Zähne: Stark, aber angreifbar

Ein Gebiss wird untersucht.

Zähne: Stark, aber angreifbar

Einer Kraft von bis zu 80 Kilogramm pro Quadratzentimeter können unsere Zähne standhalten.. Nichtsdestotrotz sind unsere Zähne nicht unverwundbar. Bei mangelnder oder falscher Pflege können Erkrankungen wie Zahnfleischentzündung, Karies oder Parodontitis entstehen.

Karies

Die gute Nachricht: Die Zahl der Karieserkrankungen geht in Deutschland immer weiter zurück. 81 % der zehn- bis zwölfjährigen sind heute kariesfrei. 1997 waren das noch halb so viele. Auch bei den 35- bis 44-jährigen ist die Zahl seitdem um circa 50 % zurückgegangen. Dennoch ist Karies eine der häufigsten Zahnerkrankungen in Deutschland.

Im Mund haben wir gute und schlechte Bakterien. Die schlechten verstoffwechseln Kohlenhydrate und produzieren dabei Säuren. Diese Säuren greifen die Zahnoberfläche an, sodass Löcher im Zahnschmelz entstehen und Bakterien eindringen können. Unbehandelt kann das schmerzhafte Entzündungen, Zahnverlust oder sogar Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

Parodontitis

Auch bei Parodontitis handelt es sich um eine relativ weit verbreitete Krankheit, die bei jüngeren Erwachsen erfreulicherweise rückläufig ist. Die Parodontitis ist ein bakterielle Entzündung, die etappenweise verläuft. Manchmal dauert sie Jahre oder Jahrzehnte, bei einem aggressiven Verlauf aber auch nur Wochen oder Monate. Wenn nicht rechtzeitig reagiert wird, lockern sich die Zähne und fallen aus.

Ausgelöst wird Parodontitis durch Beläge auf den Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen. Diese Beläge bestehen aus vielen verschiedenen Bakterien, deren Stoffwechselprodukte die Entzündung herbeiführen. Heißt: ohne Beläge, keine Parodontitis. Die Beläge sind zunächst weich und verhärten sich mit der Zeit, sodass Zahnstein entsteht. Der Zahnstein macht die Zahnoberfläche rau und bietet dadurch Bakterien die idealen Voraussetzungen sich auszubreiten.

Um sie abzuwehren, reagiert das körpereigene Immunsystem zunächst mit einer oberflächlichen Entzündung des Zahnfleisches. Zwar verhindert die – oftmals sogar über einen längeren Zeitraum – das Eindringen der Bakterien, doch langfristig kann diese Abwehrbarriere nicht erhalten werden. Erfolgt keine Behandlung, dringen die Bakterien tief in das Gewebe ein und die Entzündung wird chronisch. Letztlich führt das zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Die Parodontitis zerstört das Gewebe und schreitet fort.

Kreidezähne

Als neue Volkskrankheit – vor allem unter Kindern - gehandelt, warnen deutsche Zahnärzte immer häufiger vor sogenannten Kreidezähnen.

Zehn bis 15 Prozent aller Kinder seien inzwischen betroffen. Unter den Zwölfjährigen leidet bereits jeder Dritte unter der noch relativ unerforschten Krankheit. Merkmal sind poröse Zähne, bei denen sich der Zahnschmelz nicht richtig ausgebildet hat. Oft ist das durch Flecken auf den Zähnen erkennbar. Zum Teil klagen Betroffene aber auch unter Hitze- und Berührungsempfindlichkeit bis hin zum Abbrechen des Zahns.

Die betroffenen Zähne bahnen sich ihren Weg bereits beschädigt durch den Kiefer hinein in die Mundhöhle. Die Krankheit entsteht also folglich vor Beginn der Zahnbildung. Danach kann sie nicht mehr ausbrechen. Am häufigsten befallen sind die Backenzähne. Da die Krankheit erst seit 1987 bekannt ist, weiß man noch relativ wenig über Ursachen und somit Behandlungsmöglichkeiten bzw. Vorsorge.

Ein möglicher Auslöser könnte aber in dem Stoff Bisphenol A stecken, der bis 2011 als Weichmacher in Plastik und somit auch in beispielsweise Babyflaschen, verwendet wurde. Es sind aber auch andere Ursachen denkbar wie Umweltgifte, Infektionskrankheiten, Antibiotika oder Probleme während der Schwangerschaft.

Weitere Erkrankungen und ihre Behandlung
Abszesse:• Eiteransammlungen im Gewebe aufgrund von Entzündung der Zahnwurzel- oder Zahnfleischtaschen, häufig auch bei Durchbruch der Weisheitszähne
• Kann zu schmerzhaften Schwellungen und Fieber führen
• Zahnärztliche Behandlung durch Entleeren und Spülen, ggf. Antibiotika
Aphten:• Bläschen an den Schleimhäuten der Mundhöhle ähnlich wie Herpes
• Erkennbar durch weißlichen Fibrinbelag
• Öffnen sich häufig nach kurzer Zeit und werden zu linsengroßen offenen Wunden
• Ursachen: Allergien, (Herpes-) Viren, Nährstoffmangel
• Psychische und physische Stressfaktoren
• Behandlung bei geringem Befall nicht nötig. Ansonsten lindern entzündungshemmende Salben oder Gels mit desinfizierendem Wirkstoff.
Gingivitis:• Akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs
• Häufig durch Zahnbelag (Plaque)
• Rötungen, Schwellungen, Bluten
• Kann zu einer Parodontitis führen
• Behandlung durch gründliche Mundreinigung, ggf. durch Zahnarzt, oder Antibiotika
Kieferzysten:• Abgekapselte Hohlräume im Kiefergewebe
• Häufig Folge von Zahnwurzelentzündungen, selten durch Störung bei der Zahnentwicklung
i.d.R. gutartig und nicht schmerzhaft, wachsen jedoch immer weiter und können den Kieferknochen schwächen und letztlich schmerzhaft sein
• Behandlung durch operative Entfernung
Periimplantitis• Implantat-Äquivalent zu Parodontitis
• Anstelle von Zahnhalteapparat entzündet sich das Implantat-Bett
Pulpitis• Entzündung des Zahnmarks oft aufgrund von Karies
• Kann zu Parodontitis führen
• Im frühen Stadium Füllungstherapie, bei fortschreitender Entzündung Wurzelbehandlung

Stand: 16.09.2019, 14:20