Training fürs Gedächtnis

Training fürs Gedächtnis Servicezeit 16.04.2020 07:04 Min. UT Verfügbar bis 16.04.2021 WDR Von Sylvia Freudenberger

Training fürs Gedächtnis

Die Menschen haben sich angewöhnt, in Alltag und Beruf vieles nur noch mit geteilter Aufmerksamkeit zu erledigen. Doch darunter leidet das Gedächtnis.

Wer schnell was im Internet nachguckt, hat es meist genauso schnell wieder vergessen. Das ist normal, denn wir merken uns erst dann Dinge, wenn wir beim Lernen was dafür tun müssen. Doch diese Faulheit, das Gehirn nicht wirklich zu benutzen, bestraft die Natur mit Abbau.

Die Folge: Gedächtnisleistung geht verloren. Aber das lässt sich ändern. Denn alles was das Gehirn aktiviert führt dazu, dass es seine Leistungsfähigkeit steigert: Fokus, Reflektion, Spaß und Bewegung helfen dabei.

1. Meditation

Schon 10 Minuten Meditation trainieren das Gedächtnis: Aufrecht hinsetzen, Hände auf die Oberschenkel, Augen schließen. Auf die Atmung konzentrieren und den Atmungsbewegungen durch den Körper folgen. Durch die Nase einatmen und den Mund atmen. Dabei die Aufmerksamkeit auf den Weg des Atems durch den Körper lenken vom Bauch über die Brust bis in den Kopf und zurück. Dauer: zum Beispiel fünf Minuten lang. Jetzt die Fokussierung beenden und auf Beobachtung schalten. Nun fünf Minuten auf die Wahrnehmungen konzentrieren: Gedanken, Gefühle die vorbeiziehen – oder bleiben. Nur registrieren, nicht bewerten.

2. Positive Emotionen

Lachen wirkt entspannend, und jede Art positiver Gefühle erhöht die Gedächtniskapazität. Das Gedächtnis wird gestärkt und man ist weniger ablenkbar. Gute Laune löst ein Gefühl der Zufriedenheit aus, das liegt an der Dopaminausschüttung, die sich wiederum wie ein Turbolader auf die Leistungsfähigkeit der Neuronen im Gehirn auswirkt.

3. Bewegung

Jede Bewegung ist gut, besonders die, bei der gleichzeitig Koordination gefragt ist: Paartanz beispielsweise ist besonders gut fürs Gedächtnis, denn es aktiviert verschiedene Teile des Gehirns. Wer tanzt, lernt musikalische Rhythmen in Bewegung umzusetzen und gleichzeitig auch die Bewegung des Partners zu registrieren und darauf zu reagieren. Das ist perfekte Anregung für beide Gehirnhälften. Gehirnjogging, das Spaß macht und auch noch körperlich fit hält.

LOCI – Methode

Beim Lernen lenkt der Wille unsere Aufmerksamkeit. Er schafft es, innere und äußere Störfaktoren weitgehend auszublenden. Eine der ältesten und bewährtesten Lernmethoden, sich Dinge besser zu merken, ist die sogenannte Locitechnik. Gedächtnisweltmeister schaffen es, sich mit dieser spielerischen Hilfe 100 Namen in 5 Minuten zu merken.

Bei der Loci-Methode werden bekannte Orte mit jeweils einem Begriff, den man sich merken möchte, verknüpft. Je ungewöhnlicher die Verknüpfung, desto besser wird sie gelernt. Zum Abrufen der Begriffe geht man nun gedanklich von Ort zu Ort, so fallen einem die damit verbundenen Begriffe wieder ein.

Beispiel: Sie wollen sich 10 Begriffe in der richtigen Reihenfolge merken:

Tischtennisball, Bleistift, Heft, Eis, Locher, Keks, Schlüssel, Schirm, Uhr, Blumen

Dann könnten Sie in etwa so vorgehen: Als Orte von Zuhause in die Arbeit haben Sie sich z. B. folgende Orte in dieser Reihenfolge gemerkt:

Haustür, Kiosk, Supermarkt, Ampel, Kirche, Bahnübergang, Apotheke, Kastanienbaum, Unterführung und Tor Arbeitsstätte.

Diese Orte sind bildlich in Ihrem Gedächtnis in dieser Reihenfolge verankert.

Nun verknüpfen Sie die bereits gelernten Orte mit den Begriffen, die Sie sich merken möchten. Dabei werden immer Pärchen zwischen einem Ort und einem zu lernenden Begriff gebildet. Im aufgeführten Beispiel könnte Ihnen z. B. beim Verlassen Ihres Hauses ein Tischtennisball entgegen springen. Als Sie am Kiosk vobeigehen, hat der Verkäufer einen Bleistift hinter dem Ohr und so geht’s weiter. Alle Begriffe werden in analoger Weise mit den verbleibenden Orten verknüpfen. Zum Abrufen der Information braucht man lediglich den Weg von Anfang bis Ende durchzugehen. Das geht auch gedanklich.

Dass nur 10 Prozent des Gehirns benutzt werden, ist übrigens ein Mythos. Es klingt verlockend, aber wir brauchen für unsere Tätigkeiten das gesamte Gehirn. Richtig ist aber: Wir können die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern.

Zuschauerinformation

Trainieren kann jeder. Die Gesellschaft für Gehirnforschung stellt auf ihrer Internetseite ein 3-wöchiges kostenloses Gehirnjogging zur Verfügung sowie den Kurztest zur Messung des Arbeitsgedächtnisses, auch KAI-Test genannt.

Kontakt: Gesellschaft für Gehirntraining, Gesellschaft für Gehirntraining e.V.
Postfach 1420 85555 Ebersberg
Tel.: 08092-864930
Internet: info@gfg-online.de

Stand: 16.04.2020, 12:00