Mineralöl in Kosmetika

Mineralöl in Kosmetika

Von Iris Rohmann

  • Gefahr von Mineralölen in Kosmetik wird unterschiedlich eingeschätzt
  • Stiftung Warentest findet bedenkliche Stoffe in Lippenpflege
  • Es gibt Alternativen für Verbraucher

Mineralöl findet sich in vielen Kosmetika - weil dieses Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen viele Vorteile hat: Es ist geschmeidig, günstig, geruchslos und haltbar. Aber diese Stoffe bergen auch Risiken, vor allem, wenn sie in den Körper gelangen.

Was ist MOAH?

Es gibt chemische Fraktionen des Mineralöls, die bei Toxikologen nicht gern gesehen sind. Zum einen handelt es sich um MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) – diese Stoffe können sich im Körper ansammeln, vor allem im Fettgewebe. Die gefährlichere Gruppe aber heißt MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). In Lebensmitteln werden sie schon seit längerem kritisch gesehen. Nun hat die Stiftung Warentest in Kosmetika bis zu 15.000-mal so viele mineralölhaltige Stoffe gefunden wie in Lebensmitteln. In manchen Produkten betrug die Menge fast zehn Prozent des Gesamtvolumens.

Aus tierexperimentellen Studien ist bekannt, dass derartige Mineralölgemische zu Ablagerungen und Schäden in der Leber und den Lymphknoten führen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht vor allem in MOAH ein erbgutveränderndes und krebserregendes Potential. Unklar ist bisher, bei welchen Dosierungen diese Effekte eintreten.

Mineralöl in Kosmetika – Gefahr oder harmlos?

Die Stiftung Warentest rät, dass die Aufnahme von MOSH und MOAH möglichst gering gehalten werden sollte. Vor allem Lippenprodukte werden jedoch aufgetragen, abgeleckt und geschluckt, daher raten die Tester von mineralölhaltiger Lippenpflege ab. Für die Verbraucherzentrale NRW betont Kerstin Etzenberg-Effers, dass Mineralöle in Lippenpflege nichts zu suchen hätten. Und in Cremes auch nicht - bis geklärt ist, ob und wieviel MOAH über die Haut aufgenommen wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht eine gesundheitliche Gefahr durch Mineralölprodukte vor allem bei Lebensmitteln: "Die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Mineralölbestandteilen aus Verpackungen ist unerwünscht", heißt es. Was die Funde von MOAH in Kosmetika angeht, hält das BfR "nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand gesundheitliche Risiken [für] unwahrscheinlich." Allerdings bezieht sich das Bundesamt vor allem auf die Aufnahme über die Haut. Bei Lippenprodukten gelten die Spezifikationen, die die EFSA für Lebensmittel festlegt. Bisher, betont das BfR, gebe es keine Daten, "die belegen, dass diese Vorgaben [...] nicht eingehalten werden."

Tipps für Verbraucher

Kosmetika gehen auch ohne Mineralöl:

  • Mineralöle verbergen sich hinter folgenden Begriffen: Mineral Oil, Petrolatum, Paraffinum (Liquidum oder Subliquidum), Cera Microcristallina oder Microcrystalline Wax, Ozokerit, Ceresin, Vaseline.
  • Die kostenfreie AppCodecheck erkennt Kosmetikprodukte mit Mineralölen.
  • Naturkosmetik ist grundsätzlich mineralölfrei, hier gibt es das BDIH-Siegel, sowie das NaTrue-Siegel.

Stand: 02.03.2017, 12:00