Gartenschläfer – Rettet Zorro!

Ein Gartenschläfer im Nest

Gartenschläfer – Rettet Zorro!

Von Sabine Krüger

Planen Sie gerade Ihren Garten? Denken Sie auch an unaufgeräumte Ecken! Das hilft Insekten, Vögeln und dem Gartenschläfer. Der kommt im Land nur noch im Köln-Bonner Raum vor.

Gartenschläfer – Rettet Zorro!

WDR 4 Drinnen und Draußen 16.01.2021 02:21 Min. Verfügbar bis 16.01.2022 WDR 4 Von Sabine Krüger


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Lebensräume für den kleinen Kobold

Von Sabine Krüger

Der Gartenschläfer stirbt aus. Warum, das möchte der BUND im Projekt "Spurensuche Gartenschläfer" herausfinden. Holger Sticht stellt den Nager vor und bittet um Mithilfe.

Holger Sticht vom BUND NRW neben einem Gartenschläfer-Nistkasten

Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, hat das bundesweite Projekt "Spurensuche Gartenschläfer" initiiert. Spezial-Nistkästen für Gartenschläfer sollen dabei helfen, die Tiere zu erfassen. "Diese Kästen haben das Einstiegsloch hinten, sodass das Tier zwischen Baumstamm und Nisthilfe reinkriechen kann und keine Vögel einlädt. Wir möchten schließlich Gartenschläfer zählen und nicht Vögel", erklärt der Naturschützer. "Kontrollieren kann man den Kasten durch die Schiebewand an der Seite, aber nicht jetzt, weil die Gartenschläfer im Winterschlaf nicht gestört werden sollen."

Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, hat das bundesweite Projekt "Spurensuche Gartenschläfer" initiiert. Spezial-Nistkästen für Gartenschläfer sollen dabei helfen, die Tiere zu erfassen. "Diese Kästen haben das Einstiegsloch hinten, sodass das Tier zwischen Baumstamm und Nisthilfe reinkriechen kann und keine Vögel einlädt. Wir möchten schließlich Gartenschläfer zählen und nicht Vögel", erklärt der Naturschützer. "Kontrollieren kann man den Kasten durch die Schiebewand an der Seite, aber nicht jetzt, weil die Gartenschläfer im Winterschlaf nicht gestört werden sollen."

Gartenschläfer-Nistkästen gibt es im Naturschutz-Fachhandel. Man kann aber auch Vogelnistkästen aufhängen, am besten auf 150cm Baumstammhöhe nach Südosten zeigend. Eine Öffnung von 30mm Durchmesser ist ideal – für Gartenschläfer und Meisen. Der Gartenschläfer ist das Nagetier, das in Europa am schnellsten ausstirbt: Vor einigen Jahrzehnten lebte er in 26 europäischen Staaten, heute noch in fünf, unter anderem in Deutschland. "Damit haben wir eine besondere Verantwortung. In Nordrhein-Westfalen kommt er nur noch im Köln-Bonner Raum vor", so Holger Sticht.

"Gartenschläfer bauen sich auch Nester, die an die Kobel von Eichhörnchen erinnern. Darin verschlafen sie noch nach dem Winterschlaf ihre Tage. Aktiv sind sie von Frühjahr bis Herbst nachts. Wenn sie im April aus dem Winterschlaf erwachen, gehen sie direkt auf Partnersuche. Die Balzrufe der Männchen können ganz schön laut sein", erklärt der Fachmann. Er schürzt die Lippen und ahmt den Ruf nach, der sich anhört wie schmatzende Küsse. "Damit kann man die Männchen auch anlocken."

So schön kuschelig kleidet der Gartenschläfer sein Nest aus. Die kleinen Nager sind ungefähr so groß wie eine Hand. Dazu kommt der etwas kürzere Schwanz, schwarz-weiß gestreift und nicht so buschig wie beim Eichhörnchen. Ihre Ohren sind auffallend groß und ihre schwarze Augenbinde hat ihnen den Spitznamen "Zorro" eingehandelt. "Kobold" ist ein weiterer Kosename für die niedlichen Säuger.

Warum die Bestände des Gartenschläfers so schnell schrumpfen, ist ein Rätsel, zumal er nicht wählerisch ist, was seine Lebensräume angeht. "Er kommt hauptsächlich in halboffenen Landschaften vor", so Sticht. Am Waldrand, in naturnahen Gärten, in Weinbergen oder auf Schutthalden. Das Foto zeigt einen typischen Gartenschläfer-Lebensraum mit lockerem Baumbestand und heimischen Wildsträuchern.

Auch im Brombeer-Dickicht versteckt sich der Gartenschläfer gerne. Im Sinne der Nager wirbt Holger Sticht für unaufgeräumte Gärten: eher Wiese als Rasen, wo nicht ständig gemäht wird, heimische Gehölze und alte Obstbäume mit Hohlräumen als Verstecke und mit Früchten als Nahrung.

Freuen dürfte Hobbygärtner, dass die kleinen Säuger neben Insektenlarven auch Nacktschnecken fressen. Allerdings stehen Eier und Nestlinge von Vögeln ebenso auf dem Speiseplan. Wie man sieht, kann man den Nagern aber auch mit Vogelfutter helfen. Im Herbst ernähren sich Gartenschläfer gerne von Beeren und Früchten, zum Beispiel von der Eberesche. Und am Fallobst unter Bäumen kann man auch Fraßspuren der Nager entdecken.

Mit Holzstapeln im Garten kann man die kleinen Säuger ebenso anlocken. Sie gehören zur Familie der Bilche wie Siebenschläfer und Haselmaus.

Unordentliche Totholzhaufen bieten Gartenschläfern prima Verstecke. Und vielleicht findet sich darin auch noch das ein oder andere Insekt zum Vernaschen. "Auch in Wäldern sollte Totholz liegen bleiben als Lebensraum für viele Tiere, nicht nur für den Gartenschläfer", meint der Naturschützer.

Holger Sticht bittet um Mithilfe: "Wir freuen uns über Meldungen auf unseren Projekt-Internetseiten www.gartenschlaefer.de, wenn jemand einen Gartenschläfer sieht oder hört. Dort kann man sich auch den Ruf der Tiere anhören. Ideal ist es, wenn wir zusätzlich Fotos oder Tonaufnahmen bekommen, damit wir überprüfen können, ob es wirklich ein Gartenschläfer ist." Mit den Informationen aus dem Projekt hoffen die Naturschützer, die Gründe für dessen Rückgang herauszufinden und gegensteuern zu können.

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Stand: 14.01.2021, 12:19