Lipödem - die unerkannte (Volks-)Krankheit

Lipödem - die unerkannte (Volks-)Krankheit

Von Juan Yanez-Mejias

  • Unkontrolliertes Wachstum der Fettzellen
  • Therapien meist langwierig und schmerzhaft
  • Krankenkassen übernehmen kaum Operationskosten

Meist beginnt die Krankheit Lipödem in der Pubertät. Was zuerst aussieht wie weibliche Rundungen entwickelt sich über die Jahre zu angeschwollenen und deformierten Beinen. Es entstehen die typischen Reiterhosen. Die Krankheit heißt Lipödem und ist eine chronische und vermutlich erbliche Fettverteilungsstörung. 

Diäten und Sport helfen nicht. Rund vier Millionen betroffene Frauen bundesweit leiden jahrelang unter ihrem Aussehen und heftigen Schmerzen.

Was ist Lipödem

Das Lipödem ist eine nur langsam voranschreitende Erkrankung des Gefäßsystems. Es ist ein Abflussproblem der Lymphe. Flüssigkeit wird nicht mehr aus den Zellen abtransportiert. Die betroffenen Stellen entzünden sich. Die Fettzellen vergrößern sich. Die Folge: heftige Spannungs- und Druckschmerzen in Armen, Po und Beinen.  

Krankheit wird häufig nicht erkannt

Häufig wird Lipödem als Krankheit überhaupt nicht erkannt. In Deutschland gibt es nur wenige Ärzte, die dieses Krankheitsbild diagnostizieren und behandeln können. Das Lipödem wird häufig mit einem Lymphödem oder Adipositas verwechselt.

Das Gefäßmedizinische Netzwerk in Münster hilft

Seit eineinhalb Jahren gibt es in Münster das Gefäßmedizinische Netzwerk. Hier arbeiten Gefäßmediziner, Chirurgen, Therapeuten und Krankenhäuser Hand in Hand. Es wird zunächst konservativ behandelt mit Kompressionsstrümpfen und regelmäßigen Lymphdrainagen. Sind diese Therapien ausgereizt, wird operiert.

Therapie beim Lipödem: Fettabsaugung kann helfen

Dauerhafte Besserung verspricht nur eine spezielle Art der Fettabsaugung - die Liposuktion - bei der die kranken Fettzellen restlos an allen betroffenen Stellen entfernt werden. Meist sind deswegen mehrere Eingriffe nötig. Die Chance ist groß, dass die Fettzellen nicht mehr nachwachsen. Der Eingriff selbst ist schmerzhaft und teuer.

Krankenkassen sollen Operation künftig bezahlen   

Bei der konservativen Therapie übernehmen die Krankenkassen einen Großteil der Kosten. Die Liposuktion übernehmen viele Kassen nicht, sie ist nicht im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen enthalten.

Das könnte sich künftig ändern: Ab dem 1. Januar 2020 soll für Frauen, die unter Lipödem ab Stadium drei leiden, die Liposuktion zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können - zunächst befristet bis 2024. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor auf eine Regelung gedrungen.

Bessere Ausbildung von Fachärzten

Bislang ist die Kostenübernahme für die Operation ein Kampf gewesen. Trotzdem schaffte es das Münsteraner Netzwerk immer wieder, die Krankenkassen davon zu überzeugen, die Kosten doch zu übernehmen.

Der Vorsitzende des Netzwerkes, Dr. Florian Lüders, wünscht sich eine bessere Ausbildung der Fachärzte. Es gibt noch zu wenig spezialisierte Kollegen, die eine verlässliche Diagnose stellen können.

Stand: 12.02.2019, 13:35