So wird eine schwache Blase wieder fit

So wird eine schwache Blase wieder fit Doc Esser - Der Gesundheitscheck 12.02.2020 05:27 Min. UT Verfügbar bis 12.02.2021 WDR

So wird eine schwache Blase wieder fit

Von Caroline Link

Unsere Blase kann zur Schwachstelle unseres Körpers werden – besonders in der Schwangerschaft oder wenn wir älter werden. Schätzungen zufolge leiden zwischen fünf und acht Millionen Menschen in Deutschland an Harninkontinenz, bzw. Blasenschwäche. Und dennoch ist die Erkrankung ein Tabuthema. Aber wie schützt man sich vor dem unfreiwilligen Wasserlassen?

Die Blase ist nicht immer der Übeltäter

Anders als der Name vermuten lässt, ist die Blase nicht für jede Art von Blasenschwäche direkt verantwortlich. Ärzte unterscheiden verschiedene Formen der Harninkontinenz. Am häufigsten kommen die Belastungs-, die Drang- und die Mischinkontinenz (Mischform aus den ersten beiden) vor. Während bei der Dranginkontinenz meist ein instabiler Blasenmuskel zu unbeabsichtigtem Urinieren führt, ist bei der Belastungsinkontinenz oft die geschwächte Beckenbodenmuskulatur schuld.

Warum vor allem Frauen betroffen sind

Die Belastungsinkontinenz tritt besonders häufig bei Frauen auf. Die Ursache dafür ist in der weiblichen Anatomie begründet. Die Stütz- und Haltefunktion des weiblichen Beckenbodens wird stärker beansprucht als bei Männern, da Frauen ein breiteres Becken haben. Geburten, Unterleibsoperationen, Übergewicht oder körperliche Belastung können den Beckenboden schwächen. Und das wiederum kann den Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigen. Besonders Frauen mit einer Bindegewebsschwäche haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Blasenschwäche zu erkranken.

Das Bild zeigt zwei Frauen beim Sport.

Bei den meisten Frauen tritt die Blasenschwäche aber erst nach der Menopause ein. Durch die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre wird weniger Östrogen produziert. Gemeinsam mit dem Hormon Progesteron sorgt Östrogen im Körper für ein festes Bindegewebe. Steht dem Körper also weniger dieses Hormons zur Verfügung, nimmt auch die Elastizität des Gewebes ab.

Männer und Inkontinenz

Doch auch bei Männern ist Inkontinenz ein Thema. In Deutschland gibt es rund 1 Million Betroffene, die Dunkelziffer liegt höher. Denn Männer gehen durchschnittlich seltener und auch viel später als Frauen mit diesem Problem zum Arzt. Zu den häufigsten Gründen für eine Blasenschwäche bei Männern gehören eine Infektion der Harnwege, die vor allem jüngere Männer bis 50 Jahre betrifft. Ein anderer Grund ist die Prostata. Denn die wächst nicht selten im fortgeschrittenen Alter weiter - und kann ab einer bestimmten Größe auf die Harnröhre drücken. 

Auf den Seiten der Deutschen Kontinenzgesellschaft gibt es umfangreiche Informationen zum Thema Inkontinenz:

Tipps zur Vorbeugung und Linderung

Einer Blasenschwäche kann bereits in jungen Jahren vorgebeugt werden. Unter anderem, indem man die Beckenbodenmuskulatur gezielt trainiert und stärkt. Das Schöne: Beckenbodengymnastik wirkt nicht nur vorbeugend. Studien zeigen, dass eine Blasenschwäche in 60-75% der untersuchten Fälle durch regelmäßiges Training zumindest gelindert, aber auch vollständig bekämpft werden konnte. Die Bandbreite an Trainingsmöglichkeiten ist groß. Es gibt Hilfsmittel wie Konen, die zur Stärkung in die Vagina eingeführt werden oder aber auch sogenannte Bio-Feed-Back-Methode, bei der ein computergesteuertes Programm hilft, die Muskulatur anzuspannen und wieder zu entspannen. Frauenarzt/Frauenärztin oder Urlologe/Urologin können entsprechendes Training per Rezept verordnen. Es gibt Phsyiotherapeuten, die sich darauf spezialisiert haben.

Das Bild zeigt zwei Frauen beim Sport.

Regelmäßig Sport zu treiben, fördert die Durchblutung, kräftigt die Muskulatur und steigert die allgemeine Fitness – das kommt auch der Blase zugute. Sportarten, die den Beckenboden entlasten, sind z.B. Schwimmen, Yoga, Gymnastik und Walking. Zusätzlich können Sie auf diese Art überflüssige Pfunde verlieren, die den Beckenboden zusätzlich beeinträchtigen.

Sollten Sie den Verdacht haben, unter Blasenschwäche zu leiden, sollten Sie einen Urologen aufsuchen. So kann der Ursache auf den Grund gegangen und die richtige Therapiemaßnahme eingeleitet werden.

Stand: 12.02.2020, 21:00