So lässt sich Vogelschlag vermeiden

WDR 4 Drinnen und Draußen: Aktiv gegen Vogelschlag

So lässt sich Vogelschlag vermeiden

Von Sabine Krüger

Mindestens 18 Millionen Mal im Jahr verletzen sich in Deutschland Vögel an Glas. Dagegen kann jeder etwas tun. Ein Besuch bei der Vogelschlag-Expertin des BUND NRW.

Aktiv gegen Vogelschlag

WDR 4 Drinnen und Draußen | 13.01.2018 | 02:32 Min.

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Vogelschlag vermeiden!

Wenn es an der Scheibe knallt und dort ein Vogelabdruck zu sehen ist, dann ist es zu spät. Wir zeigen, was der BUND NRW empfiehlt, um Vogelschlag vorzubeugen.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Aktiv gegen Vogelschlag

Dr. Judith Förster leitet das Projekt "Vogelschlag an Glas" beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in NRW (kurz: BUND). Bisher hatte sie selbst in ihrer Wohnung mitten in Köln keine Probleme damit. In ihren Fenstern spiegelt sich kein Baum und sie liegen nicht in einer Vogel-Flugschneise. Weil sie jetzt aber auf dem Balkon Vögel füttern möchte und das Vögel in Richtung ihrer Fenster zieht, beugt sie nun vor: mit einer Kordel-Lösung.

Dr. Judith Förster leitet das Projekt "Vogelschlag an Glas" beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in NRW (kurz: BUND). Bisher hatte sie selbst in ihrer Wohnung mitten in Köln keine Probleme damit. In ihren Fenstern spiegelt sich kein Baum und sie liegen nicht in einer Vogel-Flugschneise. Weil sie jetzt aber auf dem Balkon Vögel füttern möchte und das Vögel in Richtung ihrer Fenster zieht, beugt sie nun vor: mit einer Kordel-Lösung.

Dafür hat sie sich im Supermarkt billige naturfarbene Kordeln gekauft und im Internet Saugnäpfe bestellt. Die hat sie jeweils oben und unten an den Fenstern angebracht und dazwischen horizontal Kordeln gespannt. An diese horizontalen Kordeln hat sie dann lange Kordeln geknüpft, die senkrecht nach unten hängen. Und diese auch unten wieder festgeknotet. Kostenpunkt: circa 25 Euro.

"Tests in Österreich in Flugtunneln haben ergeben, dass senkrechte Streifen mindestens fünf Millimeter dick sein müssen und der Abstand zwischen diesen maximal 10 Zentimeter betragen darf. Dann erkennen Vögel sie als Hindernis", erklärt Judith Förster. Ihre Kordeln sind also fünf Millimeter dick und sie hat sie im Abstand von zehn Zentimetern angeknotet. Das ist nicht nur preisgünstig, sondern lässt sich auch jederzeit wieder entfernen.

Das ist wichtig für Mieter, weil sie an der Wohnung nicht ohne Einverständnis des Vermieters, dauerhafte bauliche Veränderungen vornehmen dürfen. Ebenso geeignet für Mieter: Fliegengitter oder, wie im Foto, die Scheiben mit Fensterfarben bemalen. Bei letzterem darf der Abstand zwischen den einzelnen Musterelementen nicht größer sein als eine Handfläche. Und alle Maßnahmen gegen Vogelschlag müssen von außen auf die Scheiben aufgebracht werden.

Von UV-Markern rät Judith Förster ab: "Weil viele Vogelarten UV-Licht gar nicht wahrnehmen. Und bei Meisen haben die Männchen im Halsbereich UV-Reflektionen, die die Weibchen attraktiv finden. Da hätte es sogar den gegenteiligen Effekt". Was auch nicht funktioniert: Aufkleber von schwarzen Vogel-Silhouetten: "Der Zoologe Konrad Lorenz hat schon Mitte des letzten Jahrhunderts festgestellt, dass Vögel nur Angst vor Vogelbewegungen haben und nicht vor steifen Silhouetten", so Förster.

Solche Silhouetten wären nur dann wirksam, wenn auch sie über die ganze Fläche verklebt würden, in Abständen von maximal zehnZentimetern. "Aber ob das dann schön ist, ist eine andere Frage", gibt die Vogelschlag-Expertin zu bedenken. Im Foto wurde genau das auf eine Werbefolie gedruckt. Solche fachmännisch hergestellten und angebrachten Folien sind, auch bei Regen und Fensterputzen, zehn Jahre haltbar.

Das wäre also eine Maßnahme, die sich eher für Eigentümer eignen würde, weil sie sich nur sehr mühsam wieder abkratzen lassen würde. Zumal sie auch mit 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter relativ teuer ist. Die Auswahl an Mustern, die gegen Vogelschlag wirksam sind, ist dabei groß. Das Foto zeigt ein paar Beispiele, weitere gibt es auf den Internetseiten des BUND.

Neben den klassischen senkrechten Streifen, können diese beispielsweise auch mit Punkten dargestellt werden. "Da das aber schwieriger herzustellen ist, wird so eine Folie auch teurer", warnt die Zoologin. "Zudem sollte, wer auf dem Land lebt, seine Folien auch dort beim Hersteller für Werbefolien bestellen, denn in der Stadt sind diese meist teurer als auf dem Land. Zumal auch die Fahrtkosten fürs fachmännische Anbringen noch dazu kommen".

Noch etwas teurer werden individuelle Muster, zum Beispiel mit Firmen-Logos: "Aber für Unternehmen kann das durchaus attraktiv sein, weil es gleichzeitig eine Werbe-Maßnahme ist", so Judith Förster. Das Projekt gegen Vogelschlag des BUND wird finanziell von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen unterstützt, daher kann Judith Förster auch Privatleute und Bauherren kostenlos zu sinnvollen Mustern und Maßnahmen beraten. "Hersteller für Werbefolien in der Nähe findet man im Internet".

"Viel sinnvoller als im Nachhinein nachzurüsten, ist es natürlich, gleich beim Bau gegen Vogelschlag vorzubeugen", empfiehlt Judith Förster. Dann lässt man die Muster direkt ins Glas drucken, sandstrahlen oder ätzen. Oder man installiert außen Brise-Soleil, das sind lammellenartige Jalousien, die sich auch je nach Lichteinfall ändern lassen. Mit ihrer Kordel-Lösung ist Judith Förster zufrieden; lediglich oben, wo sie etwas durchhängen, wird sie noch ein paar zusätzliche Saugnäpfe anbringen.

Stand: 13.01.2018, 00:00