Ausflug in die Wüste

Diese Kakteen heißen auch "Schwiegermuttersessel"

Ausflug in die Wüste

Von Sabine Krüger

Umweltschonend in die Wüste reisen: Eine Führung im Sukkulentenhaus der Botanischen Gärten Bonn offenbart erstaunliche Anpassungsstrategien von Pflanzen in Trockengebieten.

Ausflug in die Wüste

WDR 4 Drinnen und Draußen 26.01.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 26.01.2020 WDR 4

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Von Wasserspeichern und tiefen Wurzeln

Wie können Pflanzen in großer Trockenheit überleben? Ein Rundgang in den Botanischen Gärten Bonns zeigt, dass es darauf viele verschiedene und faszinierende Antworten gibt.

Umweltpädagoge Jürgen Wissmann

Umweltpädagoge Jürgen Wissmann ist begeistert von den Strategien der Pflanzen in Trockengebieten. Hier lehnt er an der Drachenbaum-Aloe im Wüstenhaus der Botanischen Gärten Bonn. In der Natur kommt der Baum in den Wüsten Namibias und den Savannen Südwestafrikas vor. Er speichert sowohl in seinem dicken Stamm als auch in seinen fleischigen Blättern Wasser.

Umweltpädagoge Jürgen Wissmann ist begeistert von den Strategien der Pflanzen in Trockengebieten. Hier lehnt er an der Drachenbaum-Aloe im Wüstenhaus der Botanischen Gärten Bonn. In der Natur kommt der Baum in den Wüsten Namibias und den Savannen Südwestafrikas vor. Er speichert sowohl in seinem dicken Stamm als auch in seinen fleischigen Blättern Wasser.

Hier sieht man die imposante Drachenbaum-Aloe in der Mitte des Fotos. Im Vordergrund: verschiedenste Kakteen-Arten. "Natürlicherweise kommen Kakteen, bis auf eine Ausnahme, ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vor. Hier im Bonner Wüstenhaus sind links des Weges Kakteen gepflanzt und rechts davon Wolfsmilchgewächse", erklärt Wissmann.

Sowohl die Kakteen wie auch die Aloen (hier im Bild) gehören zu den Sukkulenten. "Sukkulenz kommt von Succus, Saft, aus dem Lateinischen. Entsprechend der Zuordnung zu den verschiedenen Organen spricht man dann entweder von einer Stammsukkulenz, einer Blattsukkulenz oder eben von einer Wurzelsukkulenz", so der Umweltpädagoge. "Bei den Aloen handelt es sich um Blattsukkulenz."

Der Christusdorn gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, deren Saft giftig ist. In den 70er und 80er Jahren stand sie fast auf jedem Fensterbrett, heute sieht man sie seltener. Die Dornen und der giftige Milchsaft schützen die Pflanze an ihrem Original-Standort vor Fressfeinden. Denn das Wasser, das die Pflanzen speichern, wäre natürlich auch für die Tiere der Wüste attraktiv.

"Diesen Dornenschutz treibt diese Pflanze im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze: Die Alluaudia ascendens lässt ihre Dornen direkt neben den wasserspeichernden Blättern wachsen." Diese wehrhafte Pflanze wächst in Süd-Madagaskar. Dornen sind übrigens so mit der Pflanze verwachsen, dass sie sich nicht abknipsen lassen, im Gegensatz zu Stacheln.

Bei den lebenden Steinen wächst überhaupt nur ein kleiner Teil der Pflanze über dem Boden. Und die wasserspeichernden dickfleischigen Blätter schützen sich durch Tarnung vor Fressfeinden. Denn sie sehen aus wie kleine Steine auf Wüstenboden.

Eine ganz besonders beliebte Kaktusart sind diese Goldkugelkakteen, wegen ihrer goldgelben Dornen. "Im Volksmund heißen sie auch Schwiegermuttersessel", schmunzelt Jürgen Wissmann. Wie alle anderen Kakteen schützen sie sich vor Trockenheit und Verdunstung, indem sie in ihrem Spross Wasser speichern, ihre Blätter zu Dornen umgewandelt haben und mit ihrer kugeligen Form ihre Oberfläche reduzieren bei gleichzeitig großem Pflanzenvolumen.

Die deutschen Namen dieser Pflanze sind äußerst sprechend: Schildkrötenpflanze oder Elefantenfuß. Sie wächst extrem langsam. Die Basis des Stamms hat sich verdickt. In der Botanik spricht man dann von Kaudexpflanzen. Natürlich findet sich dort auch der Wasserspeicher der Pflanze. Es handelt sich also um Stamm-Sukkulenz.

Ganz besonders kurios ist diese Pflanze, die Welwitschie. Friedrich Welwitsch entdeckte sie 1860 in der Wüste Angolas, die er im Auftrag der portugiesischen Krone erforschte. Das Skurrile an ihr ist, dass sie zeitlebens nur ein Blattpaar entwickelt, das immer weiterwächst. "Man vermutet, dass sie sich über lange Wurzeln mit Wasser versorgt", so Wissmann.

Tillandsien, oder auch Greisenbart, waren auch eine Zeit lang als Zimmerpflanzen sehr beliebt. "Sie ist keine klassische Wüstenpflanze, sondern kommt beispielsweise in Louisiana vor, wird deshalb auch Louisiana-Moos genannt. Sie bindet die Feuchtigkeit über Saugschuppen und braucht eine hohe Luftfeuchtigkeit."

Hier sieht man die elliptischen Kapselfrüchte der Banksia serrata, die sich aus deren beeindruckenden kolbenförmigen goldgelben Blütenständen entwickeln. Die Pflanze gehört zu den Proteagewächsen und kommt ursprünglich aus den Sanddünen oder dem Buschland Südost-Australiens. Im belüfteten kalten Gewächshaus überwintert sie auch bei uns.

Auch im Regenwald-Haus stößt die Gruppe um Jürgen Wissmann auf Pflanzen, die Wasser speichern, wie diese Bromelie. Bromelien fangen das Wasser in der Basis ihrer Blätter auf, die geformt sind wie kleine Brunnen. Man spricht daher auch von Zisternen-Pflanzen. Sie sind im Regenwald oft auch Lebensräume für kleine Frösche.

Und sogar im Außengelände kann der Umweltpädagoge heimische Pflanzen vorstellen, die Strategien gegen Trockenheit entwickelt haben, und zwar im Felsengarten. Die rheinische Dach-Hauswurz kommt vor im Mittelrhein-, Mosel-, Nahe- und Ahrtalgebiet, wo es auch sehr trocken sein kann. Hier handelt es sich wieder um Blattsukkulenz.

Der heimische Milzfarn steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten. Diese Farnart hat eine ganz besondere Strategie entwickelt: Bei Trockenheit schrumpfen die Zellen auf der Oberfläche, sodass die Wedel sich zusammenrollen. So schützen die braunen Spreuschuppen der Unterseite die dann innenliegenden grünen Wedel vor Sonne und Trockenheit.

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Stand: 26.01.2019, 00:00