Länger als MHD

Lebensmittelvorräte

Länger als MHD

Von Ulla Scholz

Weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus sind viele Lebensmittel noch monatelang genießbar. Bei einigen Produkten ist jedoch Vorsicht geboten, da sich mit bloßem Auge nicht erkennen lässt, ob sie verdorben sind. Ulla Scholz erklärt uns, was wir bei der Lebensmittelrettung beachten sollten.

Länger als MHD

WDR 4 Ullas Lieblingsrezepte 22.06.2021 01:58 Min. Verfügbar bis 20.09.2021 WDR 4


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Wer vorher probiert, wirft weniger weg

Der Hersteller garantiert mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD) die Produktqualität bis zu diesem Zeitpunkt – mit Verderb oder Verfall hat das nichts zu tun. Es handelt sich nicht um einen Stichtag, an dem das Lebensmittel sofort entsorgt werden muss. Sind zum Beispiel Mehl, Rosinen oder Joghurt abgelaufen, reicht zunächst eine sensorische Prüfung, um festzustellen, ob alles noch in Ordnung ist. Riecht nichts faulig oder gegoren, sieht man keinen Schimmel, ist nichts geronnen und gibt es keinen Ungezieferbefall – wie Mehlmotten – wird probiert. Wenn weder ein ranziger oder bitterer Geschmack auf der Zunge bleibt oder etwas plötzlich unerwartet sauer schmeckt, prickelt oder Blasen wirft, steht dem Verzehr nichts mehr im Wege.

Mach es wie die Küchenprofis: Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken

Lebensmittel sollten auch vor Ablauf der Mindeshaltbarkeit vor der Zubereitung in der Küche mit allen Sinnen begutachtet werden – so lernen es Köchinnen und Köche in der Ausbildung. Letztlich könnten Produkte durch die Unterbrechung der Kühlkette, durch falsche Lagerung, durch Schädlingsbefall, durch Verunreinigung oder durch Produktionsfehler zu jedem Zeitpunkt ungenießbar geworden sein. Wer für andere professionell kocht, trägt eine hohe Verantwortung. Daheim verhält es sich nicht anders. Insbesondere, weil hier empfindliche Personen wie Kinder, Kranke und Hochbetagte mitversorgt werden.

Lebensmittelvorräte

Vorratsschrank öfter checken und Geöffnetes in Gläser umfüllen


Sensorische Fähigkeiten sind immer gefragt, wenn Unverpacktes – ohne MHD-Aufdruck – von der Frischetheke oder auf dem Wochenmarkt gekauft wird und man nach Tagen rätselt, ob Mettwurst, Makrele oder Mozzarella noch essbar sind. Wer sich bei der Beurteilung eines Lebensmittels unsicher fühlt, kann vielleicht eine andere Person probieren lassen. Besonders sensibel sind Kinder, die sofort herausschmecken, ob die Milch sauer ist. Vorsicht ist auch angesagt, wenn Speisen stark gewürzt oder mariniert wurden – hier können Aromen wie Curry , Paprika und Kreuzkümmel den verdorbenen Geschmack überlagern.

Wo Sensorik nicht mehr weiterhilft

Es gibt gefährliche Mikroorganismen, die man weder sieht noch schmeckt. Die vermehren sich schon nach kurzer Zeit in frischem Geflügel-, Schweine-, Rind- und Lammfleisch, sowie in Wild und Kaninchen. Insbesondere Hackfleisch und Tartar sind problematisch, da sich an der großen Oberfläche schnell unzählige Keime ansiedeln.
Sie sollten sich hier in jedem Fall an das Verbrauchsdatum halten. Das gilt genauso für frischen Fisch, Räucherlachs, Matjes und Krustentiere. Eier lassen sich bis zu diesem Zeitpunkt noch roh verarbeiten, sind aber danach nur gut abgekocht oder in Kuchen und Aufläufen unbedenklich. Es handelt sich bei diesen beschriebenen Lebensmitteln um empfindliche Produkte, die nach dem Verfallsdatum von Salmonellen, Listerien und anderen Übeltätern kontaminiert sein und lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen können.

Wie vermeide ich Lebensmittelverschwendung im Haushalt?

  • Eine Einkaufsliste erstellen
  • Nur so viele leicht verderbliche Lebensmittel einkaufen, wie benötigt werden
  • Vorrats- und Kühlschrank regelmäßig kontrollieren
  • Konserven, bei denen sich der Deckel wölbt, entsorgen
  • Angebrochene Mehle, Grieß, Haferflocken, Rosinen etc. in Twist-Off-Gläser füllen (schützt vor Schädlingsbefall und Schimmel) und bewahrt die Aromen.
  • Aus Gemüseresten oder braunen Schnittstellen eine Brühe kochen
  • Frische Lebensmittel, wie Käse oder Wurst, die man nicht sofort benötigt, vakuumieren.
  • Gewürze kühl, dunkel und gut verschlossen aufheben (Schimmelbefall)
  • Im Zweifel Suppe, Brühe oder eine Milch erst einmal aufkochen. Schäumt nichts, riecht nichts, flockt nichts aus, ist alles in Ordnung.
  • Wein, der nicht getrunken wird, als Kochwein in kleinen Einheiten einfrieren
  • Bevor man Essbares wegwirft, lieber verschenken oder an einem Lebensmittel-Fairteiler abgeben.

Das Kurioseste zum Schluss: Haltbarkeitsdatum auf der Salzpackung
Salz bleibt ein Leben lang haltbar– schließlich lagert es seit Jahrtausenden in Salzstöcken unter der Erde.

Tipps und Tricks zur Lebensmittelrettung
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Stand: 21.06.2021, 00:00