Raus aus dem Corona-Tief

Raus aus dem Corona-Tief Servicezeit 12.11.2020 07:09 Min. Verfügbar bis 12.11.2021 WDR Von Liliane Mofti

Raus aus dem Corona-Tief

Von Liliane Mofti

Seit mehr als einem Dreivierteljahr hält uns das Corona-Virus auf Trab. Die Ungewissheit, wie lange diese Ausnahmesituation anhält, belastet viele, ruft psychische Probleme hervor oder verstärkt sie. Wie gut wir Krisensituationen überstehen, hat sehr viel mit dem eigenen Denken zu tun. Wir geben Tipps für den Corona-Winter.

Stress wegsporteln

Leichter Ausdauersport wie Joggen, Walken und Radfahren regt die Ausschüttung stimmungsaufhellender Botenstoffe an, reduziert Stresshormone und bekämpft so miese Laune. Wer dabei auch noch im Grünen unterwegs ist, tut seiner Psyche gleich doppelt gut. Denn frische Luft und Tageslicht beleben und heben die Stimmung. Drei Mal 30 bis 60 Minuten Ausdauersport pro Woche ist ein prima Richtwert, um Geist und Körper zu wappnen. Denn Sport stärkt unser Herz-Kreislauf-System und unser Immunsystem.

Und für wen all das nicht schon Motivation genug ist, der kann einen einfachen Trick anwenden und Sportzeiten festlegen. Indem wir feste Zeiten einplanen – etwa den Montag als festen Joggingtag oder uns vornehmen, an einem bestimmten Wochentag mit dem Fahrrad zur Arbeit zu radeln – wird Sport zur Routine und wir stellen uns nicht jeden Tag aufs Neue die Frage, ob wir gerade eigentlich Lust dazu haben. Auf die Arbeit gehen wir schließlich auch immer – auch wenn es hin und wieder schwerfällt.

Stress „wegatmen“

Bereits der Gedanke an Stress, Ärger und Angst lässt das Herz schneller schlagen und bringt unsere Atmung durcheinander. Sanftes und tiefes Ein- und Ausatmen senkt dagegen den Herzschlag und holt uns so automatisch runter.

Eine mögliche Atemtechnik ist diese: 4 Sekunden tief und bewusst einatmen, die Luft kurz halten und anschließend 4 Sekunden ausatmen und wieder halten und das Ganze mindestens 4 Minuten lang. Dabei in Gedanken mitzählen und sich voll und ganz auf die Atmung konzentrieren. Dadurch bleibt kein Raum für andere Gedanken und wir holen uns ins Hier und Jetzt.

Soziale Kontakte pflegen

Auch wenn Face-to-Face-Begegnungen gerade nur eingeschränkt möglich sind, sollten wir sozial aktiv bleiben, denn fehlende soziale Interaktion und Einsamkeit können Depressionen und psychische Leiden verstärken. Also gerne öfter zum Telefon greifen oder einen Videoanruf machen – das tut gut.

Nachrichtendauerfeuer reduzieren

Das permanente Nachrichtendauerfeuer, das am laufenden Band aus uns einprasselt, verstärkt Angst und Stress. Denn schlechte Nachrichten sind immer mit negativen Emotionen verbunden. Wen die Negativmeldungen spürbar belasten, der sollte seinen Nachrichtenkonsum eingrenzen und auf maximal ein bis zwei Updates am Tag reduzieren.

Sorgen von der Seele schreiben

Was nachweislich guttut, ist Sorgen und Gedanken aufzuschreiben. Dadurch lassen wir sie ein Stück weit los, betrachten sie mit mehr Distanz und nehmen so einen anderen Blickwinkel ein.

Und wenn man schon mal den Stift in der Hand hält, kann man direkt weitermachen und versuchen, sich auf die schönen Dinge zu besinnen, die einem trotz allem im Alltag widerfahren. Worüber ist man dankbar? Welche schönen Momente hat man heute erlebt? Indem wir versuchen, unseren Blick auf positive Dinge zu lenken, werden wir zufriedener und gelassener.

Tipp: Sich abends 10 Minuten Zeit nehmen und die Gedanken von der Seele schreiben - was geht einem durch den Kopf? Das schafft Klarheit.

Neue Strukturen schaffen

Die Pandemie macht uns schonungslos bewusst, dass die ferne Zukunft nicht planbar ist. Plötzlich finden wir uns in einem völlig veränderten, unsicheren Alltag wieder – und das ist belastend. Denn wir sehnen uns danach, das eigene Leben unter Kontrolle zu haben.

Struktur und geplantes Handeln verstärken in uns das Gefühl, einer Situation nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Wenn also gewohnte Strukturen und Abläufe wegbrechen, hilft es, sich neue zu schaffen und so gegen das Chaos in der Seele gegenzusteuern. Das gelingt zum Beispiel mit To-Do Listen. Klingt unspektakulär, hilft aber prima, um sich und sein Leben zu strukturieren. Dazu einfach morgens die anstehenden Punkte für den Tag aufschreiben – wie einen Stundenplan – dabei eine Tasse Kaffee trinken und die Aufgaben in Ruhe planen.

Vielen hilft es auch, Erledigtes abzuhaken oder durchzustreichen. Das macht Erfolge sichtbar und vermittelt das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Wichtig ist nur, sich realistische Ziele zu setzen und den Tag nicht zu voll zu packen – sonst sind Stress und Druck wieder vorprogrammiert.

Stand: 12.11.2020, 11:30