In der Bonsai-Beratung

Ein Liguster und eine Ming-Aralie in Bonsaiform

In der Bonsai-Beratung

Von Sabine Krüger

Aus China und später Japan stammt die Kunst, Miniatur-Bäume in Schalen zu ziehen. Tipps für Hobby-Bonsai-Künstler gibt die Bonsai-Beratung im Botanischen Garten Wuppertal.

In der Bonsai-Beratung

WDR 4 Drinnen und Draußen 20.04.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 19.04.2020 WDR 4

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Bonsai – Harmonie von Baum und Schale

Aufrecht, kugelig, geneigt, windgepeitscht: In Japan wurden zahlreiche Stilarten der Bonsaikunst entwickelt. Aber allein schon ein Bäumchen in der Schale richtig zu gießen, will gelernt sein.

WDR 4 Drinnen und Draußen: In der Bonsai-Beratung

"Mein erster Bonsai war vor 14 Jahren eine Eiche aus einem Baumarkt. Leider ist sie mir nach ein paar Jahren in einem Winter eingegangen. Denn in der Schale sind auch heimische Bäume nicht unbedingt winterhart", so Christian Kohl von der Arbeitsgruppe Bonsai in Wuppertal. Weil sie gerade so schon blüht, präsentiert er hier die Wildkirsche einer Mitstreiterin.

"Mein erster Bonsai war vor 14 Jahren eine Eiche aus einem Baumarkt. Leider ist sie mir nach ein paar Jahren in einem Winter eingegangen. Denn in der Schale sind auch heimische Bäume nicht unbedingt winterhart", so Christian Kohl von der Arbeitsgruppe Bonsai in Wuppertal. Weil sie gerade so schon blüht, präsentiert er hier die Wildkirsche einer Mitstreiterin.

Der Bonsai links dürfte nach Schätzung von Christian Kohl circa 70 Jahre alt sein. Ein anderer Kollege hatte ihn aus einer Ligusterhecke ausgegraben. Die Ming-Aralie rechts gehört zu Christian Kohls ersten Bonsais: "Als ich sie gekauft habe, war das nur ein bleistiftdicker Stock mit einem kleinen grünen Büschel oben. Ich habe daraus ein reich verzweigtes Bäumchen mit interessanter Wuchsform gemacht."

Die Heckenkirsche links hat einen besonders interessant geschwungenen Stamm: "An der Krone kann ich beim Bonsai viel gestalten, aber der Stamm ist fix. Deshalb sollte man beim Kauf besonders auf schöne Stämme achten." Rechts steht eine Wild-Olive: "Die reagieren relativ unempfindlich auf Schnitt", erklärt Kohl. "Den linken Ast habe ich bewusst als Totholz gestaltet."

Die Steinlinde (ganz links) muss, wie die Olive, bei unter minus fünf Grad im Winter geschützt werden, so Christian Kohl. Schade findet er, dass ihr Stamm nur langsam verdickt. Beim schmalblättrigen Ficus in der Mitte arbeitet er auf eine möglichst enge Verzweigung hin. Die aufrechte Rotbuche rechts ist sein liebster Baum: "Wenn der Baum sein altes Laub abwirft und ins Grüne ausschlägt, kommt es mir manchmal vor, als wenn ich die Kraft spüre, die durch diese Pflanze geht."

Adnane Youssef kam fürs Studium aus Marokko nach Bochum. Sein ehemaliger Mitbewohner hat ihm einen Jadebaum-Bonsai vermacht. Den hat er bisher nur gegossen. In der Bonsai-Beratung möchte er von Christian Kohl wissen, was er dem Bäumchen Gutes tun kann.

Zunächst einmal braucht die trockene Wurzel eine Vitalisierungs-Kur. Christian Kohl rät Adnane Youssef die Wurzel auszukämmen: "Das geht auch mit einer umgebogenen Gabel. Das war mein erstes selbstgemachtes Bonsai-Werkzeug." Dahinter liegt ein gekaufter Wurzelhaken.

Nachdem Kohls Schüler die Wurzel ausgekämmt hat, soll er sie auch noch zurückschneiden. "Dadurch bilden sich bei der Pflanze neue Wurzeln an der Stammbasis. Das muss man immer wieder machen, um den typischen Bonsai-Elefantenfuß hinzubekommen. Denn wenn die Wurzeln immer enger nebeneinander liegen, dann verwachsen sie", erklärt Kohl

Jetzt geht es an die Gestaltung der Krone. Die hatte bisher keine eindeutige Form. "Die Krone sollte spitz zulaufen", so Kohl. Bei Adnane Youssefs Jadebäumchen war die Stammverlängerung in der Mitte abgebrochen. Seitentriebe wuchsen über diesen Mitteltrieb hinaus. Die stutzt Youssef nach Anleitung auf die untersten ein bis drei Triebpaare zurück. Bei dem Ast im Bild ist der Saftfluss gestört, weshalb ihn Christian Kohl ganz abschneidet.

Den alten Mitteltrieb nimmt er auch komplett raus, damit er einen anderen intakten zur Spitze des Baums erziehen kann. Dazu muss das Bäumchen leicht schräg in die Schale gesetzt werden. Damit die Pflanze in dieser Haltung bleibt, wird sie verdrahtet. Dazu verankert Christian Kohl Draht an einem quergelegten Metallstück an der Außenseite der Schale.

Damit der Baum gut mit Nährstoffen versorgt werden kann, füllt Christian Kohl mit einer kleinen Schütte Bonsaisubstrat in die Schale. Er schwört auf poröse Steinarten wie Bims und Lava, die viel Wasser aufnehmen können, eins zu eins mit Erde gemischt: "Da gibt es Grabenkämpfe, jeder hat sein eigenes."

Die beigen Kügelchen rechts und die dunklen links sind Akadama, ein Bonsai-Spezialsubstrat aus gebranntem Lehm. Links hat es Christian Kohl gegossen, dann werden die Kügelchen dunkelbraun. Rechts ist das trockene Substrat zu sehen. "Dann ist es hellbeige und man sieht, dass es Zeit ist, das Bäumchen wieder zu gießen."

Anschließend haben Christian Kohl und Adnane Youssef die Äste des Bäumchens mit Draht noch in verschiedene Richtungen gebogen. "Jetzt ist der Jadebaum zwar nicht mehr so grün wie vorher, aber das kommt wieder. Seine Krone läuft nun spitz zu und lässt eine gewisse Form erkennen, vorher war das Kraut und Rüben", meint Christian Kohl und Adnane Youssef stimmt ihm zu. Die nächsten Termine der Bonsaiberatung sind im Beitrag zu dieser Fotostrecke verlinkt.

Lesetipps

Bonsai – Gestalten mit heimischen Gehölzen
Autoren: Werner M. Busch, Achim R. Strecker
Quelle & Meyer Verlag, 2019
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Autor: Werner M. Busch
BLV / GU, 2018
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Stand: 20.04.2019, 00:00