Wildbienen fliegen auf Kölner Ebertplatz

Erdhummel auf einer Kornblume

Wildbienen fliegen auf Kölner Ebertplatz

Von Sabine Krüger

Dort, wo früher Drogen versteckt wurden, blühen heute Stauden und Wildblumen. Das zieht Wildbienen an statt Kriminelle und macht den Ebertplatz in Köln wieder lebenswerter.

Drinnen und Draußen: Wildbienen fliegen auf Kölner Ebertplatz

WDR 4 Drinnen und Draußen 22.06.2019 02:11 Min. WDR 4

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Bürger für Wildnis in der Stadt

Eine Bürgerinitiative möchte den Kölner Ebertplatz neu beleben. Bis zum Umbau organisieren sie Feste, pflanzen Stauden und Wildblumen und schaffen Lebensräume für Wildbienen.

Jürgen Häns und Gabriele Fauser

Der Ebertplatz ist ein Verkehrsknotenpunkt in Köln. Unter anderem weil aus Kostengründen der Brunnen jahrelang abgeschaltet und auch Rolltreppen nicht mehr betrieben wurden, verkam er immer mehr zum Treffpunkt Alkoholabhängiger und Drogendealer. Im März 2018 hat der Stadtrat ein Zwischennutzungskonzept beschlossen bis zum Umbau 2021. Seit Juli 2018 ist der Brunnen wieder in Betrieb und die Bürgerinitiative "Unser Ebertplatz" organisiert Feste, Kunst- und Pflanzaktionen. Mit dabei der 60-jährige Jürgen Häns, Pate eines Staudenbeets, und die 58-jährige Gabriele Fauser von der Arbeitsgruppe Begrünung.

Der Ebertplatz ist ein Verkehrsknotenpunkt in Köln. Unter anderem weil aus Kostengründen der Brunnen jahrelang abgeschaltet und auch Rolltreppen nicht mehr betrieben wurden, verkam er immer mehr zum Treffpunkt Alkoholabhängiger und Drogendealer. Im März 2018 hat der Stadtrat ein Zwischennutzungskonzept beschlossen bis zum Umbau 2021. Seit Juli 2018 ist der Brunnen wieder in Betrieb und die Bürgerinitiative "Unser Ebertplatz" organisiert Feste, Kunst- und Pflanzaktionen. Mit dabei der 60-jährige Jürgen Häns, Pate eines Staudenbeets, und die 58-jährige Gabriele Fauser von der Arbeitsgruppe Begrünung.

Dieses Holzdeck ist sozusagen die "Lümmelfläche" des Ebertplatzes. Anfang April 2019 war dort große Aufregung: Jürgen Häns beobachtete, dass Menschen sich nicht mehr setzen wollten, weil viele Insekten umherflogen. Er alarmierte Gabriele Fauser, die die Tiere als harmlose Sandbienen identifizierte und Entwarnung gab. Der Stachel dieser Wildbienen tut Menschen nicht weh. Mit einem Infozettel am Bar-Container beruhigte sie die Passanten.

Das schärfte den Blick der ehrenamtlich engagierten Bürgerin, die sich seit drei Jahren leidenschaftlich mit Wildbienen befasst. In die Arbeitsgruppe Begrünung der Initiative "Unser Ebertplatz" ist sie auch deshalb eingetreten, weil sie der Wildnis in der Stadt mehr Raum geben möchte. Jetzt gibt es am Ebertplatz ein Staudenbeet und mehrere Wildblumenwiesen. Das gefällt unter anderem auch dieser Fliege. Ihre großen Facettenaugen unterscheiden sie von Wildbienen.

Der Salbei im Staudenbeet zieht eindeutig am meisten Insekten an. "Wenn viele ähnlich aussehen, liegt die Vermutung nahe, dass das Honigbienen sind, denn da informiert eine die andere, wo es was zu holen gibt und dann fliegen mehrere Arbeiterinnen dahin", erklärt Gabriele Fauser. Wildbienen sind dagegen Einzelgänger.

Ob diese Honigbiene der anderen Bescheid gegeben hat, dass hier "lecker Salbei" wächst oder anders herum, lässt sich nicht klären. Jedenfalls wird das Nahrungsangebot inmitten der Kreuzung zwischen stark befahrenen Straßen von den Tieren gerne angenommen. "Städte bieten inzwischen strukturreichere Lebensräume an, als das häufig monokulturell geprägte Land", sagt Gabriele Fauser.

"Insekten sind schwer zu bestimmen. Das geht am besten mit Fotos, und zwar mehreren vom gleichen Tier aus verschiedenen Perspektiven. Das ist aber schwierig, weil die Tiere so schnell sind", bedauert die Wildbienen-Freundin. "Das hier könnte zum Beispiel eine Honigbiene sein oder auch eine Furchenbiene, also eine Wildbiene. Die sind etwas kleiner als Honigbienen und die Männchen haben oft weiße Haare im Gesicht".

Alle Bienen, die keine Honigbienen sind, sind Wildbienen. Das Tier hier auf der Knäuel-Glockenblume könnte eine Blattschneiderbiene sein. Die findet Gabriele Fauser besonders faszinierend: "Sie nisten sowohl im Boden als auch in Blumenkästen und Nisthöhlen. Sie schneiden, vorzugsweise aus Rosenblättern, akkurate ovale und runde Löcher. Die ovalen Blattteile verwenden sie als Tapete in ihrer Bruthöhle und mit den runden dichten sie sie ab. Und wenn sie die Blattstücke beim Flug unter ihrem Bauch festhalten, sieht das aus wie Biene auf fliegendem Teppich".

Das hier könnte eine kleine Maskenbiene sein. Klein, schwarz, unbehaart trifft als Erkennungsmerkmal jedenfalls zu. Wenn man das Gesicht sehen könnte, hätte man Gewissheit. Denn Maskenbienen haben weiße oder gelbe Gesichtsmasken.

Anderes Tier auf anderer Pflanze, gleiches Problem: Das Gesicht ist nicht zu erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Maskenbiene handelt, ist aber relativ hoch. Sie sammeln Pollen und Nektar im Kopf, weil sie keinen bürstenartigen Haarwuchs haben.

An dieser Kornblume macht sich eine Dunkle Erdhummel zu schaffen. Man erkennt sie an der schwarzen Grundfarbe, dem goldgelben Kragen, dem gelben Hinterleibs-Segment und dem weißen Po. Sie brütet in verlassenen Mäuse- oder Maulwurfbauten, bodennahen Hohlräumen und in Hummel-Nistkästen. Hummeln zählen auch zu den Wildbienen.

Die Steinhummel erkennt man wiederum am orangefarbenen Po. Der gesammelte Pollen an ihren Beinen leuchtet fast in derselben Farbe. Die Steinhummel ist recht häufig und bei den Blüten, die sie besucht, nicht wählerisch: Wildpflanzen, Kräuter, Kulturpflanzen – alles ist ihr recht.

Mit dem Büdchen im Container (hinten links im Bild), dem wasserspendenden Brunnen (hinten rechts) und den von der Arbeitsgruppe Begrünung angelegten Stauden- und Wildblumenbeeten ist der Platz, trotz vereinzeltem Müll, wieder zu einem Ort der Begegnung geworden. Auch weil die Feste und Konzerte, die die Initiative organisiere, genau darauf ausgerichtet seien, meint Jürgen Häns. Und auf die Frage, warum er die Patenschaft für das Staudenbeet übernommen hat, sagt er: "Ich kenne den Platz seit meiner Kindheit und da wollte mein Finger einfach hoch, als ein Pate gesucht wurde".

Lesetipps:

Wildbienenhelfer. Wildbienen und Blühpflanzen
Autorin: Anja Eder
Tipp 4 Verlag, 2018
39,90 €

Fertig zum Einzug. Nisthilfen für Wildbienen
Autor: Werner David
pala Verlag, 2018
19,90 €

Stand: 21.06.2019, 14:36