Pfefferspray & Co: Aufrüsten für den Angriff?

Pfefferspray & Co: Aufrüsten für den Angriff?

  • Angst vor Übergriffen offensichtlich gestiegen
  • Mehr kleine Waffenscheine in NRW beantragt
  • Polizei rät von Reizgas und Schreckschusswaffen ab
  • In Notsituationen besser lautstark um Hilfe rufen

Offenbar nimmt die Angst vor Überfällen zu. Zumindest sind seit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 die Anträge auf einen kleinen Waffenschein, der zum Tragen von Reiz-, Signal- und Schreckschusswaffen benötigt wird, gestiegen. Sind Waffen und Reizgase in Notsituationen sinnvoll? Fragen und Antworten zur Selbsthilfe.

Welche Verteidigungsmittel sind erlaubt?

Solange Pfefferspray als "Tierabwehrspray" deklariert wird, darf es jeder besitzen. Nicht als Tierabwehrspray gekennzeichnet, benötigt man einen kleinen Waffenschein zum Mitführen. CS-Gas (Reizgas) mit Prüfzeichen darf an Personen ab 14 Jahren abgegeben werden.

Unproblematisch sind Alarmgeräte wie Pfeifen und Sirenen, die bei einem Angriff einen potenziellen Täter in die Flucht treiben sollen. Neben der klassischen Trillerpfeife gibt es auch modernere Varianten, beispielsweise ein Pieper, der sich an der Handtasche oder am Schlüsselbund befestigen lässt.

Elektroimpulsgeräte, sogenannte Elektroschocker, mit PTB-Prüfzeichen dürfen ab 18 Jahren gekauft und mitgeführt werden. Ohne Prüfzeichen sind der Erwerb und das Führen verboten.

Wozu benötigt man einen "kleinen Waffenschein"?

Reiz-, Signal- und Schreckschusswaffen mit PTB-Zulassungszeichen darf in Deutschland jeder besitzen, der volljährig ist. Wer diese aber außerhalb eines geschützten Raums (Haus, eigenes Grundstück) mitführen will, benötigt einen kleinen Waffenschein. Diese Genehmigung erteilen die örtlichen Polizeidienststellen.

Aber: Auf öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen, Jahrmärkten oder im Karneval dürfen Reiz-, Signal- und Schreckschusswaffen grundsätzlich nicht mitgeführt werden.

Welche Waffen sind verboten?

"Scharfe Schusswaffen" dürfen nur mit einer Waffenbesitzkarte erworben werden. Und man braucht einen Waffenschein, wenn man sie mitnehmen will. Verboten ist es auch, Nachbildungen von Schusswaffen öffentlich mitzuführen.

Hieb- und Stoßwaffen wie Schlagstock, Schwert, Dolch, Wurfmesser dürfen zwar ab 18 Jahren erworben, nicht aber in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. Das Gleiche gilt auch für bestimmte Messer: Einhandmesser, Springmesser und Messer mit feststehenden Klingen über zwölf Zentimetern.

Wie sinnvoll sind Pfefferspray & Co?

Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Hilfsmittel zur Selbstverteidigung kritisch. Grund: Die meisten Menschen sind im Umgang mit Reizgas und Schreckwaffen völlig ungeübt. Das könne in Stresssituationen dazu führen, dass sich das Opfer selbst gefährde.

Zudem kann eine Waffe zu einer Eskalation der Situation führen. "Der Angreifer hat ohnehin eine niedrige Gewaltschwelle", warnt ein Sprecher der Polizeigewerkschaft NRW.

Auch der Einsatz von Reizgas kann das Opfer gefährden. Schließlich überprüfe niemand in einer Notsituation die Windrichtung und setze sich durch das Versprühen möglicherweise selbst außer Gefecht.

Wie verhalte ich mich bei einem Angriff am besten?

Wer sein persönliches Sicherheitsgefühl stärken möchte, besucht am besten einen Selbstbehauptungskurs. Hier wird trainiert, gefährliche Situationen rechtzeitig zu erkennen und abzuschwächen. Studien belegen zudem, dass Selbstsicherheit und Körpersprache der beste Schutz vor Übergriffen sind.

Ist man jedoch bereits in einer konkreten Gefahrensituation, ist es wichtig, lautstark und deutlich auf sich aufmerksam zu machen und sich Hilfe zu holen. Die Polizei rät, Menschen gezielt anzusprechen. "Sie in der blauen Jacke, helfen Sie mir und rufen Sie die Polizei!"

Wehren Sie sich mit lauter, deutlicher Stimme gegen Berührungen oder Bedrängungen, möglicherweise mit Hilfsmitteln wie Trillerpfeifen oder einem Schrillalarm.

Stand: 07.02.2018, 06:00