Bergische Apfelsorten

Kostproben von alten und regionalen Apfelsorten

Bergische Apfelsorten

Von Sabine Krüger

Bäumchesapfel, Fey‘s Rekord, Schöner aus Burscheid – klingende Namen für alte, lokale oder regionale Sorten im Bergischen. Ein Streuobstwiesen-Spaziergang mit Verkostung.

Bergische Apfelsorten

WDR 4 Drinnen und Draußen 03.11.2018 02:09 Min. WDR 4

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Der Apfel als Kulturgut

In Deutschland gibt es 2000 bis 3000 Apfelsorten. Längst nicht alle sind dokumentiert. Auf der Muster- und Lernobstwiese in Solingen kann man alte regionale Sorten kennenlernen.

Biologin Pia Kambergs hält einen Apfel der Sorte "Rote Sternrenette" in der Hand

Biologin Pia Kambergs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Biologischen Station Mittlere Wupper. Am besten schmecken ihr der "Bäumchesapfel" und die "Rote Sternrenette", die sie hier in der Hand hält. Diese Sorte galt früher als der klassische Weihnachtsapfel, weil er schön rot glänzt und deshalb oft an den Weihnachtsbaum gehängt wurde. Pia Kambergs leitet die sogenannte Sortenführung auf der Muster- und Lernobstwiese in Solingen.

Biologin Pia Kambergs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Biologischen Station Mittlere Wupper. Am besten schmecken ihr der "Bäumchesapfel" und die "Rote Sternrenette", die sie hier in der Hand hält. Diese Sorte galt früher als der klassische Weihnachtsapfel, weil er schön rot glänzt und deshalb oft an den Weihnachtsbaum gehängt wurde. Pia Kambergs leitet die sogenannte Sortenführung auf der Muster- und Lernobstwiese in Solingen.

Die Streuobstwiese an der Burger Landstraße gehört der Stadt Solingen, betreut wird sie vom Arbeitskreis Obstwiesen Bergisches Städtedreieck. Für die Sortenführung auf der Streuobstwiese hat Pia Kambergs viele Körbchen mit verschiedenen Apfelsorten vorbereitet. Das ist gut so, denn leider wurden schon viele Äpfel verbotenerweise von Spaziergängern gepflückt.

Der "Rheinische Bohnapfel" ist ein guter Wirtschaftsapfel, der vor allem zu Süßmost und Apfelwein verarbeitet wird. Er wird Ende Oktober geerntet, ist gut lagerfähig und von Januar bis Juni genussreif. Der "Bäumchesapfel" hat wenig Säure und sollte schnell frisch verzehrt oder verarbeitet werden, da er nicht lagerfähig ist. Im 19. Jahrhundert beschrieb der Lehrer und Pomologe Carl Hesselmann den "Bäumchesapfel" als denjenigen, der mit dem rauen Klima des Oberbergischen Landes am besten klarkommt.

Da unten schon alles abgeerntet ist, pflückt hier ein Rundgangsteilnehmer mit dem Pflückstab den "Rheinischen Winterrambur". Er hat, bei hohem Zuckergehalt, auch viel Säure. Vielleicht liegt es an dieser Ausgewogenheit, dass er bei der Verkostung durch die Gruppe um Pia Kambergs gut ankommt. Er eignet sich sowohl zum Frischverzehr als auch zur Verarbeitung. Alle zwei Jahre kann man bei dieser Sorte mit einem hohen Ertrag rechnen.

Und so sieht der "Rheinische Winterrambur" aus der Nähe aus: Seine glatte Schale ist zunächst hellgrün, später hellgelb und zur Reifezeit dann leuchtend gerötet. Geerntet wird er Mitte Oktober und genussreif ist er von Dezember bis Mai. Wobei die Äpfel in diesem Jahr (2018) ungefähr zwei Wochen früher reif sind als sonst.

Die Sorte "Fey’s Rekord" brachte um 1925 die Baumschule Christian Fey in Meckenheim bei Bonn in den Handel. In einem Katalog aus dem Jahr 1958 ist die Sorte so beschrieben: "… leuchtend scharlachrot, oftmals mit einem ganz eigenartigen purpurvioletten Hauch überzogen. Es gibt nur wenige so schön gefärbte Äpfel. Das Fruchtfleisch ist weiß, von fein gewürztem Geschmack." Da es sich um eine frühreifende Sorte handelt, konnte das beim Rundgang leider nicht überprüft werden.

Dieser "Doppelte Neuhäuser" ist eine alte regionale Sorte des Bergischen Landes und schon seit Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt. Es ist ein Wirtschaftsapfel: Man hat ihn in Fabriken, zum Beispiel in Witzhelden, zu Apfelkraut verarbeitet und aufs Brot gestrichen. Allerdings ist sich Pia Kambergs nicht ganz sicher, ob dieser Apfelbaum richtig bestimmt wurde. Das wird sie nochmals von einem Apfelkundler, auch Pomologen, überprüfen lassen.

Zur Bestimmung braucht der Experte drei bis fünf unversehrte Äpfel von der Sonnenseite des Baumes, zusammen mit dem Pflückdatum. Der Pomologe betrachtet dann unter anderem die äußere Form, Färbung und Musterung. Dann schneidet er den Apfel möglichst genau mittig auf, schaut sich die Kerne an und prüft, ob das Kernhaus näher am Stiel oder näher am Kelch (gegenüber vom Stiel) sitzt.

"Jakob Lebel" ist ein eingedeutschter Name, denn diese Sorte wurde 1825 von dem Franzosen Jacques Lebel in Amiens entdeckt. Somit ist es alles andere als eine regionale Bergische Sorte. Aber sie war weit verbreitet und als Hausapfel beliebt. "Viele alte Leute auch hier im Bergischen erinnern sich bei Führungen an ihn", meint Pia Kambergs. Dafür sind die Teilnehmer dieser Gruppe wohl alle zu jung.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Sorte "Kaiser Wilhelm" oder "Peter Broich". Diese Sorte existierte schon unter dem Namen "Peter Broich" als der Witzheldener Lehrer Carl Hesselmann ihn 1864 auf einem Baum im Gutsgarten von Haus Bürgel bei Düsseldorf entdeckte. Da er die Sorte nicht kannte, taufte er sie zu Ehren des Kaisers auf "Kaiser Wilhelm". Dieser publikumswirksame Name sorgte dafür, dass die Sorte deutschlandweit bekannt wurde.

Michael Motzkus ist aus Wuppertal zur Sortenführung gekommen und lässt es sich nicht entgehen, auch noch alkoholische Apfelprodukte zu testen. Am meisten überzeugt ihn der Apfelbranntwein aus dem Kaiser-Wilhelm-Apfel von Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf: "Der riecht so richtig schön nach Apfel und ist auch ein schönes Mitbringsel", stellt er fest.

Der Obstbaum der Sorte "Kaiser Wilhelm" ist der älteste auf der Solinger Streuobstwiese. Wie alt genau weiß Pia Kambergs nicht. Aber an ihm erkennt man gut den ökologischen Wert von Streuobstwiesen. Hohle Stämme wie dieser sind ideal für Höhlenbrüter wie den Steinkauz. "Und in unserem Kaiser Wilhelm hatten wir auch schon einmal ein Hornissennest", freut sich die Biologin.

"Eine Streuobstwiese ist klassisch doppelt genutzt: Die Obernutzung sind die Bäume, die wir ernten und unten ist entweder eine Wiese, eine Weide oder, in seltenen Fällen, auch mal ein Acker. Die Regel ist aber die Wiese", erklärt Pia Kambergs. Und wer mehr über alte Obstsorten wissen möchte, dem empfiehlt sie noch weiterführende Literatur. 

Lesetipps

Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland- neu entdeckt! Ein Handbuch mit 100 Sortensteckbriefen
Herausgeber: LVR-Netzwerk Kulturlandschaft mit den Biologischen Stationen im Rheinland Köln
2017
7 €
Zu beziehen bei der Biologischen Station Mittlere Wupper

Farbatlas Alte Obstsorten
Autor: Walter Hartmann
Ulmer Verlag, 2015
24,90 €

Stand: 03.11.2018, 00:00