Ecoprint – Mit der Natur gestalten

Ein Papier und vier Postkarten belegt mit Blättern und Blüten

Ecoprint – Mit der Natur gestalten

Von Sabine Krüger

Ernten im Garten mal anders: Blätter und Blüten sammeln, um mit ihnen zu gestalten und zu färben. Für schöne Tischläufer, Schals, Blusen oder Postkarten. Das ist Ecoprint.

Ecoprint – Mit der Natur gestalten

WDR 4 Drinnen und Draußen 15.08.2020 02:18 Min. Verfügbar bis 15.08.2021 WDR 4

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Ecoprint – Blätter auf Stoff und Blüten auf Papier

Tischläufer mit Blättermustern und Postkarten mit Blüten: Mit dem Ecoprint-Verfahren kann man Textilien und Geschenke individuell gestalten. Und sich etwas Natur ins Haus holen.

Christiane Roth hält einen mit Blättern bedruckten Seidenschal neben ihre Eberesche

Ein Schmuckstück aus Christiane Roths Ecoprint-Werkstatt ist dieser Seidenschal: "Seide und Wolle liefern die intensivsten Ecoprint-Ergebnisse. Baumwolle, Leinen, Hanf, Ramie gehen aber auch, sogar Stoffe mit einer Polyesterbeimischung von bis zu 20 Prozent." Für die Gestaltung hat sich die Floristmeisterin unter anderem an den Blättern ihrer Eberesche bedient. Beim Ecoprint druckt man mit Pflanzenteilen und deren pflanzeneigenen Farbstoffen.

Ein Schmuckstück aus Christiane Roths Ecoprint-Werkstatt ist dieser Seidenschal: "Seide und Wolle liefern die intensivsten Ecoprint-Ergebnisse. Baumwolle, Leinen, Hanf, Ramie gehen aber auch, sogar Stoffe mit einer Polyesterbeimischung von bis zu 20 Prozent." Für die Gestaltung hat sich die Floristmeisterin unter anderem an den Blättern ihrer Eberesche bedient. Beim Ecoprint druckt man mit Pflanzenteilen und deren pflanzeneigenen Farbstoffen.

Die pflanzeneigenen Farbstoffe lockt Christiane Roth mit Beizen aus Metallsalzen hervor: "Die sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind zum Teil reizend oder umweltschädlich. Aber die Beizen verbinden sich mit den Pflanzenfarbstoffen und sind dann völlig unschädlich. Ich sorge auch dafür, dass nichts ins Abwasser gelangt. Um wirklich schöne, haltbare, lichtechte Drucke zu erzielen, brauche ich die Metallsalze aber, die ich zudem grammgenau dosieren kann." Lange Gummihandschuhe sind Pflicht, bei staubenden Substanzen auch Maske und Schutzbrille.

Heute macht Christiane Roth aus einem Baumwollstoff einen mit Blättern verzierten Tischläufer. Die Beize aus Kupfersulfat hat sie schon vorbereitet: Bezogen auf das Gewicht des zu gestaltenden Materials verwendet sie maximal zwei Prozent Kupfersulfat. Das löst sie in heißem Wasser auf und weicht den zu gestaltenden Stoff darin ein. "Stoff sollte man mindestens eine Stunde einwirken lassen, Papier eine halbe Stunde", rät Roth.

Sie wringt den Stoff mit den Handschuhen aus, breitet ihn glatt auf dem Arbeitstisch aus und markiert sich horizontal die halbe Höhe. Gestaltet wird nur die untere Hälfte, weil später die obere Hälfte des Stoffs darüber geklappt wird. Auf der Unterseite entlassen Pflanzen ihre Farben am intensivsten. Damit der Druck auf beiden Stoffseiten nachher gleichmäßig ausfällt, wechselt sie ab: Ein Blatt legt sie mit der Unterseite auf den Stoff, das nächste mit der Oberseite.

"Ecoprint-Anfänger legen häufig die Blätter nur einzeln auf. Viel schönere Ergebnisse erzielt man, wenn man sie auch überlappen lässt. Die Drucke kriegen dann eine dreidimensionale, räumliche Anmutung. Ich gestalte nach Zufallsprinzip, ein bisschen so, als ob der Wind die Blätter auf den Stoff geweht hätte", so der Tipp der Floristmeisterin. Verwendet hat sie Blätter von Götterbaum, Trompetenbaum, Perückenstrauch, Bergahorn und von einer Wildrose.

Jetzt deckt Christiane Roth die gestaltete untere Hälfte mit der oberen Hälfte des Stoffes zu. Wenn dabei ein paar Stiele rausragen, ist das nicht schlimm: "Ich achte immer darauf, dass die Blattspitzen auf dem Stoff liegen, denn die machen die schönsten Muster", empfiehlt sie.

Nun muss alles von der kurzen Seite her auf einen Wickelkern gerollt werden. Und zwar mit Druck. Dafür zieht Christiane Roth mit der einen Hand am Stoff und wickelt mit der anderen Hand alles straff auf das zugeschnittene Kunststoff-Wasserrohr: "Die Gestaltung auf der untersten Lage wird regelmäßig am intensivsten, vermutlich weil da am meisten Druck erzeugt wird."

Dann muss alles fest verschnürt werden, entweder mit Kordel oder mit Stoffstreifen. Christiane Roth arbeitet lieber mit Stoffstreifen, die sie mit Stecknadeln feststeckt. Den Wickelkern, also das Kunststoffrohr, hatte sie so zugeschnitten, dass es unten in ihren Einkochtopf passt.

In diesem Einkochtopf soll der Stoff nun gedämpft werden. Deshalb kommen unten ein Abstandhalter und darüber ein Gitter hinein, worauf die Stoffrolle gelegt wird. Wasser wird nur bis unterhalb des Gitters eingefüllt, denn der Stoff soll nicht kochen, sondern gedämpft werden. Und zwar eine dreiviertel Stunde lang. Zwischendurch den Wasserstand kontrollieren und bei Bedarf kochendes Wasser nachgießen, damit das Emaille nicht einbrennt. Aber Vorsicht, der Wasserdampf ist sehr heiß!

Nachdem der Wecker geklingelt hat und der Topf etwas ausgekühlt ist, nimmt die Floristmeisterin mit den Handschuhen die Rolle vorsichtig aus dem Topf und legt sie draußen im Garten auf den Tisch: "Jetzt kommt der spannende Moment des Ausrollens, das ist immer ein bisschen wie Weihnachten", freut sie sich. Dabei löst sie vorsichtig die aufgelegten Blätter ab und darunter kommt das Druckergebnis zum Vorschein.

Die Götterbaumblätter haben nur wenig Farbe abgegeben, ein zartes Grün, was aber einen interessanten schemenhaften Hintergrund ergibt. "Wir sehen zudem: goldgelbe Töne vom Trompetenbaum, vom Perückenstrauch interessanterweise bräunliche Töne und einmal fast blau. Der Ahorn hat gelbliche Drucke hinterlassen. Und die Rosenblätter sind sehr intensiv braun gefärbt und klar umrissen. Ja, ich würde sagen: Gelungen!", schwärmt Roth.

Zudem gestaltet Christiane Roth noch verschiedene Papiere und Postkarten: "Wichtig ist, mit langfaserigem Papier zu arbeiten." Für die Papiere hat sie eine Alaunbeize mit heißem Wasser angerührt: "Jede Beize lockt verschiedene Farbschläge hervor. Alaun macht helle Drucke und die kommen auf Papier besonders schön zur Geltung." Für die Beize hat sie zehn Prozent Alaun verwendet. Die Papiere und Postkarten, die sie gestalten möchte, wiegen 79 Gramm. Also hat sie 7,9 Gramm Alaun abgewogen und das Papier in der Beize einweichen lassen.

Damit sie auch die Papiere auf einen Wickelkern wickeln kann, wie vorher den Stoff, braucht Christiane Roth ein Trägermaterial, auf das sie die Papiere auflegen kann. Dazu verwendet sie wieder einen Baumwollstoff. Damit die Grundfarbe der Postkarten rot wird, hat sie den Stoff rot gefärbt.

Auf das erste Blatt legt die Floristmeisterin diagonal einen Zweig mit Nussbaumblättern. Auf dem zweiten Papier ordnet sie etwas verwirbelt Ebereschenzweige an und auf dem dritten reiht sie rote und grüne Kirschbaumblätter auf.

Auf einem vierten Blatt entsteht ein Spitzahorn-Wirbel. Dazu kommen noch vier Postkarten, zwei davon wieder mit Blättern. Auf einer Karte legt sie zwei Götterbaumblätter aus und auf der Zweiten drei Bluthaselblätter. Die restlichen zwei Postkarten verziert sie mit Blüten: eine mit einer einzigen rosafarbenen Cosmeenblüte, eine weitere mit einer Cosmeen-, einer Färberkamillen- und zwei Mädchenaugenblüten..

Es folgt der gleiche Prozess wie vorher mit dem Stoff. Nur, dass man mit dem feuchten gebeizten Papier vorsichtig sein muss beim Einwickeln, damit es nicht reißt. Hier darf man also nicht so viel Druck ausüben: "Aber das macht nichts, weil das Papier die Farben leichter annimmt als Stoff", so Roth. Zum Dämpfen kommt die Rolle wieder in den Einkochtopf, der natürlich nicht mehr für Lebensmittel verwendet werden darf.

Nach dem Dämpfen im Einkochtopf hat die Alaunbeize aus den Nussbaumblättern ein intensives warmes Gelb herausgekitzelt und aus der Eberesche ein etwas helleres Gelb. Der Untergrund ist vom Stoff zart-himbeerfarben gefärbt.

Das Rot der Kirschbaumblätter erscheint im Druck dunkel-olive und die grünen Blätter wieder in einem frischen Gelb.

Die Konturen und die Adern der Bluthaselblätter sind besonders gut zu erkennen. Sie changieren zwischen gelbgrün und dunkelgrün. Die rosafarbene Cosmeenblüte zeichnet sich sternförmig in einem hellen Indigoton ab. Und die gelben Blüten der Mädchenaugen sowie der Färberkamille liefern ein sattes Orange. "Ecoprint ist was für Menschen, die sich gerne überraschen lassen", meint Christiane Roth lachend. Workshops mit ihr können individuell gebucht werden.

Lesetipps

Naturdruck mit Pflanzenfarben auf Stoff
Autoren: Brunhilde Scheidmeir, Fritz Jeromin
Fotos: Andreas Scheidmeir
Selbstverlag
erhältlich bei www.jeromin-shop.de
20 €

Wild gefärbt. Pflanzen sammeln, Stoffe färben, Schönes nähen
Autorin: Abigail Booth
Haupt Verlag, 2018
26 €

Stand: 13.08.2020, 10:35