Rückrufaktionen: Autohersteller unter Druck

Rückrufaktionen: Autohersteller unter Druck

Von Nina Magoley

Ob kaputte Steuerkette, fehlerhafte Airbags oder defekter Wischermotor: Fehler bei der Autoproduktion kosten viel Geld - nicht nur den Hersteller. Denn nicht immer kommt es zu Rückrufaktionen.

Das Thema defekte Steuerkette zieht sich seit Jahren durch die Autowelt. Hunderte frustrierter VW-Besitzer meldeten sich mit ihren Erfahrungen allein beim WDR, auch in Internetforen ist der Ärger groß: Bei diversen VW-Modellen aus den Baujahren 2006 bis 2010 wurden offenbar fehlerhafte Steuerketten eingebaut. Geht dieses Teil kaputt, kann das den ganzen Motor zerstören.

VW bietet Kulanz - oder doch nicht?

2012, als das Problem offensichtlich wurde, hatte VW zwar keine Rückrufaktion eingeleitet, aber immerhin gegenüber der Zeitschrift "Autobild" angeboten, sämtliche betroffenen Fahrzeuge auf Kulanz zu reparieren. Doch bis heute sind offenbar viele VW-Besitzer auf den Kosten ihrer Reparatur sitzen geblieben, wie Recherchen der WDR Servicezeit zeigen.

VW und die Kulanz

WDR 2 Servicezeit | 13.03.2018 | 03:33 Min.

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Rückrufquoten steigen kontinuierlich

In anderen Fällen sprechen Autohersteller konkrete Rückrufaktionen aus. Nach Angaben des ADAC mussten allein im Jahr 2017 mehr als 1.000 Fahrzeugtypen zurückgerufen werden.

Nach Angaben des "Center of Automotive Management" (CAM) in Bergisch Gladbach lag die Rückrufquote im Jahr 2016 in den USA bei 291 Prozent - fast dreimal mehr, als dort Fahrzeuge verkauft wurden. Zwei Drittel der Fälle betrafen fehlerhafte Airbags. Das CAM beruft sich auf den US-Markt, weil hier Absatzgröße, scharfe Sicherheitsrichtlinien und ein hohes Klagerisiko "ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilkonzerne" sei.

Deutsche Hersteller wie VW (320 Prozent), BMW (304 Prozent) und Daimler (296 Prozent) mischten in dieser Negativstatistik ganz oben mit. Die Zahl der Rückrufe steigt mit fast jedem Jahr. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt Professor Stefan Bratzel, Leiter des CAM.

Produktionsdruck führt zu Fehlern

Steigender Kostendruck bei den Zulieferern führe dazu, dass Autoteile möglichst kostenkünstig hergestellt werden "und so an falscher Stelle gespart wird", sagt Branchenexperte Bratzel. Neue Entwicklungen liefen außerdem immer schneller und würden zunehmend nicht auf der Straße, sondern in Simulationen getestet. Hinzu komme: In neuen Autos sei heutzutage mehr komplizierte Technologie verbaut, "daher kann auch mehr kaputt gehen".

Zu Rückrufaktionen seien Autohersteller dann verpflichtet, wenn "sicherheitsrelevante" Problemen auftreten. Im Fall der Steuerkette von VW, so der Experte, sei das wohl nicht der Fall. Wenn hier alle Schäden per Kulanz ersetzt würden, sei das aus seiner Sicht ausreichend. Doch gerade darauf, so scheint es, warten viele der betroffenen VW-Besitzer vergeblich.

Stand: 13.03.2018, 16:50