Unfallgefahr Nachtblindheit

Unfallgefahr Nachtblindheit

Von Lukas Fabry

Verkehrsschilder lassen sich nicht mehr richtig erkennen, Rücklichter tauchen wie aus dem Nichts auf. Oft ist es dann schon zu spät und es kracht. Laut Schätzungen des Berufsverbands der Augenärzte werden in Deutschland etwa 300.000 Verkehrsunfälle von Menschen verursacht, die im Dunkeln zu schlecht sehen.

Was ist Nachtblindheit?

Menschen, die an Nachtblindheit leiden, sehen in der Dämmerung und im Dunkeln wesentlich weniger als bei Tag – manchmal sogar gar nichts. Im Normalfall kann sich das Auge an schlechte Lichtverhältnisse anpassen, bei Nachtblindheit bleibt das aus. Die Ursache: Die für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlichen Sinneszellen auf der Netzhaut, die Stäbchen, funktionieren nicht richtig.

Ursachen der Erkrankung

Die echte Nachtblindheit – genannt Retinitis Pigmentosa – ist eine sehr seltene, angeborene Augenerkrankung. In Deutschland sind davon etwa 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen. Weitere Ursachen für Nachtblindheit können im Rahmen einer Zuckerkrankheit auftreten oder beim grauen Star. Ein Mangel an Vitamin A kommt in Westeuropa im Gegensatz zu tropischen Ländern als Auslöser kaum vor.

Wer beim Fahren im Dunkeln schlecht sieht, muss also nicht zwangsläufig im medizinischen Sinne nachtblind sein. Meist haben die nächtlichen Sehschwierigkeiten andere Ursachen, wie etwa eine leichte Kurzsichtigkeit oder Trübungen der Linse. Deshalb sollten Autofahrer ihre Sehstärke regelmäßig überprüfen lassen. Ab einem Alter von 40 Jahren, sollte man einmal Jährlich zum Sehtest gehen, empfehlen Augenärzte.

Arzt stellt Diagnose

Der Augenarzt kann mit verschiedenen Methoden und Geräten den Ursachen für eine Sehstörung auf den Grund gehen. Die Sehschärfe, die Blend-Empfindlichkeit und die Anpassungsfähigkeit des Auges werden untersucht. Im Idealfall wird klar: Der Patient hat nur einen minimalen Sehfehler, der bei guten Lichtverhältnissen kaum auffällt und nur bei Dämmerung oder Dunkelheit Probleme verursacht. Oft hilft dann schon eine neue Brille oder Kontaktlinsen.

Schleichender Beginn

Meist fällt die nächtliche Sehschwäche zwischen 30 und 50 Jahren auf und beginnt schleichend. Erst wenn eine bestimmte Schwelle erreicht ist, merkt derjenige, dass er im Vergleich zu anderen Menschen bei Dämmerung oder in der Nacht wesentlich schlechter sieht und sich hilfloser fühlt. Wer also das Gefühl hat, im Dunkeln schlecht zu sehen, sollte unbedingt zum Arzt gehen.

Für Vielfahrer eine Nachtbrille

In der Nacht weiten sich die Pupillen, damit mehr Licht ins Auge fällt. Das hat zur Folge, dass Sehfehler stärker auffallen. Außerdem gilt: Je weiter die Pupillen geöffnet sind, desto unschärfer wird das Sichtfeld. Deshalb kann es für Autofahrer, die im Dunkeln unterwegs sind, sinnvoll sein, eine spezielle Nachtbrille zu tragen. Betroffene sollten sich dazu am besten von ihrem Optiker oder ihrem Augenarzt beraten lassen.

Wie sieht es mit der Versicherung aus?

Die Versicherung muss bei Nachtblindheit oder nächtlicher Sehschwäche als Unfallursache nicht zahlen. Wer einen Unfall verursacht, kann nur auf die Kulanz des Versicherers hoffen. Wird die Nachtblindheit erst nach dem Unfall diagnostiziert, besteht immerhin die Chance, dass sie den Schaden des anderen Fahrzeugs übernimmt. Mit jeder Menge Nachweispflichten und Schriftverkehr ist auf jeden Fall zu rechnen.

Was tun am Auto?

Für eine sichere Fahrt bei Nacht sollte man generell beachten:

  • Die Scheiben sauber halten
  • Auf intakte Wischblätter achten
  • Regelmäßig Scheibenwischer-Flüssigkeit nachfüllen
  • Ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten
  • Scheinwerfer richtig einstellen
  • Einmal jährlich zum Sehtest gehen

Stand: 08.11.2017, 09:55