Notfallsets gegen Insektenstiche vergriffen

Notfallsets gegen Insektenstiche vergriffen

  • Vermehrt Nachrichten über allergische Schocks nach Wespenstichen
  • Notfallsets, die dagegen helfen, sind in vielen Apotheken vergriffen
  • Hersteller sprechen von technischen Problemen

Ein Herner Kleingärtner stirbt, nachdem er von Wespen gestochen wurde. Auch Ex-Radprofi Andreas Kappes starb kürzlich an den Folgen eines allergischen Schocks nach einem Insektenstich. Rund 20 Todesfälle nach Stichen von Bienen, Wespen oder Hornissen werden jährlich gemeldet.

Ärzte raten Allergikern deshalb, jederzeit ein Notfallset bei sich zu tragen. Darin befinden sich eine Adrenalinspritze, ein flüssiges Antihistaminikum und ein Kortison-Präparat.

"Produktionsprobleme" beim Hersteller

Notfallset für Allergiker

Notfallset für Allergiker

Doch zurzeit sieht es schlecht aus für jeden, der sich ein solches Notfallset zulegen möchte: Der "Fastjekt", ein Pen, mit dem das Adrenalin injiziert werden kann, ist ausverkauft. Der Hersteller Pfizer, der 80 Prozent Marktanteil hält, kann nach eigenen Angaben seit Ende Juli nicht liefern. Pfizer begründet den Engpass mit "Prozessänderungen" bei der Produktion.

Konkurrenz hat ebenfalls Engpässe

Die Hersteller der zwei Konkurrenzprodukte Emerade und Jext kommen derzeit nicht nach, um die Lücke zu füllen. Auch bei Internet-Apotheken heißt es bei allen drei Produkten fast überall "zurzeit nicht lieferbar" oder "ausverkauft".

Injektionspen blockierte

Notfallset für Allergiker: Adrenalin-Spritze

Adrenalin-Spritze zur Selbstverabreichung

Als Grund dafür, dass Apotheker derzeit auch das Konkurrenzprodukt Emerade nicht geliefert bekommen, vermutet die Onlineausgabe der Deutschen Apothekerzeitschrift technische Probleme bei dem Adrenalin-Pen: In seltenen Fällen hatte die Mechanik beim Einsatz des Emerade-Pens offenbar blockiert. Schon seit Juni habe der Hersteller Allergikern dringend empfohlen, grundsätzlich zwei Pens bei sich zu haben. Ein Rückruf des Geräts sei aber nicht erfolgt.

Für September habe Pfizer aber neue Lieferungen des Fastjekt angekündigt, sagt Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein. Die Dosierung für Kinder solle ab Ende August wieder erhältlich sein.

Nicht mehr allergische Schocks als früher

Bei einem allergischen Schock geht es um Minuten: Blutdruckabfall und Schwellungen, die zu Atemnot führen, können schnell tödlich enden. Mit dem Notfallset lassen sich diese Symptome stoppen.

"Wer einen allergischen Schock erleidet, braucht sofort Hilfe", sagt Preis. Allerdings gehe er nicht davon aus, dass heute mehr Menschen betroffen sind als früher. Auch komme es nicht bei jedem ausgewiesenen Allergiker nach einem Wespenstich durchweg zum Schock. Außerdem müsse ein Mensch mindestens zweimal gestochen werden: Beim ersten Stich bilden sich Antikörper, auf die der Gestochene dann erst beim zweiten Stich allergisch reagieren kann.

Stand: 09.08.2018, 12:07