Sport gegen Arthrose-Schmerz

Sport gegen Arthrose-Schmerz Doc Esser - Der Gesundheitscheck 02.10.2019 07:01 Min. UT Verfügbar bis 02.10.2020 WDR Von Stefanie Gerhards

Sport gegen Arthrose-Schmerz

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Allein bei uns sind schätzungsweise 5 Millionen Menschen betroffen, am häufigsten trifft es Hüfte und Knie.

Meist kommen wir damit im höheren Alter in Berührung – eine Berührung, die ganz schön schmerzhaft ist.

Sportmedizinerin Aylin Urmersbach kennt es aus ihrer Praxis:

„Viele glauben, es sich bei Arthrose um Gelenkverschleiß handelt. Das stimmt so nicht ganz. Vielmehr sind Überbelastung, Fehlstellungen oder Verletzungen Schuld daran, dass der Knorpel Schaden nimmt. Und ist der Schutzschild der Knochen beschädigt oder entzündet, wird die Gelenkinnenhaut angegriffen – und sorgt so für Schmerzen.“

Das Dumme ist: ein beschädigter Knorpel lässt sich nicht heilen, und nicht einfach reparieren.

Bewegung ist die beste Medizin

Die richtig gute Nachricht: es gibt Abhilfe, und zwar Bewegung, und der richtige Sport.

  1. Sport regt zum einen die Gelenkinnenhaut an, die so genannte Gelenkschmiere zu produzieren. Die ernährt den noch verbliebenen Knorpel.
  2. Sport kräftigt die Muskeln. Ein gutes Muskelgerüst wiederum stabilisiert das Gelenk, entlastet die schmerzhaften Reibungspunkte – und lindert damit den Schmerz.
  3. Ganz nebenbei kann man noch ein paar Pfunde verlieren, was zusätzlich die Gelenke entlastet.
  4. Übergewicht ist nicht nur zu viel Last für die Gelenke, Forscher haben zusätzlich herausgefunden, dass das weiße Fettgewebe Proteine freisetzt, die die Knorpel schädigen und Entzündungen verursachen.

Pilates

Sportmedizinerin Aylin Urmersbach hat mit ihren beiden Patientinnen Pilates getestet.

Eine ganzheitliche Trainingsmethode, die von Joseph Hubertus Pilates (1880 – 1967) in den USA konzipiert wurde. Pilates litt in seiner Kindheit an Asthma und Rachitis, wollte aber seine Schwäche nicht akzeptieren. Er erlernte unterschiedliche Sportarten, auch östliche Bewegungstechniken, und entwickelte dann ein eigenes Bewegungskonzept, bei dem kontrollierte und bewusste Bewegungsausführung zu einem gesunden Körper und einem besseren Körperbewusstsein führen sollen.

Trainer Alexander Bohlander aus Köln hat selbst bei vielen Patienten erlebt, was Forscher aus Brasilien und dem Iran bestätigt haben: diese Methode kann erstaunliche Wirkung haben.

Viele Patienten nehmen allein wegen der Schmerzen in den betroffenen Gelenken eine Schonhaltung ein. Das wiederum führt zur einer Fehlbelastung, zu falschen Bewegungsmustern – und im schlimmsten Fall zu Folgeschäden.

Trainer Alexander Bohlander:
„Wenn ich irgendwo eine Störung habe, die meine Bewegung behindert, dann können die Muskeln nicht in der Kette zusammenarbeiten. Wenn die Muskeln nicht in der Kette zusammenarbeiten, werden bestimmte Muskeln und bestimmte Gelenke mehr belastet als andere. Und manchmal wird auch einfach nur ein Gelenk, nehmen wir als Beispiel das Hüftgelenk, an bestimmten Stellen viel mehr belastet als an anderen Stellen. Die Folge ist nach 10, 15 Jahren möglicherweise an der Stelle Hüftarthrose.“

Das entscheidende beim Pilates: es stärkt vor allem tief liegende Muskelgruppen, die Stützmuskulatur, die eine wichtige Funktion für die Stabilisation unseres Körpers und unsere Körperhaltung haben, und dehnt Bänder und Sehnen der sonst geschonten Gelenke.

„Das Pilatestraining hat zum Ziel die Bewegungsqualität zu verändern. Genau wie die beiden Kandidatinnen im Experiment haben vielen Patienten schlummernde Potentiale, die wir wecken wollen. Damit sie (wieder) lernen, wie der Körper eigentlich strukturiert ist, wie er funktionieren kann, und wie er die richtigen Muskeln zum richtigen Zeitpunkt ansteuert.“

Das mindert Schmerzen – und führt zu mehr Bewegungsqualität.

Die Geräte beim Pilates-Training helfen den Patienten, die Übungen richtig und bewusst auszuführen. Sind also nicht zusätzliche Hürde, sondern Hilfe. Wer die Übungen gut beherrscht, kann zusätzlich zuhause, auch mit einer DVD trainieren.

Wie bei allen Sportarten gilt: die Dosis macht das Gift. Zu intensives Training kann die Gelenke zusätzlich beanspruchen, während das richtige Training Besserung in Aussicht stellt. Wie im Fall einer Protagonistin, die nach acht Wochen Training nun wieder joggen kann. Vorher konnte sie kaum schmerzfrei Treppe laufen.

Sportmedizinerin Aylin Urmersbach:
„Das ist vielleicht von der Arthrose her das gleiche Knie wie vor acht Wochen, aber die Funktion des Gelenks, seiner Muskeln und Bänder, ist anders, besser und das Gelenk wird besser benutzt, das ist das Geheimnis.“

Die beste Vorbeugung: Bewegung! 

Egal ob gesund oder geschädigt: unsere Gelenke sind dazu gemacht, bewegt zu werden. Die Bewegung hält den Knorpel gesund. Daher ist Bewegung die beste Vorbeugung gegen Gelenkserkrankungen.

Aylin Urmersbach:
„Unseren Knorpel können wir uns wie einen Schwamm vorstellen. Leg ich den hier aufs Wasser, passiert nichts. Drücke ich ihn, nimmt er Wasser auf. So geht auch dem Knorpel: bewege ich die Gelenke, kommt Druck drauf – und der Knorpel nimmt Flüssigkeit auf. Und das hält ihn und das Gelenk gesund.“

Allerdings: Stop and Go-Sportarten wie Tennies, Hockey oder Badminton sind nicht zu empfehlen, sie belasten die Gelenke zu sehr. Besser, neben Pilates, Yoga, Tai-Chi auch Radfahren, Walken, Schwimmen.

Stand: 01.10.2019, 17:00