Hunde als Vegetarier

Hund frisst aus Napf, im Hintergrund steht eine Packung Hundefutter

Hunde als Vegetarier

Von Anne Debus

  • viele Tierärzte kritisieren die vegetarische Fütterung
  • man riskiert Unterversorgung an wichtigen Nährstoffen
  • niemals Welpen oder Muttertiere vegetarisch füttern

Hunde sind noch immer auf Fleisch "ausgelegt"

Hunde sind keine reinen Fleischfresser mehr. In den Jahrtausenden der Domestikation haben sie gelernt, Nahrungsreste des Menschen zu verwerten, sind also zu potentiellen Allesfressern geworden. Dennoch ähnelt der Verdauungstrakt des Haushundes immer noch stark dem des Wolfes – Fleisch bleibt deshalb eine wichtige Nahrungskomponente für den Hund.

Hunde als Vegetarier

WDR 2 Servicezeit | 30.10.2017 | 03:26 Min.

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Vegetarische Ernährung ist möglich, aber schwierig

Viele Tierhalter, die ihren Hund vegetarisch ernähren, sind selbst Vegetarier. Die vegetarische Ernährung des Menschen lässt sich aber nicht eins zu eins auf den Hund übertragen, da sich Ernährungsbedürfnisse und Stoffwechsel von Mensch und Hund stark unterscheiden. Hunde können zwar ebenfalls pflanzliche Proteine verwerten, haben aber einen wesentlich höheren Bedarf an Proteinen und Mineralstoffen als Menschen. Die optimale Quelle für diese Nährstoffe ist für den Hund das Fleisch. Bei dauerhafter Ernährung ohne Fleisch müssen Hunde daher Mineralien, Vitamine und andere Nährstoffe als Ergänzungsfutter bekommen. Der Deutsche Tierschutzbund e.V. rät davon ab, Hunde vegetarisch zu ernähren.

Kaum seriöse Studien

Zu der gesundheitlichen Wirkung von dauerhaft fleischloser Ernährung auf Hunde gibt es kaum wissenschaftlich fundierte Daten. Die Tierrechtsorganisation PETA hat in den USA rund 300 Hundehalter befragt, die ihre Tiere vegetarisch ernährten. Die Ergebnisse beruhen aber nur auf den Angaben der Tierhalter, und es gab keine Kontrollgruppe von Hunden, die mit Fleisch ernährt wurden. Die tierärztliche Fakultät der Universität München hat eine Doktorarbeit zur vegetarischen Tierernährung betreut. Dabei wurden 86 vegetarisch ernährte Hunde und ihr Futter untersucht. Beide Untersuchungen stammen aus den 1990iger Jahren.

Mögliche Krankheiten und Mangelerscheinungen

Die im Rahmen der Doktorarbeit an der Uni München untersuchten Hunde waren nicht krank. Mehr als die Hälfte von ihnen war aber nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt, darunter Protein, bestimmte Aminosäuren und Mineralien. In der PETA-Studie erwähnen Hundehalter Harnwegsinfektionen sowie Herzmuskelerkrankungen bei ihren Hunden. Probleme an den Harnwegen sind darauf zurückzuführen, dass sich durch eine rein vegetarische Ernährung des Hundes der PH-Wert seines Urins ins Basische verschiebt. Dadurch werden Blaseninfektionen und die Bildung von Blasensteinen begünstigt. Der Zusammenhang zwischen Herzmuskelerkrankungen und vegetarischer Ernährung ist nicht so eindeutig. Neben anderen möglichen Ursachen scheint bei der Entstehung der Herzerweiterung (Kardiomyopathie) offenbar ein Mangel an Taurin und L-Carnitin eine Rolle zu spielen. Beide Stoffe kommen vorwiegend in Fleisch vor.

Veggie ist nichts für Welpen

Welpen sowie trächtige oder säugende Hündinnen sollten nicht vegetarisch oder gar vegan ernährt werden, da sie einen erhöhten Nährstoffbedarf haben. In der Münchener Feldstudie wurden auch vegan ernährte Welpen im Alter von 8 Wochen untersucht. Sie waren nur halb so schwer, wie sie in ihrem Alter eigentlich hätten sein sollen.

Nährstoffzufuhr ist schwer zu überprüfen

Viele Besitzer, die ihren Hund vegetarisch ernähren, lassen das Blut ihres Hundes regelmäßig untersuchen. So hoffen sie sicherzustellen, dass das Tier optimal ernährt wird. Das funktioniert aber nur bedingt. Mit den Blutwerten lässt sich zwar der Gesundheitszustand der Organe zuverlässig beurteilen, nicht aber die laufende Nährstoffversorgung. Calcium beispielsweise ist für den Organismus des Hundes so wichtig, dass der Körper es sich aus allen verfügbaren Quellen holt. Enthält das Futter nicht genügend Calcium, dann wird es in den Knochen abgebaut. So kann es sein, dass im Blut des Hundes immer noch genügend Calcium nachzuweisen ist, seine Knochen aber bereits brüchig werden.

Unbedingt beraten lassen

Hundehalter, die ihr Tier auf vegetarisches Futter umstellen möchten, sollten sich dabei unbedingt ärztlich beraten lassen. Es gibt Tierärzte, die sich auf Tierernährung spezialisiert haben. Außerdem bieten veterinärmedizinische Fakultäten oft Ernährungsberatungen an.

Gemischte Testergebnisse für Fertigfutter

Hundehalter, die ihr Tier vegetarisch ernähren, stellen die Futterrationen oft selbst zusammen. Es gibt aber auch ein breites Angebot an vegetarischem oder veganem Fertigfutter. Die Zeitschrift Ökotest hat im Rahmen eines Tests von Bio-Dosenfutter auch 5 vegetarische bzw. vegane Futter untersucht. Die Ergebnisse waren ähnlich gemischt wie bei fleischhaltigen Produkten: Ein vegetarisches Futter bekam die Note "gut", zwei Sorten lagen im Mittelfeld. Zwei fielen mit "ungenügend" durch, weil wichtige Nährstoffe fehlten oder zu niedrig dosiert waren.

Stand: 30.10.2017, 11:10