Wie gesund ist Kohlgemüse wirklich?

Das Bild zeigt mehrere aufeinandergestapelte Kohlsorten.

Wie gesund ist Kohlgemüse wirklich?

Gleichgültig zu welchem Kohlgemüse Sie greifen – es ist gesund. Alle Kohlsorten sind kalorienarm: Die meisten Sorten weisen zwischen 10-40 kcal/100g auf.

Jede Kohlsorte mit eigene Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung

Vitamin C findet sich vor allem im Brokkoli und Vitamin E vor allem im Wirsing, aber auch Rot- und Weißkohl. Der Mineralstoff Kalium ist vor allem im Rosenkohl enthalten, Calcium im Grünkohl und Magnesium im Kohlrabi.

Grünkohl ist nicht nur beim Calcium Spitzenreiter – auch bei den anderen Mineralstoffen und Vitaminen weist er relativ hohe Werte auf, sodass sein Ruf als gesündester Kohl seine Berechtigung hat. Jedoch ist Grünkohl leider am ehesten mit Pestiziden belastet. Höchstmengenüberschreitungen der zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind hier jedoch selten. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, greifen Sie beim Grünkohl zu Bio-Produkten.

Kohlsorten enthalten abgesehen von Vitaminen und Mineralstoffen auch andere gesunde Substanzen. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kohlgemüse stehen derzeit im Focus einiger medizinischer Forschungsarbeiten.

Kohl als Gesundmacher

Grünes Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli enthält viele Pflanzen-Farbstoffe (Lutein und Zeaxanthin). Forscher der Universität Jena haben diese Stoffe in Zusammenhang mit der derzeit  noch unheilbaren Augenkrankheit – der Altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) untersucht. Durch schädliche UV-Strahlung und durch die Ablagerung von Abfallstoffen in der Netzhaut, wird die Sehkraft gemindert. Ein Drittel der über 60-Jährigen, insgesamt 4,5 Millionen Menschen, leiden an diesem altersbezogenen Sehkraftverlust. Die Betroffenen sind dadurch im Alltag erheblich eingeschränkt. So ist Lesen und Fernsehen beispielsweise nur noch schwer möglich. Die Forscher fanden heraus, dass die grünen Farbstoffe die Netzhaut schützen. Sie wirken wie eine natürliche Sonnenbrille und bewahren die Netzhaut vor Schäden.

Auch am Universitätsklinikum in Heidelberg wird Kohlgemüse erforscht. Denn dem sortenreichen Wintergemüse könnte auch eine besondere Bedeutung bei der Vorbeugung und Behandlung von Krebserkrankungen zukommen. Kohl gehört zu den Kreuzblütlerpflanzen. Diese enthalten Senfölglykoside, die den scharfen und zum Teil auch bitteren Geschmack verschiedener Kohlsorten ausmachen. Wird der Kohl verletzt – zum Beispiel, wenn man den Kohl kleinschneidet – treten an den zerstörten Zellen Stoffe aus, die miteinander reagieren. Aus dieser Reaktion gehen bioaktive Substanzen hervor –  zum Beispiel Sulforaphan – die gegen Entzündungen und Infektionen mit Bakterien und Viren helfen, Krebs vorbeugen, das Tumorwachstum hemmen und sogar das Risiko der Streuung eines Tumors verringern.

Das Bild zeigt einen Grühnkohl von oben herab fotografiert.

Grünkohl ist ein richtiger Gesundmacher, denn er legt sich als natürlicher UV-Schutz auf die Netzhaut des Auges.

Sulforaphan

Sulforaphan könnte sich bei der Krebstherapie als besonders hilfreich erweisen. Ein großes Problem bei der Chemotherapie ist, dass resistente Tumorstammzellen überleben können. Es genügt nicht, normale Tumorzellen bei der Behandlung zu vernichten. Wenn der Krebs besiegt werden soll, denn aus überbleibenden resistenten Stammzellen kann sich ein Tumor wieder neubilden. Sulforaphan greift die Stammzellen des Tumors an, damit sie im Zuge der Chemotherapie unschädlich gemacht werden können.

Sie können Sulforaphan sogar über die Nahrung in therapeutisch wirksamen Dosen aufnehmen. Bei einer Verzehrstudie konnte ein Verbrauch von drei bis fünf Portionen Blumenkohl oder Brokkoli pro Woche das Risiko der Streuung eines Prostatatumors halbieren. Besonders hohe Dosen können durch den Verzehr von Brokkolisprossen erzielt werden, da diese im Vergleich zu einem ausgewachsenen Brokkoli 10-100 Mal so viele Substanzen aufweisen, aus denen Sulforaphan gebildet wird.

Damit Sulforaphan entstehen kann, ist es zum einen wichtig, dass der Kohl zerkleinert, also geschnitten und gut zerkaut wird.                                                          

Kochen zwestört gesundheitsfördernde Stoffe

Wird der Kohl erhitzt, werden jedoch die Bausteine des Suloraphans zerstört – und der gesundheitsfördernde Stoff kann nicht entstehen. Viele Kohlarten wie Blumenkohl, Brokkoli, Rotkraut oder Rosenkohl werden aber typischerweise erhitzt. Es gibt jedoch einen Trick: Essen Sie zu dem gekochten oder gebratenem Kohlgemüse einen rohen Vertreter der Kreuzblütlerfamilie. Das können entweder andere Kohlarten oder Sprossen dieser Arten sein (Brokkolisprossen beispielsweise) oder Radieschen. Zu den Kreuzblütlern zählen aber auch Gartenkresse, Rucola oder Rettich.

Von im Internet angebotenen Kohlpulver-Kapseln rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen ab. Diese halten oft nicht, was sie versprechen. Zudem fehlen meist Angaben, welche Substanzen des Kohls in dem Pulver enthalten sind.

Stand: 27.10.2017, 12:28