Unscharfes, hohes Verkehrsaufkommen

Bahn: Entschädigung bei Verspätung und Zugausfall

Auf einer Anzeigetafel auf dem Hauptbahnhof steht "Zug fällt aus"

Bahn: Entschädigung bei Verspätung und Zugausfall

  • Deutlich mehr Entschädigungen für Bahnkunden im Jahr 2018
  • Fahrgastrechte sind gesetzlich verankert
  • Entschädigungen bei der Bahn beantragen

Im Jahr 2018 lief es nicht immer rund auf der Schiene. Im Winter machten der Bahn Stürme zu schaffen, im Frühjahr schwere Regenfälle und Gewitter, im Sommer Böschungsbrände durch die lange Trockenheit, im Herbst ein brennender ICE und kurz vor Weihnachten schließlich ein Warnstreik.

All das führte zu massiven Verspätungen und Zugausfällen - jeder vierte Fernzug erreichte sein Ziel nicht pünktlich. Und das wurde teuer für die Bahn.

Im Nah- und Fernverkehr musste die Bahn ihren Kunden 53,6 Millionen Euro Entschädigung zahlen. Im Vorjahr waren es nur 34,6 Millionen. 2,7 Millionen Mal füllten Bahnkunden das Verspätungsformular aus - das war ein Drittel mehr als im Jahr 2017. Im Durchschnitt erhielten sie 20 Euro.

Wie pünktlich ist die Bahn in NRW?

WDR 5 Westblick - aktuell 06.02.2019 05:23 Min. Verfügbar bis 06.02.2020 WDR 5

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Entschädigungsregeln

Für Bahnreisende gelten in Deutschland die gesetzlich verankerten Fahrgastrechte auf Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007. Demnach ist bei Verspätung eine Entschädigung beziehungsweise Hilfeleistung fällig:

  • ab einer Stunde: 25 Prozent des Fahrpreises
  • ab zwei Stunden: 50 Prozent des Fahrpreises
  • bei mehr als einer Stunde: Mahlzeiten und Erfrischungen (sofern verfügbar/lieferbar)
  • eventuell Unterbringung in einem Hotel inklusive Transfer (wenn erforderlich)
  • bei mehr als einer Stunde absehbarer Verspätung vor Reiseantritt: Volle Fahrpreiserstattung, wenn man erst gar nicht losfährt
  • zwischen 0 und 5 Uhr oder bei Ausfall des fahrplanmäßig letzten Zuges des Tages: Kostenerstattung bis maximal 80 Euro für die Nutzung eines anderen Verkehrsmittels (Bus oder Taxi)
  • Wenn abzusehen ist, dass der Zug mindestens 20 Minuten zu spät am Ziel eintrifft, darf man einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen

Neue Rechtsprechung

Bisher lehnten die Bahnunternehmen es ab, einen Teil des Fahrpreises zu erstatten, wenn höhere Gewalt wie etwa Unwetter oder Streik im Spiel waren. Zu Unrecht, wie der Europäische Gerichtshof 2013 entschieden hat. Doch Schadensersatz für Mehrkosten, die Reisenden durch den Zugausfall entstehen, zum Beispiel durch einen verpassten Flug, können Bahnreisende auch auf der Grundlage der EU-Verordnung bei höherer Gewalt nach wie vor nicht verlangen.

Zusätzliche Regelungen für den Nahverkehr

  • Hat ein Zug schon am Startbahnhof mehr als 20 Minuten Verspätung, dann greift in NRW die sogenannte Mobilitätsgarantie
  • Dann darf man einen anderen (gegebenenfalls höherwertigen) Zug benutzen
  • Die Mobilitätsgarantie NRW greift aber nicht bei Streik, Unwetter, Naturgewalten oder Bombendrohungen
  • Sofern kein anderes öffentliches Verkehrsmittel genutzt werden kann, werden auch die Taxikosten erstattet. Zwischen 5 und 20 Uhr werden maximal 25 Euro erstattet, von 20 bis 5 Uhr sind es 50 Euro pro Person. Reisende können sich ein Taxi teilen

Wochenkarten, Monatskarten, Jobtickets, Semestertickets

Wer eine Zeitkarte hat wird pauschal entschädigt. Das bedeutet: Man sollte über die gesamte Geltungsdauer der Zeitkarte die Verspätungsfälle sammeln und diese Aufstellung nach Ablauf der Karte beim Servicecenter für Fahrgastrechte einreichen. Auch weil die Bahn nur Summen ab 4 Euro ausbezahlt.

Hier gelten ab 60 Minuten Verspätung die folgenden Entschädigungsregeln:

  • Zeitkarten im Nahverkehr, Länder-Tickets, Schönes-Wochenende-Ticket, Jobticket, Semesterticket: 1,50 Euro in der 2. Klasse, 2,25 Euro in der 1.Klasse
  • Quer-durchs-Land-Ticket, Zeitkarten des Fernverkehrs: 5,00 Euro in der 2. Klasse, 7,50 Euro in der 1. Klasse
  • Bahncard 100: 10,00 Euro in der 2. Klasse, 15,00 Euro in der 1.Klasse

Entschädigung beantragen

Das geht bei der Bahn nur über das Fahrgastrechte-Formular. Das kann man zwar am Computer ausfüllen, muss es dann aber unterschrieben zusammen mit der Originalfahrkarte per Post einsenden. Wer die Fahrkarte noch braucht oder wer eine Zeitkarte hat, kann das Formular auch am Schalter abgeben und die Karte dort vorzeigen.

Es gibt einige Dienstleister, die den Papierkram übernehmen - teilweise gegen Gebühr. Die Stiftung Warentest hat vier von ihnen genauer angeschaut.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP)

Wer sich mit seiner Beschwerde erfolglos an das Verkehrsunternehmen (egal ob Bus, Bahn. Flug oder Schiff) gewandt hat, kann sich an die SÖP, die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden. Die SÖP prüft den Sachverhalt und erarbeitet eine Schlichtungsempfehlung.

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