Labortest: Kein Wohlfühl-Tee ist schadstofffrei

Labortest: Kein Wohlfühl-Tee ist schadstofffrei

Von Katrin Niemann

  • Labortest mit sechs "Wohlfühl-Tees"
  • Giftige Pyrrolizidinalkaloide und Schwermetalle gefunden
  • Keine gesetzlichen Grenzwerte für Blei

Der WDR hat sechs verschiedene Kräuterteemischungen im Labor auf Pestizid-Rückstände, Schwermetalle und Pyrrolizidinalkaloide (PA) untersuchen lassen. Das Ergebnis: Kein Produkt in dieser Stichprobe ist frei von Schadstoffen.

Die Ergebnisse im Überblick

Für die detaillierten Ergebnisse der einzelnen Teesorten klicken Sie bitte auf die Lupe.

Pyrrolizidinalkaloide - Gift aus der Natur

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind giftige Stoffe, die einige Wildkräuter zum eigenen Schutz bilden. Sie sind schädlich für die Leber und gelten als krebserzeugend und erbgutverändernd. Gelangen diese Wildkräuter in die Ernte, können sie den Tee stark belasten.

Deshalb müssen Hersteller eine gute Qualitätskontrolle haben, um die Wildkräuter auszusortieren. Von der vergleichsweise stark belasteten Probe von dm sollten Tee-Fans nicht mehr als einen halben Liter pro Tag trinken.

Keine gesetzlichen Schwermetall-Grenzwerte für Tee

Von Schwermetallen wie zum Beispiel Blei ist bekannt, dass sie sich im Körper anreichern und verschiedene Organe schädigen können. Schwermetalle gelangen oft aus der Umwelt in oder auf die Pflanzen. In allen sechs untersuchten Teeproben wurden sowohl Quecksilber als auch Arsen und Blei in unterschiedlicher Konzentration nachgewiesen.

Das Gesundheitsrisiko gilt als überschaubar, da Schwermetalle nur zu einem geringen Prozentsatz in das Teewasser übergehen.

Außer für Quecksilber gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Schwermetall-Rückstände in Tee. Das Bundesumweltministerium erklärte gegenüber dem WDR, dass die Lebensmittelwirtschaft im wesentlichen für die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und –qualität verantwortlich sei.

Was kann ein Wohlfühltee Gutes bewirken?

Eine bestimmte gesundheitliche Wirkung, darf man von "Wohlfühl-Tees" nicht erwarten. Die Tees sind keine Arzneitees - für die im Übrigen strengere Qualitätsvorgaben gelten -, sondern Lebensmittel. Deshalb dürfen die Hersteller auch keine konkreten Versprechungen machen wie etwa "fördert die Nachtruhe". Manchmal hilft aber allein die Zeremonie des Teetrinkens beim Entspannen.

Was schützt Tee-Fans vor einer hohen Schadstoffbelastung?

Die Stichprobe zeigt, dass eine Schadstoffbelastung von Tees nicht auszuschließen ist. Bei Tees mit Bio-Siegel ist das Risiko einer Pestizidbelastung gering, aber auch Bio-Tees können Schadstoffe aus der Umwelt wie etwa PA oder Schwermetalle enthalten.

Dokumentation: Stellungnahme des Bundesumweltministeriums zu Schwermetall-Grenzwerten

Der WDR hat beim Bundesumweltministerium wegen der fehlenden gesetzlichen Höchstmengen von Schwermetallen nachgefragt. Hier die Antworten.

Frage: Ist es richtig, dass weder auf EU-Ebene, noch im Codex Alimentarius der WHO für losen Kräutertee Höchstmengen für Blei und Arsen definiert sind? Und das, obwohl die Toxizität von z.B. Blei als gesichert gilt nicht zuletzt, weil es sich im menschlichen Organismus anreichert und verschiedene Organe schädigen kann?

Bundesumweltministeriums: "Es ist richtig , dass weder EU-weit noch im Codex Alimentarius der WHO rechtlich verbindliche Grenzwerte für die Elemente Arsen und Blei als Kontaminante in Kräutertees festgesetzt wurden; Ausnahme: Die „Verordnung (EU) 2015/1005 vom 25. Juni 2015 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 bezüglich der Höchstgehalte für Blei in bestimmten Lebensmitteln“ sieht unter der Ziffer 3.1.5. einen Höchstgehalt in Höhe von 1,50 mg Blei je kg Frischgewicht für Getränke für Säuglinge und Kleinkinder bei Zubereitung durch Aufgießen oder Abkochen vor. Die Fußnote 29 besagt, dass sich der Höchstgehalt auf das im Handel erhältliche Erzeugnis bezieht. Unter diese Kategorie fällt auch Tee. Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass im Tee vorhandene Schwermetalle wie Blei nur zu einem geringen Teil in den Aufguss übergehen und nicht der Schwermetallgehalt im getrockneten Tee, sondern die tatsächliche Exposition des Verbrauchers entscheidend für die Festlegung eines Höchstgehalts ist. Zudem teile ich Ihre Einschätzung zur gesundheitsgefährdenden Wirkung von Blei."

Frage: Wie stellt der Gesetzgeber aktuell sicher, dass Verbraucher vor giftigen Schwermetallen im Tee geschützt werden?

Bundesumweltministeriums: "Auch in den Fällen, in denen kein Höchstgehalt für einen Kontaminanten in einem Lebensmittel festgesetzt ist, gilt: Das Lebensmittel, hier der Tee, muss sicher sein. Die Verantwortung für die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und -qualität liegt bei der Lebensmittelwirtschaft. Wer mit Lebensmitteln Handel betreibt, ist als Lebensmittelunternehmer im Sinne des Artikels 3 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (sog. EU-Basis-Verordnung) anzusehen und muss alle hieraus resultierenden lebensmittelrechtlichen Verpflichtungen erfüllen. Dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass keine durch Schwermetalle kontaminierten, gesundheitlich bedenklichen Kräutertees in den Verkehr kommen. Die Prüfung, ob der Lebensmittelunternehmer seiner Pflicht nachkommt und ein Kräutertee im Einzelfall tatsächlich verkehrsfähig ist, obliegt den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Behörden der Länder."

Stand: 16.10.2018, 18:00