Nicht jedes Wespennest muss entfernt werden

Wespen-Abwehr Markt 28.08.2019 07:57 Min. UT Verfügbar bis 28.08.2020 WDR Von Melanie Jost

Nicht jedes Wespennest muss entfernt werden

Von Philip Raillon

  • Nester nur an gefährlichen Stellen beseitigen
  • Entfernung durch einen professionelle Kammerjäger
  • Verbraucherzentrale warnt vor Abzocker-Firmen

Mitte August herrscht in den Wespennestern Hochbetrieb. Wer ein störendes Nest hat, sollte auf keinen Fall selbst drangehen, sondern einen Experten rufen. Schädlingsbekämpfer entfernen Nester für - je nach Größe und Lage - bis zu etwa 200 Euro.

Wenn Wespen an Gartenmöbeln knabbern

Zum Bau ihrer Nester verwenden Wespen unterschiedliche Materialien. Schauen Sie mal genau hin - vielleicht haben die Insekten auch Raspel Ihrer Gartenmöbel verarbeitet ...

Wespennest

Fragile Pracht: Das ist keine ausgefallene Tischlampe, sondern ein Wespennest - sorgfältig in tagelanger Arbeit zusammen gefügt. Das Baumaterial: Papier.

Fragile Pracht: Das ist keine ausgefallene Tischlampe, sondern ein Wespennest - sorgfältig in tagelanger Arbeit zusammen gefügt. Das Baumaterial: Papier.

Das stellen die Wespen selbst her - aus Bambus, Schilfrohr oder aus Holz. Eigentlich sind verfallene Bäume im Wald die erste Wahl, die Tiere verwerten aber auch Gartenmöbel, Bootsstege und Brücken.

Wenn das Holz ein bisschen verwittert und nicht lackiert ist, können sie sich Schicht für Schicht hinein raspeln. Es sieht aus, als würden sie es fressen - aber der Eindruck täuscht.

Gleichgültig, ob behandelt oder nicht: Haben die Wespen das Holz erstmal zerkleinert, tragen sie es zur Baustelle. Dort wird es, vermischt mit dem Speichel, zum Nest verbaut. Eine Technik, die alle echten Wespenarten und Feldwespen anwenden. Deswegen heißen sie "Papierwespen". Andere Arten setzen dagegen auf Lehm als Baumaterial.

Das Ergebnis ist so klein wie ein Tischtennis- oder so groß wie ein Fußball - je nachdem, ob eine Wespenlarve untergebracht werden muss oder der Nachwuchs eines großen Staates.

Die einzelnen Zellulose-Schichten sind hauchdünn. Drei dieser Schichten werden so ineinandergebaut, dass Kammern entstehen. Sie sind für den Nachwuchs reserviert. Die ausgewachsenen Wespen leben außerhalb - anders als Bienen in ihrem Stock.

Wespen brauchen tierisches Eiweiß, besonders in der Phase, wenn die Brut aufgezogen werden muss. Sie fressen Nektar und Früchte, bohren sich in Trauben und Pflaumen. Deswegen machen sie sich im Sommer über die Grillwurst und den Pflaumenkuchen her.

Mitte August löst sich der Staat auf. Die Königin stirbt, nur ein paar Arbeiterinnen fliegen auf der Suche nach Nahrung aus. Das Nest bleibt leer - bis zur Besiedelung im nächsten Jahr. Dann wird es recycelt: gründlich zerkaut, mit Speichel vermischt - und wieder verbaut.

Schon am Telefon nach einem Preis fragen

Passende Firmen gibt es oft direkt in der Umgebung. Die Verbraucherzentrale warnt aber vor Kammerjägern, die überzogene Preise verlangen. Bei denen kann eine Nestbekämpfung schnell sehr teuer werden - teils weit über 1.000 Euro.

Wer darauf reingefallen ist, sollte nicht direkt vor Ort bezahlen, sondern eine Rechnung fordern, rät Carolin Semmler, Anwältin der Verbraucherzentrale. Dies lässt sich aber womöglich auch gleich ganz vermeiden, wenn Verbraucher schon am Telefon nach einem groben Preis fragen.

Seriöse Unternehmen beraten die Kunden erst

Schädlingsbekämpfer Sebastian Rechkemmer vom Wuppertaler Unternehmen Holl und Stockhausen berät die Kunden ohnehin erst. Denn nicht jedes Nest muss wirklich entfernt werden. Nur, wenn es eine Gefahr darstellt, wird er tätig. Also etwa, wenn die Wespen direkt neben der Haustür leben.

Muss ein Nest entfernt werden, werden die Tiere mit einem Nervengift getötet. Zusätzlich kommt ein Schaum auf den Eingang. Dadurch sterben auch die Wespen, die zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs sind. Für Menschen entsteht dadurch keine direkte Gefahr.

Teils Umsiedlung bei kleinen Nestern möglich

Teilweise lassen sich Wespenbauten auch mit biologischen Stoffen bekämpfen, sagt Bärbel Holl, Vorsitzende des ökologischen Schädlingsbekämpfer-Branchenverbandes VFöS. Diese ließen sich aber nur bei kleineren Nestern einsetzen und nur, wenn diese gut erreichbar sind.

Derartige Nester lassen sich teils aber auch umsiedeln, sagt der NABU. "Viele unserer Ortsgruppen bieten das an", so Birgit Königs, Pressesprecherin vom NABU NRW. Und auch die Schädlingsbekämpfer machen das - allerdings ist dies oft ein sehr aufwendiger und teurer Prozess. "Die bessere Lösung ist deshalb, wenn die Nester einfach bleiben können", so Bärbel Holl vom Branchenverband.

Töten als letzte Wahl

Viele Verbraucher unterschätzen dabei, dass viele Wespenarten Menschen ohnehin in Ruhe lassen. Das Töten sollte daher die letzte Wahl sein. Denn Wespen erfüllen wichtige Aufgaben im natürlichen Lebenskreislauf und fressen etwa Mücken oder Fliegen.

Stand: 15.08.2019, 14:36