Sicher in die dunkle Jahreszeit

Der Trainer des Kurses zeigt einer Teilnehmerin eine Verteidigungstechnik.

Sicher in die dunkle Jahreszeit

Von Nico Rau

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Wenn es draußen so früh dunkel wird, dann fühlen sich viele Menschen unwohl, wenn sie abends nach Hause gehen. Was bringen Crash-Kurse zur Selbstverteidigung?

Vollmundige Versprechen

"Den Angreifer in 5 Sekunden außer Gefecht setzen!", "Wie du auch mehrere Gegner überlebst!" "Eine einzigartige Möglichkeit, Dich selbst und Deine Kinder vor Mord und Vergewaltigung zu schützen" "Wir heben Dein Level des Selbstschutzes auf ein neues Niveau, OHNE besondere Fertigkeiten zu beherrschen!" So vollmundig klingen manche Versprechen im Internet, die für Crash-Kurse zur Selbstverteidigung werben.

Sicher in die dunkle Jahreszeit

WDR 2 Servicezeit | 26.10.2017 | 03:12 Min.

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Solche Versprechen sollten misstrauisch machen. Trotzdem gibt es natürlich seriöse und gute Angebote, um ein Wochenende lang Selbstverteidigung zu üben. Claudia Sobotta von der Kriminalprävention der Polizei Köln schätzt das so ein: "Alles bringt etwas, was das Selbstbewusstsein und was das sichere Auftreten von mir stärkt. Man muss natürlich unter Vorbehalt darangehen und sagen: Na ja, nach zwei Tagen geh ich da nicht raus und kann mich jeder Situation bestens erwehren, aber zumindest habe ich einen ersten Baustein gelegt, das ist besser als nichts."

Was kann ich von einem guten Seminar erwarten?

Ein guter Kurs gliedert sich in einen Theorie- und einen Praxisteil. In der Theorie wird beispielsweise besprochen, wie Teilnehmer gefährliche Situationen erkennen und wie sie diese meiden können. Denn bevor es zur Gewalt kommt, gibt es nahezu immer eine kurze Zeitphase, wo die Situation durch rechtzeitiges Erkennen vermieden werden könnte. Oft ahnen Menschen intuitiv, dass etwas nicht stimmt. Doch sie hören nicht auf das Bauchgefühl, oder haben nicht den Mut zu handeln. Zum Beispiel in unangenehmen Momenten in der U-Bahn den Sitzplatz zu wechseln. Oder die Straßenseite zu wechseln, wenn eine bedrohlich wirkende Personengruppe auf sie zukommt. Sich überhaupt mental mit einer potentiell bedrohlichen Situation auseinanderzusetzen und zu überlegen, was man dann tun könnte, ist der erste Schritt zur Selbstverteidigung.

Selbstbewusstsein

Das richtige Auftreten ist ein ganz entscheidender Faktor zur Selbstverteidigung und sollte in einem guten Kurs unbedingt Thema sein. Denn so lassen sich oft brenzlige Situationen verhindern. Täter suchen in der Regel Opfer und keine Gegner, erklärt Claudia Sobotta von der Polizei Köln: "Täter gucken intuitiv, wer könnte für mich ein geeignetes Opfer sein und das kann man natürlich sehr schön an Körpersprache, Mimik und Gestik festmachen. Und wenn ich da mit einem aufrechten Gang, einem direkten Blick, selbstbewusst, aufmerksam unterwegs bin, dann ist da schon viel geholfen."

Grenzen ziehen und behaupten

Im Crash-Kurs sollte auch vermittelt werden, wie man die eigenen Grenzen behauptet. Dazu gehört, die eigene Stimme und den Körper einzusetzen, um potentiellen Tätern zu signalisieren: Hier ist Schluss. Viele Menschen müssen erst einmal lernen, ihre Stimme dafür laut und deutlich einzusetzen. In den Kursen werden in der Regel auch einfach anwendbare Techniken gelernt, um sich zur Not mit Schlägen und Tritten zur Wehr zu setzen. Da viele Menschen Hemmungen haben, richtig zu schlagen, sollte in den Kursen mit Schlagpolstern gearbeitet werden. So bekommen die Teilnehmer ein Gefühl für die eigene Kraft und mit welcher Technik sie diese einsetzen können, ohne sich selbst dabei zu verletzen.

Notwehr – was darf ich eigentlich?

Das Recht auf Notwehr ist im Strafgesetzbuch verankert (Paragraph 32) und besagt: Wer angegriffen wird, der darf sich in dieser Situation straffrei verteidigen. Dabei darf er alles tun, was nötig ist, um die Gefahr abzuwehren. Dabei darf er den anderen allerdings nicht stärker verletzen als notwendig. Wer einem anderen Menschen hilft, wenn dieser angegriffen wird, handelt ebenfalls rechtens: Das gilt als Nothilfe und ist genauso geschützt wie die Notwehr.

Gute Kurse finden

Einige Städte haben auf ihren Internetseiten Flyer oder Tipps, welche Angebote zur Selbstverteidigung empfehlenswert sind – besonders für Frauen. Grundsätzlich gilt: Man sollte sich vorher genau die Inhalte der Kurse anschauen. Bei reißerischen Versprechen sollten sich Interessierte lieber einen anderen Anbieter aussuchen. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, im Vorfeld bei dem Anbieter der Kurse reinzuschnuppern, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das Angebot etwas taugt.

Stand: 26.10.2017, 00:00