Was ist ein echter Notfall?

Was ist ein echter Notfall? Doc Esser - Der Gesundheitscheck 16.09.2020 05:13 Min. Verfügbar bis 16.09.2021 WDR Von Katja Kreutzer

Was ist ein echter Notfall?

Von Katja Kreutzer

Notfallmediziner erleben landesweit immer wieder diese Situation: Echte Notfälle zögern den Notruf zu lange raus und reagieren nicht schnell genug – und Patienten mit vergleichsweise harmlosen Beschwerden kommen unnötigerweise in die Notfallambulanz.

Den eigenen Gesundheitszustand bei sich oder anderen richtig einzuordnen, ist je nach Symptom allerdings auch alles andere als einfach. Im Zweifel ist es besser, einmal zu oft den Notruf zu wählen, aber man kann einiges tun, um das Gesundheitssystem zu entlasten, damit die Retter auch wirklich zur Verfügung stehen, wenn ein echter Notfall passiert.

Die richtige Nummer: 116117 oder 112

Es gibt zwei Haupt-Telefonnummern für medizinische Probleme in Deutschland. 112 ist die Nummer für den Rettungsdienst und den meisten geläufig. Die andere Nummer, 116117, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst und soll die Notaufnahmen entlasten. Der medizinisch geschulte Bereitschaftsdienst gibt rund um die Uhr Rat; über die 116117 werden Ärzte vermittelt und evtl. ein Hausbesuch organisiert. Und im Ernstfall, wenn beim Gespräch deutlich wird, dass es sich um einen echten Notfall handelt, wird sofort ein Rettungswagen geschickt. Die 116117 kann man immer anrufen mit einem medizinischen Anliegen, das nicht warten kann bis zur nächsten Arztsprechstunde.

Schild mit Notfallnummer 116117.

Echte Notfälle

Bei einem Notfall ist ein Menschenleben in Gefahr oder es drohen ohne Eingreifen negative gesundheitliche Konsequenzen. Insbesondere betrifft das natürlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber auch z.B. Verkehrs-, Starkstrom- oder Bade-Unfälle mit Verletzten, schwere Verbrennungen oder Suizidversuche. Manche eventuell zunächst harmlos scheinende Symptome sind Warnzeichen. Dazu gehören zum Beispiel Atemnot oder Brustschmerzen. Sie sind Warnsignale für Schwierigkeiten mit dem Herzen. Auch eine starke allergische Reaktion kann ein Fall für die 112 sein, wenn z.B. das Gesicht anschwillt und sich die die Atemwege verschließen. Auch bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinseintrübung, wenn also jemand völlig neben sich steht, sind ebenfalls sofortige Rettungsmaßnahmen erforderlich.

Beschwerden, die Zeit haben

Hals- und Ohrenschmerzen und andere Erkältungssymptome sind in der Regel kein Notfall. Bei Fieber, auch wenn es über 39 Grad steigt, muss man auch nicht in die Notaufnahme, auch nicht bei Harnwegsinfekten. Falls der Betroffene es nicht bis zum nächsten Tag aushält, um in die Arztpraxis zu gehen, sollte er die 116117 anrufen und den ärztlichen Notdienst um Hilfe bitten. Auch normale Rücken- oder Bauchschmerzen sind nicht automatisch ein Grund, den Rettungsdienst zu rufen oder eine Notaufnahme aufzusuchen. Brechdurchfall gehört – außer bei alten Patienten - auch zu den eher harmlosen Erkrankungen. Und was auf keinen Fall zum Notarzt gehört, sind Vorsorgeuntersuchungen oder ein Reise-Check. Alles schon passiert, sagen Notärzte.

Stand: 16.09.2020, 16:00