Kleine Gehölze für den Klimawandel

Noch unreife Früchte der Felsenbirne

Kleine Gehölze für den Klimawandel

Von Sabine Krüger

Auch im Hausgarten sollten wir künftig den Klimawandel mitdenken, also Sträucher und Bäume pflanzen, die mit trockenen Frühjahren, heißen Sommern und feuchten Wintern klarkommen.

Kleine Gehölze für den Klimawandel

WDR 4 Drinnen und Draußen 27.06.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Sträucher für die Hausgärten der Zukunft

Welche kleinen Bäume und Sträucher haben im Klimawandel Zukunft? Dr. Patrick Knopf stellt ein paar davon vor: im Rombergpark Dortmund, dem Botanischen Garten der Ruhrmetropole.

Rombergpark-Direktor Patrick Knopf zwischen violett blühendem Lavendel und einem Sanddornstrauch

Rombergpark-Direktor Patrick Knopf inmitten zweier klarer Klimawandel-Gewinner: dem violett blühenden Lavendel und dem Sanddornstrauch. Beide sind lichthungrig, hitzeverträglich und mögen sandige, karge Böden. Zudem sind Lavendelblüten ein Fest für Insekten und die orangefarbenen Früchte des Sanddorns sehen nicht nur schön aus, sondern werden auch gerne von Vögeln gefressen. Der dornige Strauch ist außerdem ein sicherer Nistplatz für sie.

Rombergpark-Direktor Patrick Knopf inmitten zweier klarer Klimawandel-Gewinner: dem violett blühenden Lavendel und dem Sanddornstrauch. Beide sind lichthungrig, hitzeverträglich und mögen sandige, karge Böden. Zudem sind Lavendelblüten ein Fest für Insekten und die orangefarbenen Früchte des Sanddorns sehen nicht nur schön aus, sondern werden auch gerne von Vögeln gefressen. Der dornige Strauch ist außerdem ein sicherer Nistplatz für sie.

Eisenholzbäume sind mit ihren knorrigen Verzweigungen charaktervolle Typen im Garten. Die drei Exemplare links im Bild wurden schon 1931 gepflanzt: "In der Baumschule kauft man sie in einer Größe von circa drei Meter, danach werden sie relativ schnell vier bis fünf Meter groß, aber in der Folge wachsen sie nur noch langsam. Ein idealer Baum also für einen imposanten Hintergrund im Garten", empfiehlt Patrick Knopf.  

Bei älteren Eisenholzbäumen wie hier löst sich die Rinde in Platten ab, was an Platanen erinnert. "Im Frühling haben sie wunderschöne kleine Blüten, oft in schwärzlich-violetten Ständen zusammengefasst, aus denen rötliche Blütenblätter wachsen. Im Sommer sind die Bäume grün und im Herbst färbt sich das Laub fantastisch von Gelb über Orange, Rot, Violett und Schwarz. Alles zusammen in einer Pflanze! Damit kann man sich ein Stück Indian Summer in den eigenen Garten holen", schwärmt der Park-Direktor.

Wenn man dann auch noch Früchte ernten kann, ist das Gartenglück perfekt. Für den Größenvergleich hat sich Patrick Knopf unter einen 20 Jahre alten Paw-Paw-Baum aus Nordamerika gestellt: "Diese Pflanzen sind verwandt mit Magnolien und bilden eine mangoähnliche Frucht mit dicken Samen, fast wie bei einer Litschi. Das Fruchtfleisch ist eher ein Fruchtcocktail: Es schmeckt ein bisschen nach Banane, nach Mango, hat aber auch etwas Säuerliches vom Apfel. Eine echte Delikatesse und noch sehr unbekannt."

Ebenfalls aus Nordamerika kommt die Aronie: "Sie ist ein unglaublich robuster Strauch, der schön blüht und sehr Vitamin-C-haltige Früchte trägt. Wir haben in den letzten Jahre reichlich geerntet und daraus mit dem Freundeskreis Saft und Marmelade gemacht." Aronien sind winterharte, fürs trockene Stadtklima geeignete Sträucher, die laut Patrick Knopf viel öfter in Hausgärten gepflanzt werden sollten, "auch weil sie für Bienen gute Nektar- und Pollenquellen sind."

Und so sieht die Wuchsform der Aronie aus: "Für den kleinen Hausgarten gibt es Sorten, die nur einen Meter hoch werden, aber auch bei der Wildform ist bei drei bis vier Metern Schluss. Weil die Aronie mehrtriebig wächst, kann man alte Triebe, die nicht mehr gut blühen, rausnehmen und die jungen Triebe erneuern den Strauch. So kann man Aronien lange erhalten", rät Knopf.

Die Felsenbirne gehört, genauso wie die Aronie, zu den Rosengewächsen. "Noch sind die Früchte nicht reif, aber wenn es soweit ist, muss man sich sehr beeilen, schneller zu sein als die Vögel, für die das süße Obst eine Delikatesse ist. Felsenbirnen wachsen natürlicherweise im Felsgestein zum Beispiel am Kaiserstuhl, sind also sehr trockenresistent. Unsere heimische Felsenbirne wird maximal dreieinhalb Meter groß und ist gut schnittverträglich, also bestens für den Hausgarten geeignet", so Patrick Knopf.

Ein Rosengewächs, das aus der Mode gekommen ist, ist der Cotoneaster. "Der ist eigentlich verschrien als Autobahnbegrünung", meint Knopf. "Es gibt aber sehr viele Arten, die zu schönen halbimmergrünen, mittelgroßen Sträuchern heranwachsen, die der Tierwelt viel Nahrung bieten: Nektar und Pollen für die Insekten und Früchte für die Vögel. In den 70ern und 80ern wurde Cotoneaster oft vom Feuerbrand befallen, was heute kein Problem mehr ist, sodass man ihn wieder häufiger pflanzen könnte."

Zu den trockenheitsverträglicheren Ahornsorten gehört der Zimtahorn. "Die Rinde rollt sich ab wie eine Zimtstange. Damit reinigt sich der Baum von Bakterien und Schadinsekten, so wie wir schmutzige Kleidung ausziehen. Die Blätter sind mit ihrem leichten Flaum auf der Oberseite vor Sonne geschützt und mit einer Wachsschicht auf der Unterseite vor Verdunstung. Damit ist der Baum ideal angepasst an trockene, heiße Sommer", erklärt Patrick Knopf.

Die sehr früh im Frühjahr blühenden Judasbäume sind eine weitere Empfehlung des Park-Direktors. "Das besondere an ihnen ist, dass sie fantastische Blüten direkt am Stamm bilden in Weiß, Purpur, Rosé und Pink, leuchtend und überreich. Und daraus entwickeln sich dann Hülsen, die an Bohnen erinnern. Judasbäume bleiben alle klein und haben an ihren Wurzeln Knöllchenbakterien, die automatisch mit Stickstoff versorgt werden, müssen also nicht gedüngt werden."

Ganz besonders hübsch findet Patrick Knopf diesen Judasbaum mit seinen tief bordeauxfarbigen Blättern.

Im hinteren Teil des Parks, Richtung Zoo, kurz oberhalb vom Hauptweg haben die Gärtner eine trockenheitsverträgliche Staudenmischung ausgesät. "Das wird jetzt auch viel auf Verkehrsinseln in Innenstädten gemacht. Wichtig dabei ist aber, dass nach der Blüte nicht alles abgemäht wird. Über Winter sollten mindestens zehn Prozent der Gesamtfläche stehen bleiben, damit Insekten in den Halmen überwintern können. Oder man lässt alles stehen und schneidet erst im Frühjahr zurück", so Patrick Knopfs Empfehlung.

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Stand: 25.06.2020, 10:48