Ahorne aus aller Welt

Weinblattahorn mit beginnender rötlicher Herbstfärbung

Ahorne aus aller Welt

Von Sabine Krüger

Fast jeder hat sich als Kind Ahornfrüchte auf die Nase geklebt und kennt die gelappten Blätter. Wie groß die Vielfalt der Ahorne ist, zeigt ein Rundgang im Rombergpark Dortmund.

Ahorne aus aller Welt

WDR 4 Drinnen und Draußen 01.08.2020 02:02 Min. Verfügbar bis 01.08.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger


Download

Die Vielfalt der Ahorne

Warum segeln Ahornfrüchte? Diese Frage beantwortet Rombergpark-Direktor Patrick Knopf bei einem Rundgang, der auch zu Ahornsorten führt, die gar nicht nach Ahorn aussehen.

Rombergpark-Direktor Patrick Knopf hinter einem kleinen Japanischen Ahorn mit burgunderrotem Laub

Er ist der Star in vielen Haus- und Schrebergärten mit seinen tiefgeschlitzten Blättern in leuchtendem Burgunderrot: der Japanische Ahorn (Acer palmatum) der Sorte "Garnet". "Diese kleinen bogig-überhängenden Ahorne werden oft in der japanischen Gartenkunst benutzt, weil sie riesige Bäume im Kleinen nachahmen", erklärt Patrick Knopf, Direktor des Botanischen Gartens in Dortmund. Leider aber sind sie sehr durstig, im Klimawandel also nicht zukunftsfähig. Besser also, man pflanzt Ahornarten und -sorten, die trockenheitsverträglich sind.

Er ist der Star in vielen Haus- und Schrebergärten mit seinen tiefgeschlitzten Blättern in leuchtendem Burgunderrot: der Japanische Ahorn (Acer palmatum) der Sorte "Garnet". "Diese kleinen bogig-überhängenden Ahorne werden oft in der japanischen Gartenkunst benutzt, weil sie riesige Bäume im Kleinen nachahmen", erklärt Patrick Knopf, Direktor des Botanischen Gartens in Dortmund. Leider aber sind sie sehr durstig, im Klimawandel also nicht zukunftsfähig. Besser also, man pflanzt Ahornarten und -sorten, die trockenheitsverträglich sind.

Ebenfalls aus Japan stammt dieser frisch-gelb-grün belaubte Acer shirasawanum. "Typisch für ihn ist sein üppig-belapptes Blatt, hier sind es bis zu elf kleine Lappen. Der Nachteil ist nur, dass diese Pflanze unheimlich langsam wächst. Dieser Baum hier wurde 1930 gepflanzt und war damals schon ein relativ großes Exemplar: Jetzt ist er gerade einmal knapp neun Meter hoch. Aber es hängen schon Früchte dran. Dass die verdrillt fliegen können, hat den Sinn, dass der Samen nicht direkt unter der Mutterpflanze landet", so Knopf.  

Absolute Riesen sind dagegen zwei Bäume der Wildform des Japanischen Ahorns (Acer palmatum). "Sie stehen auch seit 1930 hier, sind inzwischen über 15 Meter hoch und breit und haben einen Stammdurchmesser von bestimmt 70 Zentimetern", schwärmt der Park-Direktor. 

Typisch für den Japanischen Ahorn sind die fünfzähligen Blätter, erklärt Patrick Knopf. "Im Japanischen gibt es ein Sprichwort, das auf Deutsch so viel heißt wie: 'Wenn man am Tag zum Himmel schaut, sieht man trotzdem Sterne.' Und das kommt daher, dass, wenn man unter den Bäumen steht und nach oben guckt, sich sternförmig der Umriss der fünflappigen Blätter gegen den Himmel abzeichnet."

Eine unserer heimischen, also europäischen Ahornarten ist der Bergahorn. Der leidet stark unter dem Klimawandel. "Er kommt ursprünglich aus Schluchtwäldern, in denen es immer ein bisschen feucht ist. Zudem: Die meisten Bäume haben eine Art Wassermantel, der durchgehend unter der Rinde liegt und den Baum kühlt. Beim Ahorn sind das nur einzelne Leitungen, die mit Abstand voneinander Wasser transportieren. Das nennt man 'zerstreut-poriges' Holz. Die Folge: Die Rinde heizt sich stark auf, die Kronen werden schütter, die Blätter immer kleiner und nach zwei, drei Jahren stirbt der Baum ab", erklärt der Botaniker das Absterben der Bergahorne in Dortmund und Umgebung.

Spitzahorne (Acer platanoides) kommen besser mit dem Klimawandel klar. Sie haben zwar auch zerstreut-poriges Holz, stammen aber aus Südosteuropa mit trockenen Sommern und feuchten Wintern. Die Sorte "Crimson King" hat ähnlich beeindruckend bräunlich-rotes Laub wie der Zwergahorn vom Anfang der Tour. Aber die Wuchsform ist eine ganz andere: eher hoch und schmal als klein und kugelig.

Auffallend am Tatarischen oder Eschen-Ahorn ist das gefiederte Laub. Das gibt es bei Ahornen nicht oft. Zudem sind seine Früchte länglich und gekrümmt und die Triebe leicht bereift. Für den Hausgarten ist diese Form zu groß, aber es gibt auch eine Sorte mit panaschierten Blättern, also gelb- oder weiß-grün gemustert, die nicht so stark wächst.

Wie so ein panaschiertes Ahornblatt aussieht, demonstriert Patrick Knopf an einem Spitzahorn: "In der Mitte ist das Blatt grün und nach außen wird es immer heller bis hin zu einer Art Cremefarbe. Die hellen Blattbereiche haben keine grünen Chloroplasten, sondern nur noch weiße Leukoplasten. Während in den grünen Blattbereichen der Traubenzucker durch die Fotosynthese hergestellt wird, wird er in den weißen Bereichen in Form von Stärke eingelagert. Deshalb wird eine panaschierte Pflanzenform nie so groß wachsen wie eine grüne." Dieser Spitzahorn ist trotzdem eindeutig ein großer Park- oder Straßenbaum.

Manchmal schlagen auch einige Äste zurück in eine rein-grüne Form. Dann müssen die Gärtner alle fünf, sechs Jahre eingreifen und die grünen Triebe entnehmen. Sonst würden die grünen die panaschierten überwachsen, weil die grünen ja schneller wachsen.

Dieser Silberahorn ist formatsprengend, offensichtlich auch ein Baum für den Park, nicht für den Hausgarten. "Der Silberahorn wird oft mit dem Zuckerahorn verwechselt, aus dem man den Ahornsirup gewinnt. Grund für die Verwirrung sind die ähnlichen botanischen Namen: Der Silberahorn heißt Acer sacharinum und der Zuckerahorn Acer sacharum", so der Botaniker.

Nach den Parkriesen Silberahorn und panaschierter Spitzahorn präsentiert der Direktor ein absolutes Schmuckstück für den Hausgarten: den Zimtahorn. Das Besondere an ihm, was ihm auch seinen Namen gibt, ist die Rinde. Sie pellt sich ab und sieht dann aus wie aufgerollte Zimtstangen. Der Zimtahorn verträgt Trockenheit gut, wächst in jungen Jahren schnell, dann aber nur noch langsam, ideal also für kleinere Gärten. "Auf unseren hier, mit seinen besonders hübschen Trieben, sind wir besonders stolz."

Kaum zu glauben – aber ja, auch das ist ein Ahorn: mit rundlichen, fast eiförmigen Blättern, ganz ohne Spitzen, Zacken oder Lappen. Man könnte ihn fast verwechseln mit einem Judasbaum. "Tatsächlich handelt es sich wieder um einen Spitzahorn: Acer platanoides tarandensis. Ein kleiner, hübscher Baum, mit dem Sie ihre Freunde und Nachbarn verwirren können, weil wir bei Ahorn natürlich immer an die fünf-lappigen Blätter der kanadischen Flagge denken", schmunzelt Patrick Knopf.

In diesem Teil des sogenannten Nose-Arboretums des Botanischen Gartens Dortmund sind verschiedene Ahornbäume ausgepflanzt. Sie werden auf ihre Tauglichkeit für den Klimawandel und für Hausgärten getestet.

Dazu gehört der Weinblattahorn (Acer circinatum): "Diese Ahornart ist bekannt für ihre fantastische Herbstfärbung. Typischerweise wächst sie im schmalen Streifen von Nord-Kalifornien bis nach Oregon, im Unterholz der Küstenmammutbäume. Der Weinblattahorn verfärbt sich im Herbst gelb, orange und rot – was sich jetzt hier schon andeutet", freut sich Patrick Knopf.

Ein ganz besonderer Schatz ist auch dieser Koreanische Schlangen-Ahorn "Joe Witt". "So ein Schlangenahorn kann im Alter schon acht Meter hoch und breit werden, aber erstens dauert das seine Zeit und zweitens empfiehlt es sich ohnehin, die Sorten mit den extravaganten Rinden zurückzuschneiden. Denn es ist vor allem das jüngere Holz, das die Musterung trägt, ähnlich wie beim Roten Hartriegel die Farbe. Ahorne vertragen Schnitt sehr gut, also keine Scheu!", ermutigt er Hobbygärtner.

Das Besondere an Acer paxii aus Junan in China ist, dass er immergrün wächst. "Acer paxii hat ein sehr schönes glänzendes Laub. Vor allem im Winter, wenn alles um ihn herum kahl ist, fällt er mit seinen Blättern so richtig auf. Wir würden ihn gerne vermehren, aber das ist schwierig: Dieser Baum stammt aus einer Aussaat von einem befreundeten Gärtner in Norddeutschland, der mehrere hundert Samen hatte, und nur vier Pflanzen waren gekeimt", so der Botaniker.

Der heimische Feldahorn (Acer campestre) ist gut zu erkennen an seinem dreilappigen Laub. Es ist sehr derb und auch etwas silbrig-bereift. "Das zeigt uns an, dass er sehr gut mit trockenen Bedingungen zurechtkommt. Der Feldahorn eignet sich auch für den kleinen Hausgarten und sogar als Hecke. Durch seine feste Verzweigung und seinen starren Habitus bauen auch Vögel sehr gerne ihre Nester darin", nennt Patrick Knopf weitere Vorteile des Feldahorns.

Lesetipps

Arboretum. 70 Bäume – 70 Städte
Autor: Michael Jordan
Illustratorin: Kelly Louise Judd
Prestel Verlag, 2019
22 €

Naturelove. Die 50 schönsten Bäume der Welt
Autor: Steve Marsh
Übersetzung: Eva Sixt
Dorling Kindersley Verlag, 2019
19,95 €

Gehölze². 180 Bäume und Sträucher für die Gartengestaltung
Autoren: Baumschule Lorenz von Ehren, Kerstin Abicht
Ulmer Verlag, 2019
29,95 €

Gehölze von A-Z. 1500 Bäume und Sträucher
Autor: Andreas Bärtels
Ulmer Verlag, 2016
29,90 €

Rinde. Die Wunderwelt der Bäume entdecken
Autor: Cédric Pollet
Ulmer Verlag, 2016
39,90 €

Stand: 24.07.2020, 10:27