Aus Reisern Besen binden

Reisigbesen vor Kopfbuchen-Hecke

Aus Reisern Besen binden

Von Sabine Krüger

Früher standen auf jedem Bauernhof Besenbäume. Auf dem NABU-Naturschutzhof Nettetal lebt die alte Handwerkskunst neu auf. Wir zeigen, wie aus Kopfbuchen-Reisern Besen werden.

Aus Reisern Besen binden

WDR 4 Drinnen und Draußen 02.02.2019 02:24 Min. Verfügbar bis 02.02.2020 WDR 4

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Neue Besen kehren gut

Einmal jährlich werden auf dem Naturschutzhof Nettetal die Kopfbuchen gestutzt. Zur Belohnung lernen die freiwilligen Helfer, wie man aus den Schnittabfällen Reisigbesen bindet.

Gärtnermeister Jürgen Tüffers

Der 60-jährige Gärtnermeister Jürgen Tüffers ist mit seinen Leidenschaften für die Natur und für alte Handwerkskunst genau richtig auf dem Naturschutzhof Nettetal. Er leitet die dortige NABU-Gruppe und lädt einmal jährlich zum Kopfbuchen-Schnitt ein. Klar, dass das anfallende Reisig nicht weggeworfen, sondern zu zweckmäßigen und schönen Reisigbesen gebunden wird. "Unsere sind besonders umweltfreundlich, weil wir sie mit Weidenruten statt mit Draht binden", sagt er stolz.

Der 60-jährige Gärtnermeister Jürgen Tüffers ist mit seinen Leidenschaften für die Natur und für alte Handwerkskunst genau richtig auf dem Naturschutzhof Nettetal. Er leitet die dortige NABU-Gruppe und lädt einmal jährlich zum Kopfbuchen-Schnitt ein. Klar, dass das anfallende Reisig nicht weggeworfen, sondern zu zweckmäßigen und schönen Reisigbesen gebunden wird. "Unsere sind besonders umweltfreundlich, weil wir sie mit Weidenruten statt mit Draht binden", sagt er stolz.

Hans-Martin Hattenhorst arbeitet ansonsten als selbstständiger IT-Consultant. Die ehrenamtliche Arbeit auf dem Naturschutzhof Nettetal ist für ihn der ideale Ausgleich.  Von Jürgen Tüffers hat er gelernt, dass er von den Kopfbuchen die dicken Äste abnehmen soll. Die davon dünner abzweigenden Reiser eignen sich dann für die Besen. Jüngere Äste sollen an den Bäumen bleiben, weil die im Frühjahr die Buchen dazu anregen, Wasser zu ziehen und im Sommer den Stamm beschatten.

Viola Seifert setzt die Astschere beherzt an. Sie ist schon in Übung, weil sie auf dem benachbarten Landschaftshof Baerlo regelmäßig hilft, die Kopfweiden zu schneiden. Die Pädagogin liebt es, mit nachhaltigen Naturmaterialien zu arbeiten und besucht auf dem Landschaftshof Baerlo gerne Kurse zum Weidenkorbflechten. Den Naturschutzhof Nettetal schätzt sie besonders wegen der vielen Anregungen, die das Gelände Hobbygärtnern bietet.

Jörg Seifert, der ebenfalls öfter auf dem Landschaftshof Baerlo ehrenamtlich aktiv ist, stapelt inzwischen die Reiser nach Größe.

Als Ausgleich zur Überkopf-Arbeit an den Bäumen kürzt Viola Seifert das Reisig für die Besen auf 60 Zentimeter Länge ein. Die unteren zehn Zentimeter der Reiser werden dann noch mit der Gartenschere freigeschnitten, Verästelungen also gekappt. So lässt sich das Reisig später im Besenbinde-Gerät besser einspannen und zusammenpressen.

Weil so viele mit anpacken, geht das "Frisieren" der Kopfbuchen zügig voran. Diese hier müssen relativ stark beschnitten werden, da sie als Hecke gepflanzt sind und daher gar nicht so breit wachsen sollen. "Kopfbuchen wurden früher in den sogenannten Hutewäldern gepflanzt, in denen das Vieh weidete. Damit das Vieh an die jungen Zweige nicht drankam, wurden die Buchen auf zwei Metern Höhe geschnitten", erklärt Jürgen Tüffers die Bedeutung der Kopfbuchen für die Kultur-Landschaft Niederrhein.

Wiebke Esmann (vierte von links), Geschäftsführerin des NABU-Naturschutzhofs Nettetal, hält die Ehrenamtlichen mit heißem Punsch aus Gewürztee und selbstgepresstem Apfelsaft der hofeigenen Streuobstwiesen bei Laune. Trotz klirrender Kälte sind, außer ihr (von links nach rechts), mit viel Spaß dabei: Guido Fuchs, Jürgen Tüffers, Bert Hotopp, Uwe Schneider, Jörg Seifert, Viola Seifert, Dieter Freiheit und Hans-Martin Hattenhorst.

Sowohl den Holztisch für das Besenbinde-Gerät, den sogenannten Wolfsrachen (rechts hinten), als auch die Klemmbank (links vorne) hat Jürgen Tüffers selbst gebaut. Auf der Klemmbank arretiert man mit den Füßen den dicken Haselnuss-Ast. Der wird dann mit einem Ziehmesser mit jeweils einem Griff links und rechts angespitzt. Der 60-jährige Yoga- und Tai-Chi-Trainer Uwe Schneider testet Bank und Ziehmesser, um einen Besenstiel anzuspitzen und ist begeistert.

So sieht es aus, wenn sich der "Wolfsrachen", der Hebel mit dem Zahnradraster, um das Reisigbündel schließt. Das Besenbinde-Gerät hat Jürgen Tüffers im Internet gefunden. Links an den Holztisch angelehnt warten bereits angespitzte Besenstiele auf ihren Einsatz.

Nun muss das eingespannte Bündel noch fest verzurrt werden. Und zwar mit sogenannter weißer Weide. Das sind Weidenruten, die vorher gewässert, geschält und getrocknet wurden und deshalb nicht mehr schrumpfen. Das dicke Ende der Ruten wird in die Mitte des Bündels gesteckt und der Rest der Rute dreimal um das Reisigbündel geführt. Und zwar an drei Stellen hintereinander.

In das fest verschnürte Bündel steckt Bert Hotopp den angespitzten Haselnuss-Staken. Das wird der Besenstiel. Der kommt hinterher rein, nicht vor dem Binden, um die Spannung zu erhöhen.

Zum Schluss klopft Jürgen Tüffers mit Hans-Martin Hattenhorst auf einem Stein Besenstiel und Besenkörper fest zusammen. "So, das müsste halten!", stellt er zufrieden fest.

Zum Abheben fehlte Viola Seifert wohl noch der passende Zauberspruch. Aber fürs Laubkehren im Garten wird sie ihr neues selbst gebautes Werkzeug auf alle Fälle einsetzen. Und am gemeinsamen Werkeln in der Gruppe hatten alle sichtlich Spaß.

Bert Hotopp ergänzt, dass Reisigbesen am besten für gepflasterte Flächen geeignet seien, weil die Fugen dabei schonender ausgekehrt würden. Guido Fuchs findet Reisigbesen einfach nur schön. Und Jürgen Tüffers weiß, dass sie vor allem in der Eisenhütten-Industrie verwendet werden, wo es heiß ist. Denn da wären Plastikbesen ungeeignet. "Und früher standen um jeden Bauernhof Besenbäume, meist Birken", erinnert er sich.

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Altes Handwerk und ländliches Leben
Autorin: Gudrun Sulzenbacher, Fotos: Augustin Ochsenreiter
Folio-Verlag, 2017
18 €

Stand: 02.02.2019, 00:00