Resistenten Bakterien den Kampf ansagen

Resistenten Bakterien den Kampf ansagen Doc Esser - Der Gesundheitscheck Teil 1 von 6 29.01.2020 03:24 Min. UT Verfügbar bis 29.01.2021 WDR Von Patricia Metz

Resistenten Bakterien den Kampf ansagen

Ohne Sie wären wir vermutlich schon ausgestorben: Antibiotika. Doch immer öfter entwickeln sich extrem widerstandsfähige, multiresistente Bakterienstämme. Dann wird die Waffe Antibiotika stumpf.

Schätzungsweise 25.000 Menschen sterben jedes Jahr in Europa an Krankheiten, die aufgrund von Antibiotika-Resistenzen nicht gestoppt werden können. Einer der Hauptgründe: der übermäßige und ungezielte Einsatz der hochwirksamen Mittel.

Erkältungen sind zumeist virusbedingt

Bei einem grippalen Infekt, fühlt man sich oft hundeelend. In solchen Fällen kommt es immer wieder vor, dass Patienten auf eine Antibiotika-Verordnung drängen. Viele Menschen denken nämlich, nur ein Antibiotikum könnte helfen, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Doch das ist ein fataler Trugschluss. Die meisten Erkältungen und grippalen Infekte werden durch Viren verursacht. Ärzte geraten durch den Verordnungsdruck zuweilen in einen Konflikt. Denn sie wissen: Durch ungezielte Einnahmen können resistente Bakterien entstehen.

RESIST-Programm – Antibiotika bewusst anwenden

Zwischen 2017 und 2019 wurde mit einem ehrgeizigen Schulungsprogramm der Kassenärztlichen Vereinigungen aus sieben Bundesländern versucht, die Zahl ungezielter Antibiotikaverordnungen und damit die Entwicklung resistenter Bakterienstämme einzudämmen. Knapp 2.500 Ärzte nahmen an dem Modellprojekt teil. In dem Schulungsprogramm wurde neben dem Abrufen von allgemeinem Wissen zu Antibiotikaverordnungen vor allem Augenmerk auf die Arzt-Patienten-Kommunikation gelegt. Denn wenn Patienten verstehen können, warum ein Antibiotikum nicht hilft, sind sie eher bereit, darauf zu verzichten. Andere Maßnahmen wie ausreichend Schlaf und Erholung, Anwendung von Hausmitteln und leichte Kost werden dann besser angenommen.

Zahl der Antibiotika-Verordnungen rückläufig

Die Zahl der Antibiotika-Verordnungen ist im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zurückgegangen. Allerdings liegen die Antibiotika-Verschreibungen in NRW um etwa zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Mit dem PCT-Test (Procalcitonintest) steht Ärzten mittlerweile ein gutes diagnostisches Mittel zur Verfügung, mit dem ein bakterieller Infekt erkannt bzw. ausgeschlossen werden kann. Durch diesen Test kann innerhalb kurzer Zeit festgestellt werden, ob ein Antibiotikum erforderlich ist oder nicht. Der Test wird von den Kassen bezahlt.

Stand: 29.01.2020, 21:00