Bambus-Geschirr: Öko-Alternative oder Mogelpackung?

Das Bild zeigt Trinkbecher aus Bambus.

Bambus-Geschirr: Öko-Alternative oder Mogelpackung?

Von Catrin Risch

  • Das Geschäft mit Bambus-Geschirr boomt
  • Produkte enthalten aber fast alle Kunststoff
  • Überwachungsbehörden warnen vor Gesundheitsgefahr

Bambus gilt als besonders ökologisch - es gibt mittlerweile nicht nur Bambus-Brettchen sondern auch bunt bedruckte Bambus-Tassen, Besteck und Teller. Auf den Verpackungen und in der Werbung werden sie unter anderem als recyclebar, organisch und nachhaltig angepriesen.

Tatsächlich enthalte aber so gut wie jedes dieser Produkte Kunststoff als Bindemittel, erklärt Dr. Uwe Lauber vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUAS) in Stuttgart. Im Auftrag der Überwachungsbehörden erstellt er seit Jahren Gutachten über Coffee-To-Go-Becher, Kindergeschirr und Co aus Bambus.

Verbrauchertäuschung und Gesundheitsgefahr

Eine Kennzeichnungspflicht für den Kunststoffanteil gibt es zwar nicht. Allerdings dürften Werbung und Aufmachung dann nicht ausschließlich auf den Bambusanteil abzielen, so der Chemiker.

Ergebnisse der Labortests

Der WDR hat sechs Bambus-Becher unter die Lupe genommen - drei Coffee-to-go-Becher, drei Kindergeschirr-Becher.

Bambusbecher

Bezeichnung: Zuperzozial Cruising Travel Mug
Hersteller-Information:
Basiert auf biologisch abbaubarem Bambus und Mais (bamboo fiber, corn starch, artificial resin)
Formaldehyd:
2,3 mg/kg
Melamin:
1,0 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden:
in Sachen Verbrauchertäuschung grenzwertig, aber gerade noch "verkehrsfähig“, da Melamin zumindest im Kleingedruckten genannt ist

Bezeichnung: Zuperzozial Cruising Travel Mug
Hersteller-Information:
Basiert auf biologisch abbaubarem Bambus und Mais (bamboo fiber, corn starch, artificial resin)
Formaldehyd:
2,3 mg/kg
Melamin:
1,0 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden:
in Sachen Verbrauchertäuschung grenzwertig, aber gerade noch "verkehrsfähig“, da Melamin zumindest im Kleingedruckten genannt ist

Bezeichnung: Travel Mug Bamboo "No Drama"
Hersteller-Information:
Vorwiegend aus natürlichen Rohstoffen, recyclebar
Formaldehyd:
1,8 mg/kg
Melamin:
0,2 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden:
"nicht verkehrsfähig“, da recyclebar drauf steht, dies durch den Melaminanteil aber nicht geht. Deutscher Vertrieb und Händler haben zugesichert, Verpackung und Online-Beschreibung zu ändern

Bezeichnung: Ecoffee Cup
Hersteller-Information:
Natürliche Bambusfaser, biologisch abbaubar
Formaldehyd: 3,3 mg/kg
Melamin:
0,3 mg/kg
Info: Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden: "nicht verkehrsfähig", da biologisch abbaubar drauf steht, dies durch den Melaminanteil aber nicht geht. Hersteller hat auf Anfrage nicht reagiert. Händler hat zugesichert, die Online-Beschreibung zu ändern.

Bezeichnung: For little Fingers Eco Dining Set
Hersteller-Information:
aus Bambusfasern, biologisch abbaubar
Formaldehyd: 1,8 mg/kg
Melamin:
0,4 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden:
"nicht verkehrsfähig", da biologisch abbaubar drauf steht, dies durch den Melaminanteil aber nicht geht. Deutscher Vertrieb hat die Auslieferung bis auf Weiteres gestoppt und seine Händler informiert. Einige Händler haben das Produkt sofort aus dem Verkauf genommen.

Bezeichnung: Petit Collage Bamboo Dinnerware "Our World"
Hersteller-Information:
Bambus, plastikfrei, biologisch abbaubar, ungiftig
Formaldehyd:
7,2 mg/kg
Melamin:
2,0 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden: "nicht verkehrsfähig", da biologisch abbaubar drauf steht, dies durch den Melaminanteil aber nicht geht. Die Angabe "plastikfrei" ist falsch. Der Hersteller aus USA behauptet, vom Produzenten in China arglistig getäuscht worden sein. Ab der neuen Charge würde die Beschreibung auf der Verpackung geändert. Der Verkäufer in Deutschland wollte sich nicht auf unsere Anfrage äußern.

Bezeichnung: Nordic Crew
Hersteller-Information:
Bambus und Maismehl plus Melamin
Formaldehyd:
1,7 mg/kg
Melamin:
< 0,2 mg/kg
Info:
Schadstoffe unter Grenzwerten
Urteil Überwachungsbehörden:
Es gibt nichts zu beanstanden, da Melamin klar genannt ist.

Bei rund jedem zweiten Produkt sei die Werbung irreführend. Händler und Hersteller müssten eigentlich nachbessern, um weiter verkaufen zu dürfen. Außerdem seien Produkte mit Kunststoffanteil in keinem Fall recycelbar.

Dazu kommt eine mögliche Gesundheitsgefahr: Die Coffee-To-Go-Becher zum Beispiel bestehen aus Bambusspänen, Speisestärke und Kunststoff – meist Melaminharz.

Kunststoffteile können sich lösen

Reine Melaminbecher haben eine glatte Oberfläche. Mischt man aber Bambus und Speisestärke dazu, würde die Oberfläche rauer werden und der Bambus könne quellen. Kleinste Kunststoffteilchen können sich so in heißem Tee oder Kaffee so aus den Bechern lösen und im Getränk landen.

In den Tests des CVUAS lagen die Werte von Melamin und Formaldehyd in den vergangenen Jahren bei jedem zweiten bis dritten Trinkbecher über den erlaubten Grenzwerten.

Vorsicht bei heißen Getränken

Die meisten Hersteller weisen darauf hin, dass die Bambus-Becher nur für Getränke bis 70 Grad geeignet sind. Gießt man allerdings Tee direkt im Becher auf oder nutzt ihn für frischgebrühten Kaffee, würden diese Temperaturen laut Dr. Lauber schnell überschritten. Je häufiger diese Becher benutzt würden, desto mehr leide die Oberfläche. Die Gesundheitsgefahr steige an.

Nachhaltige Alternativen: Edelstahl und Porzellan

In Sachen Alternativen als Mehrwegbecher für Coffee-To-Go sind sich der Experte des CVUAS und die Verbraucherzentrale NRW einig: Wer nachhaltig sein will, sollte auf Edelstahl oder Porzellan zurückgreifen. Aber auch Becher aus schadstoffarmen Kunststoffen wie Polypropylen seien besser geeignet, als Bambus-Becher, so Chemiker Lauber. Das gelte auch für Kindergeschirr.

Stand: 06.02.2019, 00:00

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Ecoffee Cup 07.02.2019, 12:50 Uhr

    This is mainly re-used information from 2014. The term bamboo products in this instance implies that all of these types of products are the same. Its like drawing the conclusion that all cars fake emissions tests, just because some German manufacturers did. As with all markets, there are reputable and non-reputable suppliers. For the record: all our products comply with all EU legal requirements placed upon our them, namely (EC) No 1935/ 2004 and (EC) No 10/ 2011. We are happy to publish our declaration of compliance on all matters raised. Unless any of the testing shown in this article can demonstrate that they were conducted in accordance with these strict rules, then this article is nothing short of click bait.

    Antworten (1)
    • WDR.de 08.02.2019, 09:33 Uhr

      English below. Hallo E-Coffee Cup, vielen Dank für Ihre Nachricht. Zwar halten die Produkte die Grenzwerte ein, aber auf der Verpackung lässt sich nicht erkennen, dass Melamin enthalten ist. Somit werden sie fälschlicherweise als recyclebar deklariert, was in diesem Beitrag angesprochen wird. Viele Grüße, WDR.de Hello Ecoffee-Cup, thank you for your message. Although the products comply with the limits, the packaging does not show that melamine is present. Thus, they are falsely declared as recyclable, which is addressed in this post. Best regards, Wdr.de

  • 1 Dani 07.02.2019, 08:10 Uhr

    Gibt es irgendwo eine vollständige Liste der vom CVUAS getesteten Becher mit den Ergebnissen? Ich finde vom Hersteller für meinen Becher (ebos Glücksbringer) auch nur die Angabe "Bambusfasern, Maisstärke und Silikon" wobei sich das Silikon auf den Hitzeschutzring bezieht. Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, kann das aber nicht alles sein, da der Becher nur mit diesen Materialien nicht so stabil werden würde?

    Antworten (1)
    • WDR.de 20.02.2019, 12:05 Uhr

      Hallo Dani, zunächst einmal entschuldigen wir uns für die verspätete Antwort! Es gibt leider keine öffentliche Liste des CVUAs. Die Chemiker dort testen für die öffentlichen Überwachungsämter. Entspricht ein Produkt nicht den gesetzlichen Vorgaben, muss der Hersteller nachbessern oder das Produkt muss vom Markt genommen werden. Die Einzelnen Ergebnisse dazu werden allerdings nicht veröffentlicht. Viele Grüße WDR.de