Unscharfes, hohes Verkehrsaufkommen

Diesel-Skandal: Sammel- oder Einzelklage?

VW

Diesel-Skandal: Sammel- oder Einzelklage?

Von Stefan Göke

  • Prozessauftakt am 30.09. in Braunschweig
  • Sammelklage der Verbraucherzentralen gegen VW
  • Kanzleien fordern Ausstieg aus dieser Klage
  • Einzelklage hat Vor- und Nachteile

In genau einer Woche startet in Braunschweig der Prozess: mehr als 400.000 Dieselfahrer gegen VW im Dieselskandal. Vorwurf: VW soll bei bestimmten Motoren die Abgaswerte geschönt haben. Jetzt, kurz vor dem Start, werden Forderungen von Anwaltskanzleien immer lauter. Sie werben damit, jetzt noch schnell auszusteigen aus dieser Sammelklage und selber gegen VW vorzugehen.

Die Sammelklage

Sie heißt Musterfeststellungsklage und wurde vom Bundesverband der Verbraucherzentralen zusammen mit dem ADAC erhoben. Rund 430.000 möglicherweise geschädigte Dieselfahrer haben sich in ein Register eingetragen und klagen mit. Bis zum Ende des ersten Prozesstages am 30.09. kann man sich auch wieder abmelden.

Vorteile

Der Verbraucher musste sich nur anmelden. Der Prozess kostet ihn nichts, auch im Falle einer Niederlage. Eine mögliche Verjährung seiner Ansprüche wird mit dieser Klage verhindert. Das Risiko für einen Dieselfahrer ist somit gleich null, die Klage ist vor allem für solche Verbraucher gedacht, die sonst gar nichts machen würden.

Die Einzelklage

Viele Anwaltskanzleien raten jetzt noch auszusteigen und selbst zu klagen. Klar ist: damit verdienen die Anwälte wegen der hohen Streitwerte (oftmals 25.000 Euro oder mehr) Geld und wollen deswegen noch mehr Autofahrer aus der Feststellungsklage herauslocken.

Diesel-Skandal vor Gericht

WDR 2 Servicezeit 23.09.2019 04:02 Min. Verfügbar bis 22.09.2020 WDR 2

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Vor- und Nachteile 

Eine Einzelklage birgt ein enormes Kostenrisiko, wenn man nicht rechtsschutzversichert ist und das Geld für den Prozess zumindest vorstrecken muss. Andererseits geht es schneller: Bei der Musterfeststellungsklage wird davon ausgegangen, dass sie bis zur letzten Instanz vier Jahre dauern kann. Danach muss der Einzelne dann aber trotzdem noch selbst seine Schadenersatzansprüche einklagen. Die Individualklage dauert im Schnitt nur ein Jahr. Je länger es dauert, desto mehr verliert der Wagen an Wert. Am Ende wird die Nutzungszeit des Autos (gefahrene Kilometer etc.) in einem Urteil berücksichtigt und senkt den Schadenersatz.

Erfolgsaussichten

Eine Einzelklage kann sich tatsächlich lohnen. Zwar gewinnen nach Aussagen von VW die Autohäuser/die Konzerne meistens, das ist zumindest in NRW aber nicht der Fall. Laut Aussagen der Oberlandesgerichte Hamm, Düsseldorf und Köln gibt es keine Statistiken, aber die Tendenz zu vielen Klagerücknahmen. Heißt wohl im Klartext: Es gab einen Vergleich, in dem das Autohaus dem Kunden Geld gezahlt hat, dabei wird oft Stillschweigen vereinbart. Hautsache, kein negatives Urteil für den Konzern.

Fazit

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Die Werbekampagnen der Kanzleien mögen reißerisch wirken, die Einzelklage kann aber im Einzelfall sinnvoll sein.   

Stand: 23.09.2019, 14:26