Blickfänger Borken

Bordeauxrote Borke der Mahagonikirsche mit Lentizellen

Blickfänger Borken

Von Sabine Krüger

Glatt, rau, braun, rot, schwarz-weiß, mit Streifen, gefleckt oder sogar im Militär-Look: Die Vielfalt der Borken im Kölner Botanischen Garten ist enorm. Ein sinnlicher Rundgang.

Blickfänger Borken

WDR 4 Drinnen und Draußen 04.01.2020 02:18 Min. Verfügbar bis 03.01.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Von Rinde, Bast und Borke

Beim Rundgang durch die Kölner Flora kommt man nicht nur über die Formen und Farben der Borken ins Staunen. Man lernt auch den Unterschied zwischen Rinde und Borke kennen.

Gärtner im Botanischen Garten Köln Werner Rösner vor dem Erdbeerbaum

Werner Rösner ist seit über 20 Jahren im Botanischen Garten Köln für die subtropischen Pflanzen zuständig. Für seinen Rundgang zu den Borken der Bäume verlässt er das Gewächshaus gern: zum Beispiel, um eine seiner Lieblingspflanzen zu würdigen, den Erdbeerbaum. Gleich mehrere Rundgangsteilnehmer outen sich ebenfalls als Fans dieses Baums mit der besonders schönen dunkelroten Borke.

Werner Rösner ist seit über 20 Jahren im Botanischen Garten Köln für die subtropischen Pflanzen zuständig. Für seinen Rundgang zu den Borken der Bäume verlässt er das Gewächshaus gern: zum Beispiel, um eine seiner Lieblingspflanzen zu würdigen, den Erdbeerbaum. Gleich mehrere Rundgangsteilnehmer outen sich ebenfalls als Fans dieses Baums mit der besonders schönen dunkelroten Borke.

Wenn der Baum wächst, platzt die Borke auf. Beim Erdbeerbaum löst sich das Gewebe plattenförmig ab. "Ursprünglich aus Griechenland, kommt er im Rheinland an die Grenze seiner Winterhärte, hier, am geschützten Standort vor dem Subtropenhaus, steht er schon 20 Jahre", erklärt Werner Rösner. "Der Erdbeerbaum kann mit der Rinde Photosynthese betreiben, was sehr selten ist bei Bäumen."

Dieser Schnitt durch einen Korkeichen-Stamm erinnert von der Form her an die Blüte einer Sonnenblume. Bleibt man im Bild, dann wären die hellen Blütenblätter mit der ganz dunklen äußeren Haut die Borke. Der dunkelbraune Kreis, der den gräulichen inneren Holzkörper, das Splintholz, von der Borke trennt, ist die Bastschicht. "Zwischen Bast und Splintholz sitzt eine dünne Schicht, das Kambium. Das Kambium sorgt für das Wachstum des Baums und die Borke, bestehend aus toten Zellen, schützt ihn. Bast und Borke zusammen bilden die Rinde", so der Gärtner.

So charaktervoll wirkt die gekrümmte, faltige, raue Borke der Korkeiche. "In den Korkzellen wird Luft eingelagert, deshalb ist Kork leicht und wird auch im ökologischen Hausbau zum Isolieren verwendet. Der Baum darf allerdings erst nach vierzig Jahren geschält werden, dann baut er neun bis zwölf Jahre lang wieder eine neue Schicht auf, bis er wieder geschält werden darf. Nach 150 Jahren ist die produktive Phase des Baums vorbei. Man kann ihn also circa 16mal beernten", erklärt der Rundgangsleiter.

Ähnlich apart wirkt die Borke der Myrtenheide. Sie schützt den australischen Baum vor Feuer mit der Helligkeit und der Dichte ihres Holzes. "Weil die Myrtenheide von einem kargen Standort kommt, mischen wir im Botanischen Garten ihre Erde mit Quarzsand und Xylit. Xylit sind Aschenbestandteile, die auch eine desinfizierende Wirkung haben. An die ist der Baum in Australien, wo es häufiger brennt, gewöhnt", so Rösner.

Im Subtropenhaus zeigt Werner Rösner der Gruppe den Ceylon-Zimtbaum (lat.: Cinnamomum verum): "Für das Gewürz schält man die Rinde von ein- bis zweijährigen Trieben ab, die man an der grünen Farbe erkennt. Das wird dann getrocknet und der Wirkstoff, der das schöne Aroma enthält, ist das Zimtöl."

Ebenfalls aus der Küche kennen wir diesen Baum: Es ist der kanadische Zuckerahorn, aus dem Ahornsirup hergestellt wird. Wie bei der Korkeiche müssen die Bäume erst einmal vierzig Jahre alt werden, bevor man sie für den Ahornsaft anzapfen kann. "Man bohrt mit Bohrmaschinen Löcher in den Stamm und hängt einen Eimer dran. Für einen Liter Ahornsirup braucht man 30 bis 50 Liter Baumsaft. Das macht ihn natürlich relativ teuer. Neben Zucker enthält er aber auch viele Mineralien und Spurenelemente", erklärt der Gärtner.

Auf unseren Schreibtischen wiederum könnte ein Produkt dieser Pflanze liegen: Es ist der chinesische Papierbusch (lat.: Edgeworthia chrysantha). "Seine Fasern sind erheblich länger als die von Zellulose, nämlich vier bis fünf Millimeter. Solche langlebigen Papiere werden von Künstlern und in der Papier-Restauration eingesetzt", so Werner Rösner. "Der Strauch ist Mitte Februar einer der ersten Blüher. Sollten später nochmals Fröste auftreten, geht die Blüte kaputt, aber die Pflanze überlebt. In feuchten, halbschattigen Standorten kann man ihn auch bei uns in den Garten setzen."

Schöne Blütenrispen bilden auch die Kreppmyrten. "Die amerikanischen Sorten sind mehltauresistent und kommen mit unseren heißeren trockeneren Sommern der letzten Jahre gut zurecht. Wenn man sie wässert, blühen sie allerdings reicher: je nach Sorte entweder in weiß, rosa oder hellviolett. Zudem kann man sie nach Herzenslust zurückschneiden", wirbt Rösner für den Strauch, der auch als Hochstamm wachsen kann. Zudem duftet er nach Flieder.

Die Kreppmyrte (lat.: Lagerstroemia-Hybride "Natchez") scheint den Safari-Look zu lieben. Die Borke ist grün, grau, beige und braun gewölkt.

Hier strebt der mächtige furchige Stamm eines Riesenmammutbaums gen Himmel. Er kommt aus den Bergen der Sierra Nevada in Kalifornien. Der Baum kann am Naturstandort 2.000 Jahre alt werden, wird 100 Meter hoch und wiegt dann auch über 2.000 Tonnen. Dafür braucht er als Schutz eine sehr dicke Borke, die 30 bis 70 Zentimeter dick werden kann.

Die Mahagonikirsche aus den westlichen Bergländern Chinas begeistert mit ihrer glänzend-dunkelroten glatten Borke. Sie wird nur durch ein paar helle längliche Flecken durchbrochen. "Das sind die sogenannten Lentizellen, also Korkzellen, mit denen der Baum atmen kann, wenn er seine Blätter abgeworfen hat. Das haben alle Bäume, aber bei der Mahagonikirsche sieht man sie besonders gut. Der Baum ist auch für den Garten geeignet."

Diese in Militärfärbung gehüllte Borke gehört ausgerechnet zur Tempelkiefer (lat.: Pinus bungeana). "Im Alter wird die Borke allerdings silbrig-weiß. Sie kommt aus den Bergwäldern Südost-Chinas, wächst dort auf Kalkfelsen und kommt mit Trockenheit gut zurecht. Der Baum wird zehn, fünfzehn Meter hoch und wird in China gerne an Tempeln, Friedhöfen und Parkanlagen gepflanzt", erzählt Werner Rösner.

Hier handelt es sich um eine Birke, genauer gesagt um die Sand-Birke (lat.: Betula pendula). Die weiße Färbung schützt bei starken Temperaturschwankungen davor, dass die Borke platzt und kühlt den Baum im Sommer. Eine wichtige Schutzfunktion für einen Baum, der zu den Pionierpflanzen auf Brachen gehört. Denn dort ist er Wind und Wetter ausgesetzt.

Lesetipp:

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Stand: 02.01.2020, 10:43