeln, die Wasser auch aus tieferen Schichten holen können, sind Wildrosen übrigens bestens für den Klimawandel geeignet."

Und das ist sie auf einen Blick: die beeindruckende Vielfalt der auf dem Rundgang gesammelten Rosenfrüchte. Öffentliche Führungen sind im Arboretum Park Härle zurzeit coronabedingt nicht möglich, aber private Sonderführungen können gebucht werden. Aktuelle Informationen dazu stehen auf den Internetseiten des Park Härle. Ansonsten: Genießen Sie die Hagebutten in Ihrem Garten und Ihrem Umfeld!

Lesetipp:

Naturnahe Rosen, Bd. 1: Strauchrosen
Autor: Reinhard Witt
39,95 €

Naturnahe Rosen, Bd. 2: Kletter- und Kleinstrauchrosen
Autor: Reinhard Witt
29,95 €

Stand: 02.09.2020, 14:00