Balkone und Gärten voller Leben

Ein Miniteich im Kölner VHS-Biogarten

Balkone und Gärten voller Leben

Von Sabine Krüger

Am spannendsten sind Balkone und Gärten, wenn es summt, kreucht und fleucht. Wir geben Tipps, wie man auch auf kleinem Raum Lebensräume schafft – mit Wasser und mit Steinen.

Balkone und Gärten voller Leben

WDR 4 Drinnen und Draußen 27.03.2021 02:09 Min. Verfügbar bis 27.03.2022 WDR 4


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Tiere einladen in Mini-Teich und Steinkegel

Von Sabine Krüger

Ein Mini-Teich auf dem Balkon oder im Garten ist noch kein Biotop. Aber viele solcher Angebote in vielen Gärten sind Trittsteine für mehr Artenvielfalt. Wir zeigen, wie’s geht.

Bea Frenzke und verschiedene Steine auf einem Tisch im VHS-Biogarten am Thurner Hof in Köln

Seit 21 Jahren engagiert sich Bea Frenzke schon für den Biogarten am Thurner Hof in Köln. In Kursen für die Volkshochschule möchte sie Hobbygärtner für naturnahes Gärtnern begeistern. Wie man Lebensräume auf dem Balkon und im Garten schafft, das hätte ein Kurs im März zeigen sollen, der wegen Corona in den April geschoben wurde. Ausschnitte davon stellt sie für WDR 4 vor. Teil 1: einen Miniteich für den Balkon gestalten.

Seit 21 Jahren engagiert sich Bea Frenzke schon für den Biogarten am Thurner Hof in Köln. In Kursen für die Volkshochschule möchte sie Hobbygärtner für naturnahes Gärtnern begeistern. Wie man Lebensräume auf dem Balkon und im Garten schafft, das hätte ein Kurs im März zeigen sollen, der wegen Corona in den April geschoben wurde. Ausschnitte davon stellt sie für WDR 4 vor. Teil 1: einen Miniteich für den Balkon gestalten.

Die kleinste Version, Tieren auf dem Balkon Wasser anzubieten, ist eine Vogeltränke. "Das Moos haben wir aus unseren Dachrinnen gesammelt. Aus der Natur darf man es nicht nehmen. Zusammen mit dem Stein in der Mitte, bietet es Insekten Halt. So sorgen wir dafür, dass kein Tier ertrinkt", erklärt die Naturfreundin. Damit keine Krankheiten übertragen werden, reinigt man Vogeltränken im Sommer täglich.

Alle diese Behälter könnte man für Miniteiche einsetzen. Auf dem Balkon darf man allerdings dessen Traglast nicht überschreiten. "Seit 2010 schreibt eine DIN-Norm 500 Kilogramm Traglast pro Quadratmeter vor", so Frenzke. "Bei einem großen Teich von einem Quadratmeter Grundfläche, 30 Zentimeter hoch mit Wasser befüllt, würde das Gefäß ca. 80 Kilogramm wiegen, das Wasser 300 Kilogramm. Dazu kommen 50 Kilogramm Natursteine, um verschiedene Pflanzhöhen zu modellieren, weitere 80 Kilogramm für ein Kiesbett und schon hätten wir das zulässige Maximalgewicht überschritten."

Von diesen beiden Pflanzen rät Bea Frenzke für Miniteiche ab, links die Sumpfdotterblume und rechts die Wasseriris: "Die Sumpfdotterblume blüht zwar sehr früh, aber sie braucht nährstoffreiche Erde im Topf. Wenn Teile dieses Substrats dann ins Wasser gelangen, ist ein Miniteich schnell überdüngt. Bei der Wasseriris erkennt man an ihrem enormen Wurzelwerk, dass sie einen Miniteich ganz schnell ausfüllen würde."

Geeignet sind dagegen die beiden heimischen Pflanzen Wasserminze und Fieberklee sowie dahinter der nicht-heimische Zwergkalmus: "Die Wasserminze hat im Sommer hellviolette kugelige Blüten, der Fieberklee blüht ab April, Mai sternförmig weiß. Der Zwergkalmus ist immergrün und winterhart und ziert den Miniteich auch im Winter."

Der Modell-Miniteich von Bea Frenzke soll nicht nur Tiere einladen, sondern auch den Geldbeutel der Hobbygärtner schonen: "Nichts, was wir verwenden ist gekauft. Den lebensmittelechten Plastikeimer bekommt man bei einem Imbiss. Lebensmittelecht sollte er sein, damit keine Schadstoffe ausgewaschen werden und weiß, damit sich der Miniteich nicht so schnell aufheizt. Alle Steine sind Reste aus unterschiedlichen Quellen. Die Pflanztöpfe stellt man auf zwei ebene Steine, die die richtige Höhe für die ausgewählten Pflanzen haben."

"Der Fachhandel würde Ihnen Pflanzkörbchen verkaufen", sagt Bea Frenzke. Aber auch die kann man selber machen. "Man nimmt einen ausgedienten Plastiktopf mit vielen Löchern unten und sticht zusätzlich am Rand unten mit einer Nagelschere Abflusslöcher rein. Die Löcher am Boden bedeckt man mit flachen Steinen."

Auf diese flachen Steine kommen noch kleine Kiesel. Darauf setzt Bea Frenzke vorsichtig die Wasserminze mit dem nährstoffarmen Substrat in den Topf.

Auch oben deckt die Naturfreundin die Wasserpflanze noch mit Kieseln ab: "Das sieht natürlich aus und verhindert, dass das Substrat ausgewaschen wird."

Nach dem gleichen Schema wird die zweite Wasserpflanze, der Zwergkalmus, eingetopft. Beide Pflanzen setzt Bea Frenzke auf die beiden ebenen Steine unten im Eimer. Drum herum kommen noch etwas größere Steine und dazwischen kleinere Kiesel. Die Hohlräume werden Lebensräume für Wasserinsekten.

Fehlt nur noch das Wasser. Damit ein harter Strahl nicht alles wegschwemmt, gießt Bea Frenzke es vorsichtig über eine breite flache Steinscherbe in den Eimer.

Weil sicher auch Insekten den Miniteich anfliegen werden, um daraus zu trinken, legt die Umweltschützerin noch eine kleine Rettungsinsel hinein: geschnitzt aus einem Weinkorken. "Der ganze Korken würde immer wieder unter dem Insekt wegrollen. Deshalb schneidet man eine flache Scheibe zurecht."

Weil der Plastikeimer vom Imbiss nicht besonders zierend ist, stellt Bea Frenzke ihn noch in einen Holz-Übertopf: "Den wollten meine Nachbarn auf dem Sperrmüll entsorgen. Dafür ist der doch viel zu schön!"

Und damit der Holz-Übertopf auf dem Balkon nach Regen nicht fault, bekommt er Kieselfüßchen. Dieser sehr kleine Miniteich wiegt übrigens gerade mal 7,5 Kilogramm und passt auf jeden Balkon. "Wenn es später in den Gartencentern Blutweiderich zu kaufen geben wird, setze ich den noch dazu. Er zieht viele Schmetterlinge an. Und für die Regulierung des Nährstoffgehaltes werde ich noch das Raue Hornkraut als Unterwasserpflanze kaufen", so Frenzke.

Diesen Miniteich hat Bea Frenzke mit ihrer Kollegin Melanie Müller im letzten Herbst angelegt: in einer Maurer-Bütte von 70 Zentimetern mal 40 Zentimetern und 30 Zentimeter Höhe. "Wir haben dazu ein Loch in der Größe des Wasserbottichs ausgehoben und rundum 10 Zentimeter mehr. Den Erdboden haben wir mit Sand bedeckt und darauf den Bottich mit der Wasserwaage eben ausgerichtet. Die seitlichen Ränder sind auch mit Sand verfüllt, damit sich der Teich bei Frost ausdehnen kann. Und heute habe ich einen Molch darin entdeckt!"

Melanie Müller ist gelernte Landschaftsgärtnerin und seit fünf Jahren im VHS-Biogarten in Köln aktiv. Sie zeigt, wie man Lebensräume mit Steinen schaffen kann: "Schließlich ist nicht überall Platz für eine große Trockenmauer. So ein Steinkegel tut’s auch!" Der Steinkegel hat am Ende einen Durchmesser und auch eine ungefähre Höhe von 80 Zentimetern.

Für die Schritt-für-Schritt-Anleitung spulen wir mal kurz zurück. Am Anfang ist das Fundament, in das sich später Tiere eingraben sollen. Melanie Müller hebt es zwischen 30 und 50 Zentimeter tief aus.

Gefüllt werden Fundament und Steinkegel mit diesen Materialien: Im Eimer links vorne sind Bruchsteine. Dahinter ist altes Substrat einer Dachbegrünung, gemischt mit Erde. Im kleinen Eimer rechts vorne Lavasplit, der oft zum Verfugen von Pflastern genommen wird, und dahinter einfacher Sand. Alles war ohnehin vorhanden. "Bauschutt ginge auch, aber natürlich nur, wenn er schadstofffrei ist, also kein Asbest, keinen Asphalt, keine Bitumenreste, keinen Kunststoff enthält", erklärt Melanie Müller.

Die oberste Schicht des Fundaments schließt Melanie Müller mit Sand ab. Der kann Unebenheiten ausgleichen, sodass der Kegel am Ende sicher stehen wird.

Den eigentlichen Kegel baut Melanie Müller mit übrig gebliebenen Natursteinen auf. Nach dem Prinzip des Iglu-Baus: "Man muss ein bisschen ausprobieren und hin- und herschieben, bis es passt. Wichtig ist, dass der Kegel stabil steht und nicht wackelt."

Dazu muss man die Steine immer versetzt aufeinander stapeln: "Es dürfen also keine Kreuzfugen entstehen", so Müller. Verfüllt wird wieder mit dem gleichen Material wie schon beim Fundament.

Mit dem Schlussstein ist das kleine Bauwerk abgeschlossen – ein gefülltes Iglu aus Stein, das hoffentlich bald bevölkert wird. "Ich erwarte hier Mäuschen, Laufkäfer, Schnellkäfer, Wildbienen und Hummeln, Spinnen, verschiedene Fliegen, Ameisen, Tausendfüßler, Kellerasseln und Lurche. Mit ihnen wird der Steinkegel zum Winterquartier, Brutplatz, Tagesversteck und zum Jagdrevier für Vögel", freut sich Melanie Müller.

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Stand: 24.03.2021, 12:38