Die Kraft der Pflanzen: Selbsthilfe bei Verdauungsbeschwerden

Das Bild zeigt eine Tasse Fencheltee und zwei Fenchel daneben.

Die Kraft der Pflanzen: Selbsthilfe bei Verdauungsbeschwerden

Von Caroline Link

Im Darm tummeln sich Billionen von Bakterien. Die Gesamtheit dieser Bakterien – auch Mikrobiom genannt – ist bei jedem Menschen komplett unterschiedlich zusammengesetzt und damit so individuell wie ein Fingerabdruck. Je vielfältiger die Bakterienzusammensetzung, desto besser für unseren gesamten Körper und unsere Gesundheit.

Wenn der Darm doch einmal Probleme macht, können gesunde Mittel aus der Natur Linderung verschaffen. Der heimische Kräutergarten liefert viele Zutaten zur Selbsthilfe. Während Kamille etwa eine stark entzündungshemmende Funktion hat, wirkt Pfefferminz z.B. bei Reizdarm mit seiner krampflösenden Wirkung. Doch auch einige Feld- und Wiesenkräuter haben einen heilenden Effekt. Schafgarbe z.B. wirkt ebenfalls krampflösend sowie appetitanregend und antibakteriell. Frauenmantel kann bei leichtem Durchfall helfen, der durch Magen-Darm-Keime verursacht wurde. Durch den zusammenziehenden Effekt der enthaltenen Gerbstoffe können Bakterien schlechter in die Darmschleimhaut eindringen und sie entzünden.

Vorsicht ist beim Selbersammeln geboten, denn hier besteht Verwechslungsgefahr mit optisch ähnlichen, aber giftigen Pflanzen. Greifen Sie stattdessen lieber zu gängigen Küchenkräutern wie Basilikum, Rosmarin oder auch Thymian. Durch die enthaltenen Bitterstoffe werden die Verdauungssäfte im Magen mobilisiert und können so z.B. Verstopfungen beseitigen.

Kräuterrezepte gegen Verdauungsbeschwerden:

Basilikumpesto gegen Verstopfung

  • 4 Bündel Basilikum
  • 30 g Pinienkerne
  • 60 g geriebener Parmesan
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 10 g grobes Salz
  • 60-80 cl Naturolivenöl Extra

Die Basilikumblätter mit kaltem Wasser abwaschen und dann abtrocknen. Eine Knoblauchzehe zusammen mit den Pinienkernen im Mörser zerstampfen bis sie cremig werden. Einige Salzkörner und die Basilikumblätter hinzugeben und weiter mörsern. Sobald das Basilikum eine leuchtend grüne Flüssigkeit produziert, Käse und das Olivenöl hinzugeben.

Kamillentee gegen Durchfall

  • Zwei Teelöffel Kamillenblüten
  • 250 ml kochendes Wasser

2 TL Kamillenblüten mit 250ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. 2 Tassen pro Tag, nicht länger als 3 Wochen am Stück trinken. Hilft auch bei Koliken, Blähungen und Erkältungen.

Schafgarbenlimonade gegen Blähungen

  • Handvoll Schafgarbe (nur Blüten)
  • eine Zitrone
  • drei EL Honig
  • 1 Liter Wasser

Zunächst die Blüten kurz abspülen. Anschließend die gewünschte Menge an Honig mit dem Wasser vermischen und umrühren. Nun die Blüten in das Honig-Wassergemisch legen. Bei Bedarf Zitronensaft in die Limonade spritzen. Vor dem Servieren die fertige Limonade über Nacht an einem kühlen Ort lagern, damit sie ziehen kann.

Darmerkrankungen vorbeugen

Gegen manche Krankheiten ist jedoch einfach kein Kraut gewachsen. Zu den häufigsten Darmerkrankungen gehören chronisch-entzündliche Krankheiten wie Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa.

Während Morbus Crohn prinzipiell in jedem Abschnitt des Verdauungsapparats auftreten kann, betrifft die Colitis ulcerosa ausschließlich den Dickdarm. Die Darmschleimhaut entzündet sich und Geschwüre bilden sich. Beim Morbus Crohn hingegen sind teils auch tieferliegende Schichten der Darmwand erkrankt. Beide Krankheiten verlaufen in Schüben und äußern sich meist schon in jungen Jahren. Stuhlproben und Darmspiegelungen können Aufschluss darüber geben, welche Erkrankung vorliegt, denn die Symptome sind ähnlich. Die Patienten leiden unter anderem an Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust. Beide Krankheiten sind bisher nicht heilbar, doch die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen 10 Jahren deutlich verbessert. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind ein absolutes Muss. Denn: Wer bereits an einer chronisch-entzündlichen Darmkrankheit leidet, hat auch ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

Das Bild zeigt eine Tastatur, ein Stetoskop und die Notiz einer Darmspiegelung.

Der Begriff Darmkrebs fasst Krebserkrankungen des Dickdarms, Mastdarms und des Afters zusammen. In Deutschland erkranken jährlich über 60.000 Menschen an Darmkrebs neu. Er ist damit eine der häufigsten Krebserkrankungen. Je früher er erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. Umso wichtiger sind regelmäßige Vorsorgemaßnahmen. Ab einem Alter von 50 Jahren können Sie regelmäßig chemische Stuhltests durchführen lassen, ab dem Alter von 50 bei den Männern und 55 bei den Frauen besteht Anspruch auf eine Darmspiegelung. Besonders wenn Darmerkrankungen in Ihrer Familie liegen, sollten Sie sich vorbeugend untersuchen lassen. Im besten Fall können so frühzeitig Krebsvorstufen wie Polypen erkannt und entfernt werden, bevor sich Tumore entwickeln können. Die Darmspiegelung ist damit die effektivste Krebsvorsorge.

Der Darm fühlt mit

Wer sich zu einseitig ernährt oder ständig zu Fast Food greift, fühlt sich oft schlapp und mürrisch. Der Grund: Was wir zu uns nehmen, hat nicht nur direkten Einfluss auf unsere Darmflora – sondern damit auch auf unsere Psyche. Ein gesunder Darm ist somit nicht nur wichtig für unsere körperliche Gesundheit, sondern wirkt sich auch auf unsere Gefühlswelt aus. Doch wie beeinflusst er unser emotionales Wohlbefinden?

Über Nervenzellen und Botenstoffe läuft die Kommunikation zwischen Darm und Hirn. Forscher bezeichnen diesen „Kommunikationsweg“ als Darm-Hirn-Achse. Wie genau sich die Zusammensetzung unseres Mikrobioms auf unsere Stimmung auswirkt, daran wird weltweit geforscht. Erste Untersuchungen zeigen, dass veränderte Mikrobiota im Darm auch die Kopffunktionen beeinflussen. Schafft man es, durch sogenannte psychobiotische Ernährung seine Darmflora positiv zu beeinflussen, kann das tatsächlich zufriedener machen. Pro- und Präbiotika spielen hierbei die zentrale Rolle.

Eine Studie von Psychologe Prof. Dr. med. Paul Enck mit 40 Probanden zeigte etwa, dass die 4-wöchtige Einnahme von Probiotika die emotionale Belastbarkeit der Personen in Stresssituationen erhöhte. Eine unterschiedliche Zusammensetzung der Darmbakterien hat augenscheinlich großen Einfluss darauf, wie es uns psychisch geht. Ein gesundes Mikrobiom kann sich also positiv auf unsere Psyche auswirken. Ob wir rundum glücklich sind, hängt natürlich noch von weit mehr Faktoren ab.

Stand: 29.07.2019, 18:15